Wer hat Schuld? 800 Urteile zur Haftungsverteilung bei Verkehrsunfällen
       Wer hat Schuld?     800 Urteile zur Haftungsverteilung bei Verkehrsunfällen

Kapitel E:                                                   Unfälle verschiedener Verkehrsteilnehmer              

 

 

I. Unfälle zwischen Kfz und Radfahrern

Kollision mit Rad fahrendem Kind/Jugendlichen

H6001 bis H6036

Befahren von Radweg in verkehrter Richtung

H6050 bis H6067

Radfahrer auf Gehweg

H6070 bis H6096

Radfahrer auf Fußgängerüberweg

H6100 bis H6104

Radfahrer ohne Licht

H6107 bis H6115

Sonstige

H6120 bis H6179

 

II. Unfälle zwischen Radfahrern

H6180 bis H6194

 

III. Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern

H6195 bis H6209

 

IV. Unfälle zwischen Kfz und Fußgängern

Unfälle auf Fußgängerüberweg/Zebrastreifen

H6210 bis H6224

Überqueren der Straße neben Fußgängerüberweg

H6230 bis H6242

Fußgänger alkoholisiert

H6250 bis H6275

Autofahrer alkoholisiert

H6285 bis H6287

Unfälle zwischen Motorradfahrern und Fußgängern

H6295 bis H6301

Geschwindigkeitsüberschreitung durch Kfz

H6315 bis H6329

Unfall auf Landstraße

H6340 bis H6355

Überqueren mehrspuriger/besonders breiter Straße

H6360 bis H6374

Sonstige

H6380 bis H6428

 

V. Unfälle zwischen Kfz und Kindern

Kind jünger als 10 Jahre

H6430 bis H6451

Kind/Jugendlicher 10 Jahre und älter

H6460 bis H6482

Aufsichtspflichtverletzung der Eltern

H6490 bis H6499

 

VI. Bus, Straßenbahn, Zug

Unfälle mit Bussen

H6501 bis H6517

Unfälle mit Straßenbahn

H6520 bis H6550

Unfälle mit Zügen und Bahnschranken

H6560 bis H6573

Unfälle beim Ein- und Aussteigen

H6590 bis 6599

Unfälle bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel

H6610 bis H6633

 

VII. Landwirtschafts-, Baustellen-, Müll-, Räum- und Militärfahrzeuge

Räum-, Kehr- und Müllfahrzeuge

H6640 bis H6646

Landwirtschaftliche Fahrzeuge

H6660 bis H6681

Baustellenfahrzeuge

H6700 bis H6702

Militärfahrzeuge

H6710 bis H6717

 

VIII. Tierunfälle

Pferde

H6740 bis H6760

Großvieh

H6770 bis H6790

Kleintiere

H6800 bis H6814

Tierunfälle außerhalb Verkehrsbetrieb

H6820 bis H6823

 

IX. Skater, Rollstuhlfahrer

Inline-Skater

H6830 bis H6836

Sonstige

H6840 bis H6841

 

X. Beifahrer, Sicherheitsgurt, Schutzhelm

Fahren mit ersichtlich alkoholisiertem Fahrer

H6850 bis H6856

Fahrer/Beifahrer nicht angeschnallt

H6860 bis H6867

Radfahrer ohne Schutzhelm

H6880 bis 6882

Schutzhelm, Sonstige

H6890 bis H6899

 

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Die Fälle:

 

 

 

I. Unfälle zwischen Kfz und Radfahrern

 

Kollision mit radfahrendem Kind/Jugendlichen

 

Wichtiger Hinweis zu Unfällen mit Kindern:

Seit der Änderung des Schadensersatzrechts zum 1.8.2002 haften Kinder unter 10 Jahren (bis zum 31.07.2002 unter 7 Jahren) nach dem Gesetz überhaupt nicht für von ihnen verursachte Schäden. Gegenüber Kraftfahrern kann ihnen daher keinerlei Mithaftung angelastet werden. In der Entscheidungssammlung finden Sie noch zahlreiche Urteile zur früheren Rechtslage. Diese Urteile wurden trotz der Gesetzesänderung noch in der Datenbank belassen, da sie weiterhin für die Beurteilung von Unfällen mit Kindern ab einem Alter von 10 Jahren herangezogen werden können.

 

 

H6001

Pkw A kollidiert innerorts mit 9-jährigem Radfahrer. Den Pkw-Fahrer trifft kein Verschulden. Hinweis: Die Entscheidung befasst sich mit der Frage der Betriebsgefahr des Pkw B.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Celle, 14 U 117/00, 10.05.2001

MDR 2001, 1166

 

H6002

Pkw A erfasst innerorts einen 8-jährigen Radfahrer B, der unachtsam die Straße überquert. Geschwindigkeit von A 68 km/h (erlaubt 50 km/h).

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

OLG Braunschweig, 3 U 165/93, 07.03.1994

DAR 1994, 277

 

H6003

8-jähriger Radfahrer A fährt von einem nicht einsehbaren Garagenhof auf die Straße und wird von Pkw B, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit einhielt, erfasst. Bemerkung: Grundsatzentscheidung des BGH zur Betriebsgefahr bei Unfallverursachung durch Kinder.

Haftungsverteilung: Grundsatzentscheidung des BGH zur Betriebsgefahr bei Unfallverursachung durch Kinder. Daher keine konkrete Entscheidung über die Haftungsverteilung (Zurückverweisung)

BGH, VI ZR 128/89, 13.02.1990

DAR 1990, 175

 

H6004

10-jähriger Radfahrer A macht mit anderen Kindern ein Wettrennen und fährt von verkehrsberuhigter Zone mit unverminderter Geschwindigkeit und mit Blick nach hinten auf eine Vorfahrtsstraße und kollidiert dort mit von links kommendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 2 U 71/91, 18.12.1991

NZV 1992, 320, OLGR Köln 1992, 158

 

H6005

9-jähriger Radfahrer A fährt auf eine Vorfahrtsstraße und kollidiert dort mit von links kommendem Pkw B. B konnte A rechtzeitig sehen, musste jedoch nicht mit dem Vorfahrtsverstoß rechnen.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 % (nur Betriebsgefahr, kein Verschulden)

LG Osnabrück, 9 O 145/89, 09.07.1990

VersR 1992, 466

 

H6006

8-jähriger Radfahrer A überquert auf Kinderrad eine Vorfahrtsstraße und kollidiert dort mit von rechts kommendem Pkw B, der mit überhöhter Geschwindigkeit (57-68 statt 50 km/h) fährt.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Schleswig, 9 U 39/62, 12.05.1993 - VersR 1994, 1084

 

H6007

Radfahrer A, der ohne Kindersitz ein 4-jähriges Kind auf dem Gepäckständer befördert, kommt beim Umfahren eines parkenden Pkws ins Schlingern. A wird dabei von einem gleichzeitig überholenden Lkw B erfasst und verletzt.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Karlsruhe, 10 U 102/88, 25.11.1988

DAR 1989, 299

 

H6008

Motorradfahrer A fährt an 14-jährigem Radfahrer B, der in der Mitte einer 6,5 m breiten Straße fährt, rechts vorbei und stürzt bei  Ausweichmanöver, weil B plötzlich nach rechts schwenkt.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG München, 24 U 367/89, 26.09.1991

NZV 1992, 234

 

H6009

13-jähriger Radfahrer A gerät durch einen Schlenker zur Fahrbahnmitte und kollidiert mit einem entgegenkommenden, nicht ganz rechts fahrenden Pkw B, der den Zusammenstoß jedoch auch bei einer Geschwindigkeit von 25-40 km/h nicht hätte vermeiden können.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Bochum, 5 T 34/91, 15.07.1991

VRS 81, 411

 

H6010

6-jähriger Radfahrer A fährt inmitten einer 3 m breiten Straße und prallt mit hoher Geschwindigkeit auf entgegenkommenden Pkw B, der wegen des Kindes angehalten hatte. Mutter C des Kindes befindet sich in einem nahe liegenden Garten.

Haftungsverteilung: C 100 %

AG Detmold, 6 C 424/96, 05.12.1996

NJW 1997, 1788

 

H6011

8-jähriger Radfahrer A ordnet sich innerorts zur Straßenmitte ein und biegt ohne Handzeichen nach links ab. Er kollidiert mit entgegenkommendem Pkw B, dessen Fahrer trotz Erkennbarkeit der Situation seine Geschwindigkeit nicht reduziert.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

LG Kaiserslautern, 1 S 213/93, 23.11.1993

MDR 1994, 255

 

H6012

12-jähriger Radfahrer A befährt zu schnell abschüssigen, für den Durchgangsverkehr gesperrten Feldwirtschaftsweg und kollidiert in Rechtskurve mit entgegenkommendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

Saarländisches OLG, 3 U 804/96-126, 13.11.1997

OLGR Saarbrücken 1998, 100

 

H6013

15-jährige Radfahrerin überquert ohne auf den fließenden Verkehr zu achten eine mit zwei Stoppschildern gesicherte Vorfahrtsstraße und wird von vorfahrtsberechtigtem Lkw B erfasst. Das Urteil befasst sich mit der Betriebsgefahr des LKWs.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 61/02, 07.11.2002

OLGR Celle 2003, 38

 

H6014

Radfahrer A fährt auf Radweg ca. 7m vor seinem 5-jährigen Kind, das von einem links abbiegenden Pkw B erfasst wird. B war die Sicht durch parkende Fahrzeuge versperrt.

Haftungsverteilung: B 100 %

LG Mönchengladbach, 5 S 75/03, 14.10.2003

DAR 2003, 562

 

H6015

Pkw A fährt aus einer Tiefgarage und kollidiert mit auf dem in Fahrtrichtung linken Bürgersteig verbotswidrig fahrenden 16-jährigen Radfahrer B.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

AG Augsburg, 16 C 2159/01, 25.07.2001

ZfS 2001, 446, DAR 9/2004, Seite IV

 

H6016

12-jähriger Radfahrer A fährt hinter auf seiner Fahrspur stehenden Fahrzeugen nach links auf die Fahrbahn, um in einen linksseitigen Radweg einzubiegen. Er kollidiert dabei mit entgegenkommendem Kfz B, dessen Fahrer vorschriftsmäßig fährt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Brandenburg, 14 U 54/99, 15.09.1999

NZV 2000, 122

 

H6017

14-jähriger Rennradfahrer A befährt auf Landstraße aus seiner Sicht linken Radweg und überquert eine von links einmündende Seitenstraße, ohne auf den bevorrechtigten Pkw B zu achten. A wird von B erfasst.

Haftungsverteilung: Vorinstanzen A 100 %; BGH Zurückverweisung an OLG Zweibrücken; Neuentscheidung unter Berücksichtigung des jugendlichen Alters des A

BGH, VI ZR 31/02, 18.11.2003

DAR 2004, 105

 

H6018

12-jähriger Radfahrer A fährt aus einer untergeordneten Straße in eine belebte Hauptstraße ein, ohne auf den bevorrechtigten Verkehr zu achten. A wird von herannahendem, mit verhaltener Geschwindigkeit fahrendem Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Nürnberg–Fürth, 2 S 6479/96, 21.11.1996

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6019

15-jähriger Radfahrer überquert Fahrbahn, ohne auf den bevorrechtigten Verkehr zu achten. Er wird von herannahendem Lkw B erfasst und verletzt.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Oldenburg, 13 U 112/91, 10.02.1992

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6020

8-jähriger Radfahrer A fährt über Straße, ohne auf von rechts kommenden Lkw B zu achten, der nach Ladevorgang gerade angefahren ist.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Schleswig, 9 U 63/01, 18.12.2002

IVH 2003, 9, MDR 2003, 264

 

H6021

14-jährige Radfahrerin A biegt unachtsam nach links ab und wird von nachfolgendem Pkw B erfasst, dessen Fahrer trotz der unklaren Verkehrslage A mit mindestens 107 km/h statt erlaubter 60 km/h überholt.

Haftungsverteilung: B 100 %

Saarländisches OLG, 3 U 966/96-152, 30.12.1997

OLGR Saarbrücken 1998, 212

 

H6022

Pkw A fährt innerorts mit knapp über 50 km/h und erfasst knapp 8-jähriges Kind B, das mit Fahrrad aus einer schwer erkennbaren und einzusehenden Grundstücksausfahrt kommt.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

OLG Düsseldorf, 15 U 267/90, 08.01.1992

OLGR Düsseldorf 1992, 104

 

H6023

14-jähriger Radfahrer A fährt ohne anzuhalten aus einer völlig unübersichtlichen Einmündung in eine Vorfahrtstraße unmittelbar vor einem Linienbus B, der sich mit einer Geschwindigkeit unterhalb der zulässigen 50 km/h nähert, und wird von diesem erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG München II, 29.07.2004, 8 S 2670/04

VersR 2005, 809

 

H6024

14,5 Jahre alter Radfahrer A missachtet die Vorfahrt des mit 30 km/h fahrenden Pkws B und fährt seitlich in das Fahrzeug. Nachdem ein erster Radfahrer aus derselben Nebenstraße gekommen war, rechnete B nicht mit einem zweiten Radfahrer.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Koblenz, 01.12.2004, 12 S 159/04

DAR 2005, 94

 

H6025

13jähriger Radfahrer A überquert unter (grober) Missachtung der Vorfahrt des fließenden Verkehrs eine Kreisstraße und kollidiert mit Kfz B. Betriebsgefahr von B?

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Nordhorn, 13.11.2003, 3 C 1039/03

DAR 2004, 98, NJW-RR 2004, 749, NZV 2004, 465

 

H6026

13-jähriger Radfahrer A wird beim beabsichtigten Linksabbiegen von überholendem Pkw B erfasst. A hatte sich zur Fahrbahnmitte hin eingeordnet, aber kein Handzeichen gegeben. B hat trotz der unklaren Verkehrslage überholt.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

LG Kleve, 24.10.2003, 5 S 97/03

JURIS online

 

H6027

Zehneinhalbjähriger Radfahrer A fährt aus von weitem sichtbarer Gruppe von Kindern unachtsam auf Fahrbahn und wird dort von Kfz B erfasst. B hielt zwar zulässige Geschwindigkeit ein, hat aber trotz Erkennbarkeit der Kinder seine Geschwindigkeit nicht vermindert.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Oldenburg, 26.02.2004, 8 U 229/03

DAR 2004, 706

 

H6028

Vorfahrtsberechtigter Pkw A kollidiert auf Kreuzung mit wartepflichtigem 11-jährigem Radfahrer B, der unter Missachtung des für ihn geltenden Fahrtrichtungsgebots in die Kreuzung einfährt. Betriebsgefahr des A?

Haftungsverteilung: A 15 %, B 85 %

AG Dortmund, 01.07.1997, 108 C 15931/96

Schaden-Praxis 1997, 424

 

H6029

15-jähriger Radfahrer überquert Vorfahrtsstraße und wird von Pkw B erfasst, der trotz des Zeichens 138 (Radfahrer kreuzen) die zulässige Höchstgeschwindigkeit erheblich überschreitet.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

AG Neuss, 25.04.1996, 33 C 319/94

Schaden-Praxis 1996, 239

 

H6030

Siebenjähriges Kind A biegt mit Fahrrad nach links ab, ohne Fahrtrichtungswechsel anzuzeigen und ohne auf den entgegenkommenden Pkw B zu achten. A wird von B erfasst. B fuhr entweder zu schnell und reagierte in diesem Fall optimal oder er fuhr mit angemessener Geschwindigkeit von etwa 30 km/h, reagierte aber zu spät.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Koblenz, 09.02.2004, 12 U 113/03

OLGR Koblenz 2004, 405

 

H6031

10-jähriger Radfahrer A fährt in Wohngebiet unachtsam von Garagenhof auf Fahrstraße und wird von mit max. 33 km/h fahrendem Kfz B erfasst, dessen Fahrer den A wegen hoher Hecke nicht sehen konnte. A trug keinen Schutzhelm und erlitt deshalb schwerere Verletzungen. Unfall ereignete sich 2002.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Krefeld, 22.12.2005, 3 O 179/05

NZV 2006, 205

 

H6032

Kind A (unter 10 J.) stößt kurz nach Einbiegen aus einer anderen Straße mit seinem Fahrrad gegen die weit geöffnete hintere Tür eines am Fahrbahnrand abgestellten Pkws B.

Hinweis: Unfall ereignete sich nach dem 1.7.2002, daher keine Eigenhaftung des A.

Haftungsverteilung: A 0 %

BGH, 11.03.2008, VI ZR 75/07

NJW-Spezial 2008, 267; DAR 2008, 336

 

H6033

Knapp 8-jähriger Junge fährt mit Fahrrad von einer Fußgängerbrücke herunter auf die Fahrstraße und prallte ungebremst vorbeifahrenden Pkw B. Anwesenheit des Kindes vor Wohnung wurde in regelmäßigen Zeitabständen von Mutter B kontrolliert. Kind konnte schon sicher Rad fahren. Hinweis: Unfall ereignete sich nach dem 1.7.2002, daher keine Eigenhaftung des Kindes. Haftung der B wegen Aufsichtspflichtverletzung?

Haftungsverteilung: B 0 %

AG München, 27.06.2007, 322 C 3629/07

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6034

Achtjähriges Kind A lässt auf dem Bürgersteig sein Kinderfahrrad los, damit dieses von alleine weiterrollt und dann führerlos auf die Fahrbahn gegen ein zu diesem Zeitpunkt vorbeifahrendes Kfz B stößt. Hinweis: Unfall ereignete sich nach dem 1.7.2002, daher keine Eigenhaftung des Kindes..

Haftungsverteilung: A 0 %

BGH, 16.10.2007, VI ZR 42/07

BGHR 2008, 121; NJW 2008, 147

 

H6035

14-jähriger Radfahrer A fährt neben einem weiteren Radfahrer auf seinem eigenen Fahrstreifen nahezu in der Mitte der Fahrbahn und gerät kurz vor Herannahen des entgegenkommenden Pkw B auf dessen Fahrbahnseite, wo beide kollidieren. A behauptet, seine unsichere Fahrweise hätte dem B auffallen müssen, kann dies aber nicht beweisen.

A 100%

OLG Frankfurt,12.09.2007; 14 U 149/07

Schaden-Praxis 2008, 177

 

H6036

11-jähriger Radfahrer, der den Gehweg einer Vorfahrtsstraße entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung benutzt, kollidiert beim Überqueren einer Einmündung mit Radfahrer B. A kann nicht zu beweisen, dass ihm die erforderliche Einsicht zur Erkenntnis der Verantwortlichkeit gefehlt hat (§ 828 Abs. 3 BGB).

Haftungsverteilung: A 100%

OLG Hamm, 9 U 238/15, vom 16.09.2016

ZAP EN-Nr. 116/2017

 

 

Befahren von Radweg in verkehrter Richtung

 

H6050

Wartepflichtiger Pkw A, der nach rechts in eine bevorrechtigte Straße abbiegen will, kollidiert mit Radfahrer B, der auf der bevorrechtigten Straße verbotswidrig den linken Radweg befährt. Verschulden des A ist nicht beweisbar.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Düsseldorf, 1 U 206/99, 10.04.2000

NZV 2000, 506, DAR 2001, 78

 

H6051

Radfahrer A fährt entlang einer Vorfahrtsstraße auf Radweg entgegen der Fahrtrichtung im Einmündungsbereich einer Straße hinter dem Heck eines die Sicht auf ihn verhindernden Lastkraftwagens vom Radweg in die Fahrbahn ein und kollidiert dort mit einem ihm entgegenkommenden, nach rechts abbiegenden Pkw B.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Hamburg, 08.01.2004, 50A C 2417/03

Schaden-Praxis 2004, 77

 

H6052

Radfahrer A befährt Radweg in unzulässiger Richtung und kollidiert mit nach rechts abbiegendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Saarbrücken, 3 U 244/03-25, 13.01.2004

OLGR Saarbrücken 2004, 333

 

 

H6053

Radfahrer A fährt innerorts auf einem Radweg in verkehrter Richtung. Er kollidiert mit dem aus einem Grundstück kommenden Pkw B. Besonderheit: Sicht des B war durch parkenden Lkw stark eingeschränkt.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Nürnberg-Fürth, 8 S 9525/91, 19.02.1992

DAR 1993, 265

 

H6054

Pkw A biegt aus einer Nebenstraße nach rechts in eine Vorfahrtsstraße ein und kollidiert dabei mit Radfahrer B, der den entlang der Vorfahrtsstraße führenden Radweg in verkehrter Richtung befährt.

Haftungsverteilung: A 2/5, B 3/5

OLG Bremen, 3 U 69/96, 11.02.1997

DAR 1997, 272

 

H6055

Pkw A kreuzt beim Rechtsabbiegen einen bevorrechtigten Fahrradweg und kollidiert dabei mit Radfahrer B, der den Radweg vorschriftswidrig in verkehrter Richtung benutzt.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Hamm, 9 U 208/94, 10.03.1995

DAR 1996, 321, OLGR Hamm 1996, 148

 

H6056

Pkw A fährt von Nebenstraße nach rechts in Vorfahrtsstraße ein und muss dabei einen Fahrradweg kreuzen. Er kollidiert mit Radfahrer B, der in verkehrte Richtung gefahren ist.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Hamm, 6 U 68/96, 24.10.1996

OLGR Hamm 1997, 43

 

H6057

Radfahrer A benutzt verkehrswidrig den linken Radweg einer Vorfahrtsstraße und kollidiert mit dem aus einer Seitenstraße kommenden Pkw B.

Haftungsverteilung: A max. 60 %, B mind. 40 %

OLG Hamm, 27 U 241/91, 10.03.1992 - NZV 1992, 364

 

H6058

Pkw A fährt von untergeordneter Straße in Vorfahrtsstraße ein und kollidiert dabei mit Radfahrer B, der den entlang der Vorfahrtsstraße verlaufenden Radweg in verkehrte Richtung befährt.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Hamm, 6 U 335/91, 26.03.1992

OLGR Hamm 1992, 392

 

H6059

8-jähriger Radfahrer A fährt innerorts auf einem Radweg in verkehrter Richtung. Er kollidiert mit dem aus einem Grundstück kommenden Pkw B.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

KG Berlin, 12 U 6697/91, 18.01.1993

DAR 1993, 257

 

H6060

Radfahrer A benutzt entlang der Vorfahrtsstraße den falschen Radweg und kollidiert mit aus untergeordneter Nebenstraße kommendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

LG Berlin, 01.09.2003, 58 S 129/03

Schaden-Praxis 2003, 418

 

H6061

Radfahrer A befährt Radweg entgegen der Fahrtrichtung und überquert sodann eine (Anlieger-)Straße auf einem Fußgängerüberweg in der Annahme, dass die Straße für Fahrzeuge ausnahmslos gesperrt ist, und kollidiert dabei mit einem die Straße befahrenden Pkw B eines Anliegers. Dieser konnte die Kollisionsgefahr nicht erkennen und nicht mehr rechtzeitig abbremsen.

A 50%, B 50%

AG Halle, 91 C 2990/06, 12.01.2007

Schaden-Praxis 2007, 207

 

H6062

Radfahrer A fährt verbotswidrig entgegen der Fahrtrichtung auf dem linken Radweg einer Vorfahrtsstraße und kollidiert mit Lieferwagen B, der von links aus untergeordneter Straße nach rechts in Hauptstraße einbiegt. B hat nicht nach rechts in Richtung A gesehen.

A 65%, B 35%

AG Bernau, 23.11.2010, 10 C 398/09

Schaden-Praxis 2011, 247

 

H6063

Pkw A fährt von Stichstraße nach rechts in eine Vorfahrtsstraße ein und kollidiert auf der Einmündung mit Radfahrer B, der verbotswidrig den Radweg in der falschen, d.h. (für ihn) linken anstatt der rechten Richtung befährt und die Einmündung mit einer Geschwindigkeit von 10 km/h überqueren will.

A 70%, B 30%

LG Wuppertal, 04.01.2013, 2 O 407/10

Schaden-Praxis 2013,, 253

 

H6064

Den Radweg in falscher Richtung nutzender Radfahrer A kollidiert mit wartepflichtigem Pkw B, das den Radweg überquert.

A 40%, B 60%

AG Köln, 269 C 95/13, 15.11.2013

Schaden-Praxis 2014, 190

 

H6065

Radfahrer A, der Radweg einer bevorrechtigten Straße entgegen der  Fahrtrichtung befährt, stößt mit einem aus einem verkehrsberuhigten Bereich auf den Radweg einbiegenden Radfahrer B zusammen.

A 2/3, B1/3

OLG Hamm, I-26 U 60/13, 06.06.2014

MDR 2014, 1023; NJW-RR 2014, 1444

 

H6066

Radfahrer A überquert entgegen der Fahrtrichtung auf dem Gehweg fahrend Straßeneinmündung, obwohl ihm durch einen parkenden Pkw die Sicht nach links in die Einmündung versperrt ist, und kollidiert mit einem im Kreuzungsbereich langsam auf die Einmündung zurollenden Pkw B.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Wiesbaden, 91 C 1333/15 (28), 01.10.2015

DV 2016, 24

 

H6067

Radfahrer A befährt Geh- und Radweg in falscher Richtung und kollidiert beim Überqueren einer untergeordneten Einmündung mit wartepflichtigen Pkw B.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75%

OLG München, 10 U 4616/15, 05.08.2016

MDR 2017, 28

 

 

Radfahrer auf Gehweg

 

H6070

Radfahrer A befährt Gehweg in verkehrter Richtung. Er kollidiert mit aus einer Nebenstraße kommendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 89/00, 14.06.2001

MDR 2001, 1236

 

H6071

Pkw A fährt aus einer Grundstückseinfahrt langsam in die Straße ein und kollidiert dabei mit Radfahrer B, der von rechts kommend den Gehweg befährt.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 27 U 153/93, 13.10.1994

NZV 1995, 152, OLGR Hamm 1995, 29

 

H6072

Pkw A kollidiert mit verbotswidrig auf Gehsteig und von dort plötzlich auf Straße fahrendem Radfahrer B.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Bremen, 3 U 127/88, 14.02.1989

DAR 1989, 305

 

H6073

Pkw A fährt rückwärts aus Hofeinfahrt und kollidiert mit Radfahrer B, der verbotswidrig auf dem Gehsteig fährt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 222/02, 31.01.2003

MDR 2003, 928

 

H6074

Radfahrer A benutzt verbotswidrig den in seiner Fahrtrichtung linken Gehweg statt den auf der rechten Straßenseite befindlichen Radweg. Er kollidiert mit dem von links aus einer Querstraße kommenden Kfz B.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Stralsund, 11 C 1283/02, 12.03.2003

NZV 2003, 290

 

H6075

Radfahrer A befährt verbotswidrig den Gehweg und zudem noch in falscher Fahrtrichtung und mit einer solchen Geschwindigkeit, dass er dem aus einem Grundstück herausfahrenden Pkw B nicht mehr ausweichen kann und mit diesem kollidiert.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Essen, 18 O 284/00, 16.07.2001

Schaden-Praxis 2002, 84

 

H6076

Fahrradfahrer A, der verbotswidrig auf dem Gehweg entgegen der Fahrtrichtung ganz nahe an einer Grundstücksausfahrt vorbeifährt, kollidiert mit Pkw B, der sich langsam aus einer Grundstücksausfahrt heraustastet.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Marl, 3 C 377/99, 26.10.1999

Schaden-Praxis 2000, 155

 

H6077

Radfahrer A fährt auf Gehweg in verkehrter Richtung und kollidiert dabei mit von links aus untergeordneter Nebenstraße kommendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Nürnberg–Fürth, 8 S 8430/91, 04.03.1992

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6078

Erwachsener Radfahrer A fährt entgegen der Fahrtrichtung verbotswidrig auf dem Gehweg und kollidiert mit Lkw B, dessen Fahrer ohne Beachtung der erforderlichen Sorgfalt aus einer Grundstücksausfahrt auf die Fahrbahn ausfährt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

AG Essen, 25.11.2003, 9 C 54/03

Schaden-Praxis 2004, 117

 

H6079

Verbotswidrig auf dem Gehweg fahrender Radfahrer A kollidiert mit aus einer Grundstücksausfahrt fahrendem Kfz B.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

AG Wuppertal, 19.08.1997, 37 C 16/97

Schaden-Praxis 1997, 389

 

H6080

Verbotswidrig auf dem Gehweg fahrender, erwachsener Radfahrer A kollidiert mit aus einer schlecht einsehbaren Grundstücksausfahrt fahrendem Lkw B. A hat entweder die gebotene Schrittgeschwindigkeit nicht eingehalten oder war aufmerksam.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Aschaffenburg, 19.09.1997, 19 C 978/97

Schaden-Praxis 1997, 462

 

H6081

Pkw A will aus schmaler, untergeordneter Straße in die Vorfahrtsstraße einbiegen und kollidiert mit Radfahrer B, der verbotswidrig den Gehweg der Vorfahrtsstraße benutzt. Der Einblick in die nicht bevorrechtigte Straße war durch eine hohe Hecke versperrt.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG Aachen, 28.05.1997, 13 C 63/97

Schaden-Praxis 1997, 425

 

H6082

Erwachsener Radfahrer A, der verbotswidrig und erheblich über Schrittgeschwindigkeit Gehweg befährt, kollidiert mit Kfz B, das sich vorsichtig und mit Schrittgeschwindigkeit aus einer Ausfahrt heraus auf den Gehweg bis zur Sichtlinie vortastet.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Köln, 25.06.1993, 266 C 481/92

VRS 85, 405-409

 

H6083

Verbotswidrig den Gehweg befahrender Radfahrer A kollidiert mit Pkw B, der aus einer Ausfahrt kommend den Gehweg überquert. A wendet ein, auf der vielbefahrenen Fahrbahn ständig durch verkehrswidriges Verhalten anderer gefährdet und behindert zu werden.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

LG Hamburg, 24.04.1992, 306 O 344/91

ZfS 1992, 257, NZV 1993, 33, Schaden-Praxis 1993, 50

 

H6084

12-jähriger Radfahrer A fährt auf dem linken Gehweg und überquert, ohne auf den Verkehr zu achten, die Straße, um zu einem anderen Kind zu gelangen. A kollidiert mit entgegenkommendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

OLG Hamm, 9 U 160/98, 09.02.1999

NZV 2000, 167

 

H6085

Pkw A biegt aus einer Nebenstraße kommend nach rechts ab und kollidiert mit 14-jährigem Radfahrer B, der ihm von rechts auf Gehweg entgegenkommt. A war die Sicht auf den Gehweg versperrt.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG Ibbenbühren, 3 C 726/95, 10.10.1995

DAR 1996, 28, ZfS 1995, 446

 

H6086

Erwachsener Fahrradfahrer A fährt verkehrswidrig mit hohem Tempo auf dem Fußgängerweg und stößt dabei mit aus Grundstück ausfahrendem Kfz B zusammen.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Potsdam, 34 C 314/04, 16.03.2005

ADAJUR DokNr: 64407

 

H6087

Erwachsener Fahrradfahrer A fährt verkehrswidrig mit hohem Tempo auf dem Fußgängerweg und stößt dabei mit aus Grundstück ausfahrendem Kfz B zusammen.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Potsdam, 34 C 314/04, 16.03.2005

ADAJUR DokNr: 64407

 

H6088

Verbotswidrig auf Gehweg mit mindestens 10 km/h fahrender Radfahrer A kollidiert nach einem leichten „Rechtsknick“ des Gehwegs mit dem aus einer Grundstückseinfahrt herausfahrenden Pkw B.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG München I, 17 S 12877/04

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6089

Radfahrer A befährt verbotswidrig den für ihn linken Gehweg in Gegenrichtung der Einbahnstraße und übersieht orangefarbige Warnleuchte, die bei Öffnen einer Tiefgaragenausfahrt aufleuchtet. A kollidiert mit aus Garage ausfahrendem Pkw B. A war wegen der Dunkelheit und mangels Beleuchtung schlecht sichtbar.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

AG München, 03.08.2007, 344 C 26559/05

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6090

Radfahrer A fährt entgegen der Fahrtrichtung auf Gehweg und kollidiert mit Pkw B, der aus einer Ausfahrt kommend nach rechts abbiegt.

A 65%, B 35%

AG Alfeld, 4 C 161/06, 15.11.2006

Schaden-Praxis 2007, 279

 

H6091

Erwachsener Fahrradfahrer A fährt auf dem Gehweg entgegen der Fahrtrichtung und kollidiert beim Einfahren vom Gehweg auf die Straße mit einem auf diese abbiegenden Pkw B, dessen Sicht nach rechts durch Gebüsch eingeschränkt ist.

A 100%

LG Stralsund, 6 O 560/05, 10.05.2006

Schaden-Praxis 2007, 246

 

H6092

Erwachsener Radfahrer A befährt verbotswidrig und entgegen der Fahrtrichtung den Gehweg und kollidiert mit aus verkehrsberuhigter Zone nach rechts abbiegendem Pkw B.

A 100%

AG Mainz, 31.03.2008, 82 C 572/07

Schaden-Praxis 2008, 285

 

H6093

Erwachsener Radfahrer A befährt verbotswidrig und mit nicht angepasster Geschwindigkeit den Gehweg und kollidiert dabei mit langsam in eine Grundstückseinfahrt einfahrendem Kfz B, auf das ihm durch eine Litfaßsäule die Sicht versperrt war.

A 100%

LG Erfurt, 8 O 1790/06, 14.03.2007

NZV 2007, 522

 

H6094

Aus einem Grundstück ausfahrender Pkw A kollidiert mit erwachsenem Fahrradfahrer B, der den Gehweg benutzt. Unfallhergang bleibt im Einzelnen ungeklärt.

A 30%, B 70%

OLG Saarbrücken, 01.03.2011, 4 U 355/10 – 107

NJW-RR 2011, 754; NZV 2011, 612

 

H6095

Radfahrer A befährt schmalen Gehweg entgegen der Fahrtrichtung und kollidiert mit einem aus einer Grundstücksausfahrt herausfahrenden Pkw B.

A 100%

LG Berlin, 10.05.2011, 41 O 41/11

Schaden-Praxis 2012, 248

 

H6096

Fahrradfahrer A fährt auf schmalem Gehweg innerorts in Gegenrichtung mit unangepasster Geschwindigkeit und kollidiert mit Kfz B, das langsam mit Schrittgeschwindigkeit aus einer Grundstücksausfahrt herausfährt.

A 100%

OLG Dresden, 12.10.2012, 7 U 885/12

NZV 2013, 389

 

 

Radfahrer auf Fußgängerüberweg

 

H6100

Lieferwagen A überfährt bei Dunkelheit die einer Kreuzung vorgelagerte Ampel bei Gelb und nach-gelagerte Hauptampel (wahrscheinlich) bei Rot. Er kollidiert mit Radfahrer B, der den kreuzenden Rad-/Fußgängerweg bei Rot überquert.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 9 U 84/02, 16.05.2003

DAR 2004, 89

 

H6101

67-jähriger Radfahrer A biegt von einem Gehweg, ohne Handzeichen und ohne auf den rückwärtigen Verkehr zu achten, im Bereich eines Fußgängerüberwegs, dessen Lichtzeichenanlage für ihn Rotlicht zeigt, plötzlich auf die stark frequentierte Straße in eine Lücke zwischen zwei Fahrzeugen des rückwärtigen Verkehrs ein und wird von dem hinteren Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Regensburg, 28.10.2004, 1 O 1708/04

DAR 2005, 346

 

H6102

Radfahrer A überquert radelnd einen Zebrastreifen und  kollidiert dabei mit Pkw B, der mit ca. 40 km/h gefahren ist und dessen Fahrer das verkehrswidrige Verhalten des B hätte erkennen können.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Hamm, 13 U 219/91, 30.03.1992

NZV 1993, 66

 

H6103

Pkw A kollidiert mit Radfahrer B, während dieser verbotswidrig den Fußgängerüberweg befährt. A hat bei Annäherung an den Fußgängerüberweg gegen das Sichtfahrgebot verstoßen.

A 50%, B 50%

LG Frankenthal, 24.11.2010, 2 S 193/10

SVR 2011, 182

 

H6104

Radfahrer A überquert Fußgängerüberweg und wird von Pkw B erfasst.

A 80%, B 20%

AG Stralsund, 13.09.2011, 5 C 33/11

Schaden-Praxis 2012, 250

 

 

Radfahrer ohne Licht

 

H6107

Mit 2,28 Promille alkoholisierter Radfahrer A, der trotz Dunkelheit ohne Licht fährt, verlässt völlig unmotiviert den Fahrradweg und gerät auf die Gegenfahrbahn, wo er frontal mit Pkw B zusammenstößt. Betriebsgefahr des B?

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Kiel, 09.07.1991, 13 C 192/91

VersR 1992, 760

 

H6108

Radfahrer A (17 Jahre) und Radfahrer B (46 Jahre) kollidieren bei Dunkelheit. Beide fuhren ohne Licht. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Celle, 14 U 122/02, 20.02.2003

OLGR Celle 2003, 183

 

H6109

14-jähriger Radfahrer A fährt bei Dunkelheit ohne Licht mit erheblicher Geschwindigkeit in Begleitung eines Motorrollerfahrers unter Missachtung eines Stoppschilds ohne anzuhalten oder zu bremsen auf eine Vorfahrtsstraße und wird von Pkw B erfasst. B fuhr mit mindestens 67 km/h (erlaubt 50 km/h), hätte den Unfall aber auch bei Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nicht vermeiden können.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 179/02, 24.07.2003

OLGR Celle 2003, 380

 

H6110

Links abbiegender Pkw A kollidiert mit Radfahrer B, der mit einem unbeleuchteten Mountainbike vom Gehweg in die Fahrbahn einfährt.

Haftungsverteilung: B 100 %

LG Hamburg, 18.09.1998, 306 O 152/98

Schaden-Praxis 1999, 7

 

H6111

Radfahrer A fährt nachts ohne Beleuchtung bei Rot in Kreuzung ein und kollidiert mit Pkw B.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Düsseldorf, 1 U 266/89, 22.04.1991

r+s 1991, 371 (Ls.)

 

H6112

Wartepflichtiger Pkw A kollidiert mit bevorrechtigtem Radfahrer B, der trotz Dunkelheit ohne Beleuchtung fährt.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

LG Aachen, 18.09.2003, 1 O 274/00

SVR 2004, 230

 

H6113

Wartepflichtiger unbeleuchteter Radfahrer A kollidiert nachts mit vorfahrtsberechtigtem Kfz B.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Bochum, 6.12.1989, 4 O 467/89

VersR 1991, 1189

 

H6114

Rennradfahrer A und B befahren bei Dunkelheit unbeleuchtet Landstraße am rechten Fahrbahnrand. Nachfolgender, mit 80 - 95 km/h fahrender Pkw C, dessen Fahrer A und B zu spät sieht, gerät infolge Vollbremsung ins Schleudern und kollidiert frontal mit Gegenverkehr.

Haftungsverteilung: A und B als Gesamtschuldner 60 %, C 40 %

OLG Frankfurt, 03.12.2004, 24 U 201/03

OLGR Frankfurt 2005, 383, NZV 2006, 36

 

H6115

Radfahrer A fährt bei Dunkelheit ohne Licht über Fußgängerüberweg, obwohl die Ampel für ihn in der Mitte der Fahrbahn auf Rot umgeschaltet hat und er auf einer Verkehrsinsel auf die nächste Grünphase hätte warten können. A wird von herannahendem Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Düsseldorf, 20 C 10047/00, 26.01.2001

ADAJUR DokNr: 62993

 

 

Sonstige

 

H6120

Radfahrer A fährt aus Einmündung auf eine Vorfahrtsstraße und kollidiert dort mit von links kommendem Pkw B, der mit erheblich überhöhter Geschwindigkeit (91 statt 50 km/h) fährt.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 3 U 150/95, 14.08.1996

r+s 1997, 193

 

H6121

Pkw A kollidiert an einer Kreuzung mit Radfahrer B, der aus einer zwar bevorrechtigten, aber nur für Straßenbahnen freigegebenen Straße kommt.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Karlsruhe, 10 U 103/91, 11.10.1991

NZV 1992, 189

 

H6122

Pkw A kommt aus Werksausfahrt und kollidiert mit Radfahrer B, der den Radweg befährt. An beiden Wegen befindet sich ein Verkehrszeichen "Vorfahrt gewähren".

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

AG Köln, 266 C 162/93, 30.07.1993

MDR 1994, 354

 

H6123

Radfahrer A überquert mehrspurige Vorfahrtsstraße durch die von wartenden Kfz freigelassenen Kolonnenlücken. Er kollidiert mit Pkw B, der verbotswidrig auf einer für Busse und Taxen freigegebenen Fahrspur an den Fahrzeugkolonnen vorbeifährt.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

KG Berlin, 12 U 4397/91, 25.05.1992

NZV 1992, 486

 

H6124

Radfahrer A fährt bei Dunkelheit außerorts aus einer Hofeinfahrt kommend in eine Bundesstraße ein und kollidiert dort mit Motorradfahrer B, der zu schnell (113 statt 90 km/h) fährt

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Oldenburg, 14 U 12/96, 13.03.1997

VersR 1999, 74

 

H6125

Radfahrer A hält auf dem Radweg an einer roten Ampel an. Er und der schräg hinter ihm wartende Lkw B fahren an. Beim Rechtsabbiegen kollidiert B mit dem geradeaus fahrenden A.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Bremen, 3 U 126/90, 12.03.1991

NZV 1992, 35

 

H6126

79-jähriger Radfahrer A fährt auf Landstraße am rechten Fahrbahnrand und wechselt unvermittelt und ohne Handzeichen auf die andere Straßenseite, um auf den dortigen Radweg zu gelangen. Er kollidiert dabei mit von hinten kommendem Motorrad B.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 27 U 164/90, 22.01.1991

NZV 1991, 466

 

H6127

Radfahrer A verlässt den rechten Radweg, um nach  links in eine Seitenstraße abzubiegen. Dabei streckt er nicht während des gesamten Abbiegevorgangs seinen linken Arm aus. Während des Abbiegevorgangs wird er von Motorradfahrer B erfasst, der mit 80 km/h einen hinter dem Radler fahrenden Pkw überholt.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 27 U 2/89, 08.06.1989 - NZV 1990, 26

 

H6128

Radfahrer A befährt bergab mit ca. 30 km/h eine steile Dorfstraße und stürzt, als er einem entgegen-kommenden Pkw B ausweichen will, der beginnt nach links abzubiegen.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Nürnberg, 3 U 2574/90, 23.10.1990

VersR 1991, 354

 

H6129

Radfahrer A und Pkw B fahren in entgegengesetzter Richtung auf eine durch ein Pflanzbeet bedingte Fahrbahnverengung (3,70m) zu. A, der die Engstelle zuerst erreicht, und B, der wegen einer leichten Kurve keinen Sicherheitsabstand von 1 m einhält, kollidieren.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 6 U 163/96, 23.01.1997

MDR 1997, 934

 

H6130

Mit 0,8 Promille alkoholisierter Radfahrer A wird nachts auf Landstraße neben seinem Rad hockend von einem Pkw B erfasst, der mit 70 km/h ohne eingeschaltetes Fernlicht gefahren ist.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 27 U 133/97, 02.12.1997

NZV 1998, 202

 

H6131

Pkw A kommt als Linksabbieger aus einer untergeordneten Straße und kollidiert mit entgegenkommendem Radfahrer B, der, ebenfalls aus einer Nebenstraße kommend das für ihn geltende Stoppschild überfährt.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Nürnberg-Fürth, 2 S 5298/93, 11.08.1993

DAR 1993, 436

 

H6132

Lkw A biegt bei Grün nach rechts ab und kreuzt dabei den rechten Radweg, wo er mit dem in gleiche Richtung fahrenden Radfahrer B kollidiert.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG München, 10 U 5242/86, 05.08.1988

DAR 1989, 382

 

H6133

Rennradfahrer A fährt auf Vorfahrtsstraße und stürzt, als er dem vorfahrtsverletzenden Pkw B ausweicht. A benutzte den vorhandenen Radweg nicht, da sich dieser wegen seines schlechten Zustandes nicht zum Schnellfahren eignete.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Köln, 19 U 208/93, 14.01.1994

OLGR Köln 1994, 52

 

H6134

Pkw A fährt mit eingeschaltetem Fernlicht bei Dunkelheit auf Landstraße mit 60 km/h und erfasst einen vom Seitenstreifen auf die Fahrbahn einfahrenden Radfahrer B.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 6 U 166/93, 16.12.1993

OLGR Hamm 1994, 77 (Ls.)

 

H6135

Linksabbiegender Lkw A muss wegen Rot an mehrspuriger Kreuzung anhalten. Für ihn unbemerkt fährt Radfahrer B rechts neben ihn. Als beide links abbiegen, wird B von dem Lkw erfasst.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 13 U 18/00, 08.05.2000

OLGR Hamm 2000, 338

 

H6136

Pkw A erfasst Radfahrer B, der die Vorfahrt missachtet. Unfall war für A nicht unabwendbar. B, der tödliche Verletzungen erlitt, trug keinen Schutzhelm.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Stuttgart, 10 U 260/93, 29.04.1997

OLGR Stuttgart 1998, 345

 

H6137

Radfahrer A fährt von einem Radweg trotz unübersichtliche Verkehrssituation mit unverminderter Geschwindigkeit in einen Wendehammer ein und kollidiert dort mit Pkw B, der gerade wendet.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 13 U 76/98, 07.10.1998

OLGR Köln 1999, 133

 

H6138

Pkw A biegt nach rechts in vorfahrtsberechtigte Einbahnstraße ein und erfasst im Einmündungsbereich Radfahrer B, der sein Fahrrad auf der aus seiner Sicht rechten Fahrbahnseite schiebt.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

AG Mönchengladbach-Rheydt, 15 C 289/99, 22.03.2002

Schaden-Praxis 2002, 267

 

H6139

Radfahrer A stürzt auf Radweg infolge Vollbremsung. A behauptet, von den Radweg überquerendem Kfz B behindert worden zu sein. A befand sich beim Sturz 11 Meter von B entfernt. Genauer Hergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 210/00, 07.06.2001

JURIS online

 

H6140

Wartepflichtiger Radfahrer A fährt im Einmündungsbereich einer Nebenstraße seitlich gegen den Anhänger eines auf der Vorfahrtsstraße an ihm vorbeifahrenden Fahrzeuggespanns B, das in der Fahrbahnmitte unter Überschreitung der Mittellinie fährt.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Münster, 1 S 63/99, 14.07.1999

Schaden-Praxis 2000, 8

 

H6141

Radfahrer A muss am Ende eines Radwegs einer übergeordneten Straße eine untergeordnete Straße überqueren, um seine Fahrt auf der Vorfahrtsstraße fortsetzen zu können. Er kollidiert dabei mit auf der untergeordneten Straße fahrendem Kfz B.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Hamm, 27 U 29/00, 08.06.2000

OLGR Hamm 2000, 316

 

H6142

Radfahrer A befährt den Radweg einer Vorfahrtsstraße und kollidiert mit wartepflichtigem Pkw B, der aus Seitenstraße kommt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 9 U 12/98, 26.05.1998

OLGR Hamm, 1998, 353

 

H6143

Radfahrer A befährt den entlang einer Vorfahrfahrtsstraße führenden Radweg auf der aus seiner Sicht linken Fahrbahnseite. Beim Überqueren einer Seitenstraße kollidiert er mit dem (wartepflichtigen) Pkw B, der zunächst angehalten hat und sodann wieder losgefahren ist.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Frankfurt, 24 U 118/03, 23.01.2004

DAR 2004, 393

 

H6144

Radfahrer A überquert von untergeordnetem Radweg Vorfahrtsstraße und kollidiert dort mit bevorrechtigtem Pkw B, dessen Fahrer an der äußerst unübersichtlichen Stelle nicht so fährt, dass er innerhalb der überschaubaren Strecke anhalten kann.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Oldenburg, 12.09.2003, 2 O 1914/03

Schaden-Praxis 2003, 414

 

H6145

Wartepflichtiger Pkw A fährt in den Kreuzungsbereich ein. Vorfahrtsberechtigter Radfahrer stürzt we-gen der Behinderung durch A, ohne dass es jedoch zu einer Berührung kommt. B hat verbotswidrig die Fahrbahn und nicht den vorhandenen Radweg benutzt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Schwerin, 15.08.2003, 6 S 144/03

NZV 2004, 581

 

H6146

Wartepflichtiger Pkw A fährt derart schnell an Einmündung heran, dass auf Vorfahrtsstraße herannahender Radfahrer B damit rechnen muss, dass A die Vorfahrt missachtet. B stürzt wegen Vollbremsung, ohne dass es zu einer Berührung kommt.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Bad Iburg, 05.04.2002, 4c C 117/02

Schaden-Praxis 2002, 264

 

H6147

Wartepflichtiger Radfahrer A kollidiert innerorts mit bevorrechtigtem Pkw B, der mit ca. 50 bis 60 km/h gefahren ist.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Frankfurt (Oder), 12.08.2003, 12 O 228/02

SVR 2004, 191

 

H6148

Pkw A überholt außerorts auf einer 6 bis 7 m breiten Straße mit zwei Fahrbahnen einen rechts fahrenden Radfahrer mit der zulässigen Geschwindigkeit von 100 km/h, wobei er ganz auf die andere Fahrspur wechselt. A kollidiert mit zunächst rechts fahrendem Radfahrer B, der die Fahrspur ohne Handzeichen und ohne vorherige Rückschau wechselt.

Haftungsverteilung: B 100 %

LG Mühlhausen, 08.07.2003, 2 S 75/02

NZV 2004, 359

 

H6149

Radfahrer A fährt von Radweg, der mit einer durchgezogenen weißen Linie von der Fahrbahn abgegrenzt ist, auf die Fahrbahn und wird von Pkw B erfasst, der nicht mehr abbremsen kann.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Rastatt, 29.01.1998, 1 C 500/97

NJWE-VHR 1998, 180

 

H6150

Radfahrer A (mit Kleinkind im Kindersitz) biegt, ohne auf den rückwärtigen Verkehr zu achten, nach links ab und wird von Kfz B erfasst, das den Mindestabstand von 2 m nicht eingehalten hat.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

OLG Naumburg, 12.07.2005, 12 U 29/05

DAR 2005, 685

 

H6151

Kfz A fährt bei Dunkelheit mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h auf Radfahrer B auf, der unter Missachtung des Rechtsfahrgebots in der Mitte der Fahrspur fährt und zudem den vorhandenen Radweg nicht nutzt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Aachen, 13.12.1990, 6 S 230/90

Schaden-Praxis 1992, 233

 

H6152

Wartepflichtiger Radfahrer A kollidiert an Kreuzung mit bevorrechtigtem Pkw B. A kann nicht nachweisen, dass - wie von ihm behauptet - B vor Einmündung rechts geblinkt hat, worauf sich A auf ein Abbiegen des B verlassen hatte (Unfallereignis nach dem 1.7.2002).

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Nürnberg, 23.11.2004, 3 U 2818/04

ZGS 2005, 119, VRS 2005, 413, NZV 2005, 422

 

H6153

Radfahrer A gerät durch Unachtsamkeit auf Gegenfahrbahn und kollidiert mit entgegenkommendem Kfz B, das nicht mehr abbremsen kann. Betriebsgefahr des B?

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

AG Neuburg a. d. Donau, 17.02.2005, 3 C 565/04

ZfS 2005, 233

 

H6154

74-jähriger Radfahrer A fährt am Ende des von ihm befahrenen rechten Radwegs auf die Fahrbahn, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten. Er wird dabei von Pkw B erfasst, der nicht zu schnell fuhr und nicht mehr abbremsen konnte.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

LG Münster, 11.10.2005, 3 S 58/05

ZfS 2006, 79

 

H6155

Radfahrer A befährt rechte von drei Fahrspuren in der Spurmitte knapp neben einem anderen Radfahrer, wobei er nach links stürzt und an der Linie zur mittleren Fahrspur liegen bleibt. Dort wird er von Pkw B erfasst, der die mittlere Spur befährt. B, der mit 1,07 Promille alkoholisiert war, hätte bei ent-sprechender Aufmerksamkeit noch ausweichen können. A war mit 1,49 Promille alkoholisiert.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Düsseldorf, 10.05.2004, I-1 U 172/02

JURIS online

 

H6156

Pkw A überholt auf regennasser Landstraße mit unangepasster Geschwindigkeit und zu geringem Seitenabstand Radfahrer B und erfasst diesen. B hat vorschriftswidrig einen vorhandenen Radweg nicht benutzt.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Düsseldorf, 13.10.2003, I-1 U 234/02

JURIS online

 

H6157

Radfahrer A fährt innerorts trotz vorhandenem Radweg auf der Fahrbahn und wird nach einem Schlenker von dem von hinten kommenden Pkw B erfasst, der zu schnell oder unaufmerksam war.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

OLG Hamm, 6 U 91/93, 28.10.1993

NZV 1995, 26, OLGR Hamm 1994, 175

 

H6158

Zu schnell fahrender Rennradfahrer A stößt auf Landstraße mit einem die Vorfahrt missachtenden Traktorgespann B zusammen und zieht sich dabei schwere Kopfverletzungen zuzieht, die bei Tragen eines Schutzhelms vermeidbar gewesen wären.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Düsseldorf, I-1 U 182/06, 12.02.2007

DAR 2007, 458

 

H6159

Kfz A stößt beim Rückwärtsfahren mit Fahrradfahrer B zusammen, den kein Mitverschulden trifft.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Passau, 11 C 464/03, 12.06.2003

ADAJUR Dok.Nr. 54987

 

H6160

Radfahrer A touchiert einen anderen Radler und kommt dadurch auf Gegenfahrbahn, wo er mit entgegenkommendem Pkw B kollidiert.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

AG Neuburd/Donau, 3 C 565/04, 17.02.2005

ADAJUR-CDROM, DokNr: 66601

 

H6161

Radfahrer A übersieht auf Radweg das vor einer kreuzenden Straße angebrachte „Vorfahrt beachten“-Schild und kollidierte dabei mit Pkw B. 20 Meter vor der Einmündung befindet sich an Fahrstraße das Verkehrsschild „Radfahrer kreuzen“.

Haftungsverteilung: A 100%

OLG Köln, 29.08.2007, 20 U 107/07

NJW-Spezial 2008, 107

 

H6162

Hobby-Rennradfahrer A, der mit unangepasster Geschwindigkeit ohne Schutzhelm eine öffentliche Straße befährt und angesichts eines nach einer unübersichtlichen Kurve entgegenkommenden Traktors B eine Vollbremsung einleitet, stürzt und zieht sich dabei schwere Kopfverletzungen zu.

A 100%

OLG Düsseldorf, I-1 U 182/06, 12.02.2007

DAR 2007, 458; NJW 2007, 3075

 

H6163

Kfz A kollidiert auf Vorfahrtsstraße im Bereich einer Großbaustelle mit Radfahrer B. Radfahrer wurden 150 m vor der Einmündung aufgefordert, abzusteigen und das Fahrrad zu schieben, was B nicht getan hat. B ist weder besonders vorsichtig gefahren noch hat er auf den Fahrzeugverkehr geachtet.

A 50%, B 50%

AG Köln, 266 C 38/05, 30.03.2006

Schaden-Praxis 2007, 62

 

H6164

14-jähriger Radfahrer A fährt neben einem weiteren Radfahrer auf seinem eigenen Fahrstreifen nahezu in der Mitte der Fahrbahn und gerät kurz vor Herannahen des entgegenkommenden Pkw B auf dessen Fahrbahnseite, wo beide kollidieren. A behauptet, seine unsichere Fahrweise hätte dem B auffallen müssen, kann dies aber nicht beweisen.

A 100%

OLG Frankfurt,12.09.2007; 14 U 149/07

Schaden-Praxis 2008, 177

 

H6165

Radfahrer A überquert trotz des in Sichtweite herannahenden Pkw B die Vorfahrtsstraße und wird von diesem erfasst. B ist kein Fahrfehler anzulasten.

A 100%

OLG Köln, 29.08.2007, 20 U 107/07

NZV 2008, 100

 

H6166

Fahrradfahrer A fährt von links kommend in Vorfahrtsstraße ein, da er annimmt, dass das von links kommende und links blinkende Kfz B auch tatsächlich abbiegt. B fährt dann doch geradeaus und kollidiert mit A.

A 100%

AG Berlin-Mitte, 20.10.2009, 115 C 3098/09

Schaden-Praxis 2010, 321

 

H6167

Radfahrer A fährt mit einem Abstand von fünf bis sechs Metern und einer Geschwindigkeit von 10 bis 15 km/h hinter Pkw B her und stürzt infolge einer Bremsung des Pkw ohne Berührung mit dem Kraftfahrzeug auf regennasser Fahrbahn. Betriebsgefahr des B?

A 100%

OLG Hamburg, 07.02.2012, 14 U 230/11

Schaden-Praxis 2012, 316

 

H6168

(Renn-)Radfahrer rutscht beim Befahren einer Straße auf einer Ölspur aus, die Pkw B hinterlassen hat, und stürzt. A hätte neben der Straße verlaufenden Radweg benutzen können.

A 50%, B 50%

OLG Frankfurt, 28.10.2011, 24 U 134/11

RuS 2012, 43; NZV 2012, 179

 

H6169

Eine Bundesstraße überquerender Radfahrer A kollidiert mit Pkw B, dessen Fahrer die Möglichkeit zu einem frühzeitigen Bremsmanöver hatte und dadurch den Unfall hätte vermeiden können.

A 60%, B 40%

OLG Düsseldorf, 11.10.2011, I-1 U 173/10

Schaden-Praxis 2012, 281

 

H6170

Radfahrer A verstößt beim Durchfahren eines Kreisverkehrs gegen das Rechtsfahrgebot und überfährt sogar die Mittelinsel. Er kollidiert mit Pkw B, der von A geschnitten wird.

A 100%

AG Krefeld, 01.07.2011, 3 C 457/09

Schaden-Praxis 2012, 68

 

H6171

Fahrradfahrer A befährt die Busspur entgegen der Fahrtrichtung am äußeren linken Rand und kollidiert mit einem aus einer Grundstücksausfahrt ausfahrenden Kfz B, dessen Fahrer zwar langsam fährt, sich aber nicht von einem Dritten einweisen lässt.

A 100%

OLG Frankfurt, 05.06.2012, 4 U 88/11

NJW 2012, 3249

 

H6172

Wartepflichtiger Radfahrer A fährt blindlings und ohne Halt aus einem Feldweg auf eine Landstraße ein und kollidiert mit herannahendem Kfz B, dessen Fahrer Unfall nicht vermeiden kann.

A 100%

OLG Saarbrücken, 4 U 65/12-19, 04.07.2013

NJW-Spezial 2013, 490

 

H6173

Radfahrer A wird beim Überqueren der Straße von nachfolgendem Pkw B erfasst. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt. Betriebsgefahr des B?

A 100%

OLG Saarbrücken, 4 U 287/11–91, 28.02.2013

DAR 2013, 644

 

H6174

Radfahrer A "mogelt" sich bei einem innerstädtischen Rückstau durch stehende Autos hindurch und kollidiert dabei mit Pkw B, dessen Fahrer gerade die Spur wechselt und A zu spät sieht.

A 100%

AG Dresden, 110 C 2596/13, 08.05.2014

RuS 2015, 179

 

H6175

Radfahrer A kollidiert an innerörtlicher Kreuzung beim Linksabbiegen mit entgegenkommendem Pkw B. der bei erlaubten 50 mit lediglich 35 bis 40 km/h gefahren ist. Betriebsgefahr des B?

A 100%

OLG Oldenburg, 1 U 19/14, 31.07.2014

DAR 2015, 94

 

H6176

Wartepflichtiger Fahrradfahrer A kollidiert beim Überqueren einer Bundesstraße mit vorfahrtsberechtigtem Rennradfahrer B, der vorschriftswidrig den vorhandenen Radweg nicht benutzt.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG München, 10 U 4873/13, 27.02.2015

Schaden-Praxis 2015, 400

 

H6177

E-Bike-Fahrer A stürzte infolge einer Vollbremsung, um eine Kollision mit Pkw B zu vermeiden, der ihm - aus seiner Sicht - die Vorfahrt zu nehmen drohte. A kann Schadenshergang nicht beweisen.

Haftungsverteilung: A 100%

LG Kiel, 6 O 75/15, 16.09.2015

SchlHA 2015, 438

 

H6178

Langsam auf den Einmündungsbereich zurollender Pkw A kollidiert mit Radfahrer B, der trotz versperrter Sicht entgegen der Fahrtrichtung von einem Fußgängerweg aus die Straßeneinmündung überquert.

Haftungsverteilung: B 100%

AG Wiesbaden, 91 C 133/15 (28), 01.10.2015

Pressemitteilung des AG Wiesbaden

 

H6179

80-jähriger Pedelec-Fahrer A fährt von einem von der Fahrbahn durch eine durchgehende Linie abgetrennten Geh- und Radweg, ohne auf den rückwärtigen Verkehr zu achten und ohne ein Handzeichen zu geben, unvermittelt schräg in die Fahrbahn ein, um nach links abzubiegen, und kollidiert dabei mit Pkw B, der mit angepasster Geschwindigkeit gefahren ist.

Haftungsverteilung: A 100%

OLG  Hamm, 9 U 125/15, 09.02.2016

Seniorenrecht aktuell 2016, 62

 

 

 

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II. Unfälle zwischen Radfahrern

 

H6180

Radfahrer A biegt auf Landstraße nach links in Richtung eines auf der anderen Straßenseite beginnenden, benutzungspflichtigen Radwegs ab und kollidiert mit Rennradfahrer B, der gerade mit ca. 30 km/h überholt und der geradeaus weiterfahren will.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Nürnberg-Fürth, 2 S 4512/95, 07.12.1995

NZV 1997, 44

 

H6181

Radfahrer A muss auf einem Radweg einer entgegenkommenden Radlergruppe ausweichen und kollidiert dabei mit Radfahrer B, der den A gerade, ohne ein Warnzeichen zu geben, überholen will.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Hamm, 13 U 111/94, 15.02.1995

NZV 1995, 316, OLGR Hamm 1995, 89

 

H6182

Mit 2,92 Promille alkoholisierter Radfahrer A kollidiert auf kombiniertem Rad-/Gehweg mit einem in verkehrter Richtung entgegenkommenden Radfahrer B.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Hamm, 27 U 57/91, 25.06.1991

NZV 1992, 318, OLGR Hamm 1991, 14

 

H6183

Alkoholisierter Radfahrer A kollidiert auf kombiniertem Rad-/Gehweg mit Fußgänger B. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 3 U 117/01, 29.01.2002

DAR 2002, 358

 

H6184

Radfahrer A fährt auf einem kombinierten Geh- und Radweg in verkehrte Richtung und kollidiert dabei mit Radfahrer B, der unaufmerksam war.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Celle, 14 U 149/01, 22.03.2002

OLGR Celle 2002, 229

 

H6185

17-jähriger Radfahrer A kollidiert nachts mit 46-jährigem Radfahrer B. Beide fuhren ohne Beleuchtung. Das Rad des A verfügte über keine Beleuchtung. B hatte vorhandene Beleuchtung aus Bequemlichkeit nicht eingeschaltet.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Celle, 14 U 122/02, 20.02.2003

MDR 2003, 927

 

H6187

13-jähriger Radfahrer A biegt, ohne Zeichen zu geben, unvermittelt nach links ab. Von hinten mit erheblicher Geschwindigkeit herannahender Rennradfahrer B kann nicht mehr ausweichen und stürzt. Genauer Unfallhergang, insb. wie lange B hinter A hergefahren ist, bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Nürnberg, 8 U 2769/00, 18.01.2001

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6188

Erwachsener Radfahrer A, der verbotswidrig auf links befindlichen Fuß- und Radweg fährt und auch eine für ihn Rot zeigende Ampel nicht beachtet, kollidiert mit anderem Radfahrer B, dem allenfalls ein geringfügiges Zuschnellfahren vorzuwerfen ist.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 29.11.2005, 14 U 83/05

OLGR Celle 2006, 197

 

H6189

Radfahrer A stürzt auf Radweg beim Ausweichen vor zwei verkehrswidrig entgegenkommenden Radfahrern B und C.

Haftungsverteilung: A 0 %, B 100 %, C 100 % als Gesamtschuldner

OLG Celle, 02.12.2004, 14 U 103/04

OLGR Celle 2005, 50

 

H6190

Radfahrer A fährt bei organisierter Radtour mit 24 Personen auf befestigtem Weg neben anderen Radfahrern ganz links. Radfahrer B überholt A ohne Klingelzeichen oder Zuruf links mit zu geringem Seitenabstand. A macht in diesem Augenblick wegen eines anderen Radlers eine Ausweichbewegung und kollidiert mit B.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 18.12.2003, 6 U 105/03

NZV 2004, 631

 

H6191

Erwachsener Radfahrer A fährt verbotswidrig auf links befindlichem Fuß- und Radweg und beachtet auch eine für ihn Rot zeigende Ampel nicht. A kollidiert mit bei Grün kreuzendem Radfahrer, dem allenfalls ein geringfügiges Zuschnellfahren vorzuwerfen ist.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 29.11.2005, 14 U 83/05

OLGR Celle 2006, 197

 

H6192

Erwachsener Radfahrer A kollidiert mit vorausfahrendem, erkennbar jugendlichen (13 J.) Radfahrer B, der plötzlich einen unangekündigten Spurwechsel vornimmt.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Nürnberg, 18.1.2001, 8 U 2769/00

Justiz Bayern online

 

H6193

Radfahrer A überholt auf 2 m breitem Sand-Schotter-Radweg mit einem Seitenabstand von höchstens 32 cm anderen Radfahrer B, der nach Berührung stürzt.

Haftungsverteilung: A 100%

OLG Karlsruhe, 9 U 115/15, 30.05.2016

NJW-Spezial 2016, 715

 

H6194

Fahrer A eines Elektrorollers, der ein vor ihm fahrendes Fahrrad mit Hilfsmotor (Pedelec) des B überholen will, stürzt aus Erschrecken vor dem befürchteten Zusammenstoß und ohne Berührung der Fahrzeuge, als B ohne auf den nachfolgenden Verkehr zu achten und ohne Handzeichen nach links abbiegt.

Haftungsverteilung: B 100%

OLG München, 10 U 1455/13, 11.09.2015

DAR 2016, 137

 

 

 

 

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III. Unfälle zwischen Radfahrern und Fußgängern

 

H6195

Radfahrer A wird auf einem 1,50 m breiten Radweg von auf Kinderrad entgegenkommendem 6-jährigen Kind angefahren, dessen Eltern B eine genügende Unterrichtung und Kontrolle des Kindes unterlassen haben.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Celle, 9 U 155/86, 27.05.1987

NJW-RR 1999, 509

 

H6196

Radfahrer A fährt mit 45-50 km/h auf abschüssiger Dorfstraße und kollidiert mit unachtsam zwischen parkenden Autos auf die Straße tretendem Fußgänger B.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Karlsruhe, 1 U 94/89, 24.01.1990

r+s 1990, 118

 

H6197

Fußgänger A überquert bei starkem Regen hinter einer Parkbucht hervorkommend einen parallel zur Straße verlaufenden Radweg und kollidiert mit dem von links  mit 10-15 km/h herannahenden Radfahrer B.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 13 U 76/98, 16.09.1998 - NZV 1999, 418

 

H6198

Fußgänger A überquert trotz des sichtbar herannahenden Radfahrers B, der entgegen der Fahrtrichtung fährt, einen Radweg. A und B kollidieren.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

LG Hannover, 8 S 72/94, 16.09.1994

zfs 1995, 328

 

H6199

Fußgänger A wird auf einem 2,90 m breiten Weg von einem 6-jährigen Radfahrer angefahren, dessen Eltern B auf einer längeren Radtour ca. 100 m hinter dem Kind fahren.

Haftungsverteilung: B 100 %

KG Berlin, 22 U 1221/96, 03.03.1997

MDR 1997, 840

 

H6200

Radfahrer A fährt an einer Gruppe ins Gespräch vertiefter, teilweise auf der Fahrbahn stehender Jugendlicher mit hoher Geschwindigkeit so nah vorbei, dass er durch eine unbedachte Bewegung eines der Jugendlichen B stürzt.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG Köln, 11 U 16/00, 23.08.2000

OLGR Köln 2001, 76

 

H6201

Fast 7-jähriger Radfahrer fährt auf leichter Gefällstrecke eines Rad-/Fußweges Fußgänger A an. Vater B des Kindes, das bereits sicher Rad fahren kann, wartet am Ende des Gehwegs auf dieses. A behauptet Aufsichtspflichtverletzung des B.

Haftungsverteilung: B 0% (Kind haftet nicht)

OLG Nürnberg, 2 U 167/00, 29.06.2000

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6202

Rennradfahrer A befährt trotz Regens und unübersichtlicher Strecke einen Radweg mit mindestens 25 km/h. Als er auf kreuzendem Fußweg mehrere joggende Polizisten erkennt, leitet er eine Vollbremsung ein und stürzt. Er verletzt dabei den Polizisten B, der an dem kreuzenden Radweg stehen geblieben ist.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 53/02, 05.12.2002 - NZV 2003, 179

 

H6203

Radfahrer A erfasst auf kombiniertem Fuß- und Radweg den vor ihm gehenden 67-jährigen Fußgänger B, der an einer schmalen Stelle auf die andere Seite des Wegs wechseln will. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Oldenburg, 8 U 19/04, 09.03.2004

DAR 2004, 588, MDR 2004, 1113

 

H6204

Radfahrer A erfasst bei Dämmerung auf kombiniertem Rad- und Gehweg Fußgänger B. Genauer Unfallhergang, insb. ob Rad beleuchtet war, bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Nürnberg, 4 U 644/04, 07.04.2004

DAR 2004, 451

 

H6205

Fußgängerin A läuft plötzlich auf die Fahrbahn, um ihr 2-jähriges Kind von einem bereits begonnenen Überqueren der Fahrbahn abzuhalten. Herannahender Radfahrer B stürzt infolge Vollbremsung.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 11.07.2002, 12 U 10154/00

KGR Berlin 2003, 236, NZV 2003, 483

 

H6206

Radfahrer A, dem keine überhöhte Geschwindigkeit nachgewiesen werden kann, stößt mit verbotswidrig auf dem Radweg gehenden Fußgänger B zusammen. B trug keinen Schutzhelm, durch den die erlittenen Kopfverletzungen vermeidbar gewesen wären.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Düsseldorf, I-1 U 278/06, 18.06.2007

DAR 2007, 704

 

H6207

Den Radweg befahrender 14-jähriger Radfahrer A kollidiert mit einem plötzlich und "blindlings" die Fahrbahn betretenden Fußgänger B. A hat Gefahrensituation möglicherweise nicht rechtzeitig erkannt.

B 100%

OLG Saarbrücken, 29.11.2011, 4 U 3/11-2

NJW-Spezial 2012, 106

 

H6208

Radfahrer A fährt auf gekennzeichneten Radweg, der rechts an Haltestelle des Linienverkehrs vorbeiführt und für die Fahrgäste einen für sie reservierten Bereich von bis zu 3 m vorsieht, und kollidiert mit Fahrgast B, der gerade einen haltenden Bus verlassen hat. A ist nicht mit der notwendigen Vorsicht vorbeigefahren.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

KG Berlin, 29 U 18/14, 15.01.2015

RuS 2015, 153; MDR 2015, 331

 

H6209

Einhändig fahrender Fahrradfahrer A, der 2 Hunde an Leinen mit sich führt, muss wegen eines vor ihm freilaufenden Hundes des B bremsen und stürzt dabei.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25%

LG Münster, 1 S 56/15, 01 S 56/15, 16.12.2015

Schaden-Praxis 2016, 370

 

 

 

 

 

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IV. Unfälle zwischen Kfz und Fußgängern

 

Unfälle auf Fußgängerüberweg/Zebrastreifen

 

H6210

Fußgänger A überquert nachts innerorts bei Rot eine Fußgängerampel und wird von Pkw B erfasst, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit nicht überschritten hat.

Haftungsverteilung: A 100 %, B 0 %

OLG Hamm, 3 U 59/95, 05.06.1996

OLGR Hamm 1996, 201

 

H6211

Fußgänger A überquert Fußgängerüberweg bei Grün 3 m außerhalb der Markierung und wird dabei von Pkw B erfasst, der von der anderen Seite kommend die Ampel bei Rot überfährt.

Haftungsverteilung: B 100 %

BGH, VI ZR 22/89, 07.11.1989

DAR 1990, 341

 

H6212

Pkw A befährt innerorts eine viel befahrene Hauptstraße. Ein Fußgänger B betritt trotz für ihn geltenden Rotlichts und schlechter Sichtverhältnisse den Fußgängerüberweg und wird von A erfasst.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG Kiel, 108 C 140/98, 26.10.1998

DAR 1999, 221

 

H6213

Pkw A fährt an beampelter Kreuzung bei Grün an, um nach rechts abzubiegen. Bei Überqueren des seitlichen Fußgängerüberwegs erfasst er den Fußgänger B, der ebenfalls bei Grün weitergegangen ist.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Celle, 5 U 193/84, 31.03.1985

VersR 1985, 1072

 

H6214

Fußgänger A geht bei Rot über Fußgängerüberweg und wird von Pkw B erfasst, der trotz unklarer Verkehrslage zu schnell fährt.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

Urteil des BGH vom 10.12.1991 - VI ZR 234/90

BGH, VI ZR 234/90, 10.12.1991

NJW 1992, 1459

 

H6215

Fußgänger A überquert viel befahrene vierspurige Straße an einer Kreuzung, bei der die Ampelanlage ausgefallen ist und wird dabei von Pkw B erfasst, der anders als einige andere Fahrzeuge trotz mehrerer an dem Überweg wartender Fußgänger weitergefahren ist.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Hannover, 11 S 278/88, 21.12.1988

NZV 1989

 

H6216

Fußgänger A überquert unachtsam eine Straße etwa in Höhe eines für ihn durch Rotlicht gesperrten Fußgängerüberweges und wird von herannahendem Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Hannover, 2 O 5896/01, 18.04.2002

Schaden-Praxis 2002, 341

 

H6217

Fußgänger A überquert nachts einen mit zwei Laternen beleuchteten Zebrastreifen. Er wird von dem sich aus einer Entfernung von 70 m mit 50 km/h nähernden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: B 100 %

BGH, VI ZR 260/80, 08.06.1982

NJW 1982, 2384, MDR 1982, 1010

 

H6218

Fußgänger A überquert bei roter Ampel mehrspurige Straße und wird von Pkw B erfasst, dessen Fahrer vor dem Überweg beschleunigt hat, um noch bei Gelb-Rot über die Kreuzung zu kommen.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Koblenz, 12 U 1184/04, 11.12.2006

JURIS online

 

H6219

Kfz A, das aus Kreisverkehr ausfährt, erfasst Fußgänger B, der den an den Kreisverkehr angrenzenden Fußgängerüberweg überquert.

Haftungsverteilung: A 100%

AG Kempten, 02.10.2007, 2 C 241/07

DAR 2008, 271

 

H6220

Fußgänger A überquert eine viel befahrene Durchgangsstraße bei für ihn Rot zeigender Ampel und beachtet dabei in keiner Weise den von rechts herannahenden, bevorrechtigten Verkehr und wird dabei von Pkw B erfasst. Betriebsgefahr des B?

A 100%

OLG Karlsruhe, 08.06.2009, 1 U 79/09

Schaden-Praxis 2010, 317

 

H6221

Fußgänger A überquert bei für ihn geltendem Rotlicht grob fahrlässig die Fahrbahn und wird von Kleintransporter B erfasst. Betriebsgefahr des B?

A 100%

OLG Köln, 19.03.2012, I-16 U 169/11

Schaden-Praxis 2012, 351

 

H6222

Dunkel gekleideter Fußgänger überquert unter Missachtung einer Rotlicht zeigenden Fußgängerampel neben dem Überweg eine innerstädtische Straße und wird dabei von Pkw B erfasst.

A 100%

OLG Saarbrücken, 4 U 200/10 - 60, 08.02.2011

NJW-Spezial 2011, 169

 

H6223

Fußgänger A überquert bei "grün" Fußgängerüberweg und wird von Pkw B erfasst. Außer mit einem "beiläufigen Blick" hat A nicht auf sich nähernde Fahrzeuge geachtet.

B 100%

OLG Dresden, 7 U  568/14, 05.01.2015

RuS 2015, 206; Schaden-Praxis 2015, 327

 

H6224

Ortskundiger Pkw-Fahrer A nähert sich mit zu hoher Geschwindigkeit einem Fußgängerüberweg und erfasst dort einen den Fußgängerüberweg überquerenden Fußgänger B. Für B war Pkw A ausreichend lange sichtbar; er hätte bei Verzicht auf das Überquerung des Zebrastreifens den Unfall vermeiden können.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25%

OLG München, 10 U 750/13, 16.09.2016

Schaden-Praxis 2017, 510

 

 

Überqueren der Straße neben Fußgängerüberweg

 

H6230

Fußgänger A überquert Straße neben einem in unmittelbarer Nähe gelegenen, durch eine Lichtzeichenanlage geregelten Überweg und wird dabei von erkennbar herannahendem Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 12 U 4708/00, 03.01.2002

KGR Berlin 2002, 366

 

H6231

Fußgänger A überquert hinter einem rechts haltenden Bus eine 4-spurige Straße, obwohl sich in 16 m Entfernung ein beampelter Fußgängerüberweg befindet. Er wird dabei von dem mit ca. 40 km/h am Bus vorbeifahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 22 U 4399/86, 05.03.1987

VM 1987, 87

 

H6232

Stark alkoholisierter Fußgänger A überquert ca. 200 m von einem beampelten Überweg entfernt nachts eine 6-spurige Innenstadtstraße und wird von einem zu schnell fahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

BGH, VI ZR 117/95, 25.06.1996

NZV 1996, 402

 

H6233

Fußgänger A überquert trotz eines nahe gelegenen Überwegs bei Dunkelheit eine mehrspurige Straße und übersieht dabei einen mit 50 km/h von rechts kommenden Pkw B, dessen Fahrer noch durch einen vorangegangenen Spurwechsel abgelenkt ist.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 13 U 225/93, 04.05.1994

r+s 1994, 294, OLGR Hamm 1994, 160

 

H6234

93 Jahre alte Fußgängerin A überquert Straße in unmittelbarer Nähe eines beampelten Überwegs und übersieht dabei den herannahenden Pkw B.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 1 W 80/91, 27.01.1992

OLGR Köln 1992, 104

 

H6235

Fußgänger A überquert mit einem an der Hand mitgeführten Fahrrad eine 6 m breite Fahrbahn und bleibt in der Mitte stehen. Motorroller B bleibt an Hinterrad des Fahrrads hängen. In ca. 100 m Entfernung befindet sich ein ampelgeschützter Fußgängerüberweg.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Hamm, 27 U 86/02, 19.12.2002

MDR 2003, 329, OLGR Hamm 2003, 111, NZV 2003, 181

 

H6236

Fußgänger A überquert ca. 40 m hinter ampelgeregeltem Fußgängerüberweg eine mehrspurige Straße und wird dabei von Pkw B erfasst, dessen Fahrer durch einen Spurwechsel abgelenkt ist.

Haftungsverteilung: keine Entscheidung, da Zurückverweisung

BGH, VI ZR 126/99, 27.06.2000

NJW 2000, 3069, MDR 2000, 1189, VersR 2000, 1294, NZV 2000, 466, DAR 2000, 524

 

H6237

Fußgänger A überquert eine große verkehrsreiche Kreuzung mit mehreren Richtungsfahrspuren bei roter Fußgängerampel und außerhalb der Überwege, ohne auf den fließenden Fahrzeugverkehr zu achten. Er wird von Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 27 U 175/01, 21.02.2002

NZV 2002, 325

 

H6238

Fußgänger A überquert nahe dem Einmündungsbereich einer Straße ca. 20 m von Fußgängerüberweg die Fahrbahn und wird von abbiegendem Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 19.09.2005, 14 W 32/05

Schaden-Praxis 2005, 403

 

H6239

Betagter Fußgänger A überquert in einer Entfernung von etwa 20 m von einem ampelgeregelten Fußgängerüberweg unvorsichtig die Fahrbahn und wird von Kfz B erfasst, dessen Fahrer kein Verschuldensvorwurf gemacht werden kann.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Hamburg, 24.08.1992, 54 C 399/91

Schaden-Praxis 1993, 5

 

H6241

Die Fahrbahn abseits des nahen Fußgängerüberwegs überquerender Fußgänger A wird von rückwärtsfahrendem VW-Bus B erfasst. A ist davon ausgegangen, dass B nach vorne wegfährt.

A 1/3, B 2/3

OLG Karlsruhe, 25.03.2010, 9 U 78/09

Schaden-Praxis 2010, 325

 

H6242

Alkoholisierter Fußgänger A tritt bei Dunkelheit und Regen auf eine breite und unbeleuchtete Straße in ca. 50 m Entfernung von einem Fußgängerüberweg unvermittelt vom Gehweg über einen Parkstreifen zwischen zwei geparkten Fahrzeugen auf die Fahrbahn und wird dort von einem mit der zulässigen Geschwindigkeit herannahenden Kfz B erfasst.

A 100%

LG Bonn, 24.07.2012, 13 O 87/12

Schaden-Praxis 2013, 101

 

 

Fußgänger alkoholisiert

 

H6250

Fußgänger A überquert innerorts angetrunken (1,7 Promille) verkehrsreiche Straße, ohne auf den herannahenden Verkehr zu achten. Er wird von Pkw B erfasst. Besonderheit: In unmittelbarer Nähe befand sich eine Fußgängerampel.

Haftungsverteilung: A 100 %, B 0 %

OLG Dresden, 11 U 3252/99, 24.05.2000

DAR 2001, 358

 

H6251

Pkw A fährt nachts mit ca 70 km/h auf Landstraße und erfasst trotz weiträumiger Umfahrung einen mit 1,98 Promille alkoholisierten Fußgänger B, der unvermittelt mehrere Meter in die Fahrbahn hineinläuft.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 27 U 71/98, 16.03.1999

DAR 1999, 363

 

H6252

Ein erkennbar angetrunkener Fußgänger B (1,4 Promille) betritt eine 7,5 m breite Straße. Er wird von auf der Gegenfahrbahn herannahendem Pkw A angefahren, dessen Fahrer die Situation hätte erkennen und den Unfall durch eine sofortige Vollbremsung hätte vermeiden können.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 6 U 82/00, 15.01.2001

DAR 2002, 165

 

H6253

Pkw A fährt an einer Fußgängerampel bei Grün an. Aus ungeklärten Gründen gerät ein mit 1,94 Promille alkoholisierter über die Fahrbahn kriechender (!) Fußgänger B unter das Fahrzeug und wird mit-geschleift.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 27 U 95/98, 20.10.1998

DAR 1999, 170

 

H6254

Pkw A kollidiert bei Dunkelheit und Regen kurz hinter einer Ortschaft mit dem quer mit dem Fahrrad stehenden, mit 3,38 Promille stark alkoholisierten Radfahrer B.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

AG Erkelenz, 8 C 476/95, 02.02.1996 - DAR 1997, 74

 

H6255

Mit 1,7 Promille alkoholisierter Fußgänger A geht nachts und bei Nebel auf der linken Seite einer Landstraße und wird von entgegenkommendem Pkw B erfasst, der nach einer Linkskurve rechts von der Fahrbahn abkommt.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Frankfurt/Main, 24 U 9/90, 08.02.1991

VersR 1992, 509

 

H6256

Ein mit 3,0 Promille alkoholisierter Fußgänger A geht nachts auf Landstraße mit einem Abstand von 1 m zum  - für ihn - rechten Fahrbahnrand. Er wird von entgegenkommendem Pkw B erfasst, der mit ca. 93 km/h gerade ein anderes Kfz überholt.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG Naumburg, 6 U 47/98, 12.03.1999

NZV 1999, 466, OLGR Naumburg 1999, 462

 

H6257

Stark alkoholisierter Fußgänger A (2,28 Promille) überquert innerorts schräg nach links gehend eine 8,70 m breite Straße und wird von Pkw B mit geringfügig überhöhter Geschwindigkeit erfasst. B hätte den Unfall auch bei Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nicht vermeiden können.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 % (nur Betriebsgefahr)

OLG Düsseldorf, 15 U 18/92, 13.01.1993 - NZV 1994, 70

 

H6258

Mit über 2 Promille alkoholisierter Fußgänger A wird bei Dunkelheit beim Überqueren einer breiten innerörtlichen Straße kurz vor Erreichen des gegenüberliegenden Gehsteigs von dem von rechts kommenden Motorrad B erfasst. B konnte A aus einer Entfernung von 100 m sehen.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Köln, 27 U 97/86, 13.05.1987

VRS 75, 87

 

H6259

Mit 2,21 Promille alkoholisierter Fußgänger A überquert nachts einen Autobahnzubringer und wird von Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG Hamm, 13 U 58/95, 04.10.1995

NJWE-VHR 1996, 10

 

H6260

Mit 2,7 Promille alkoholisierter Fußgänger A geht nach Verlassen eines Taxis hinter dem Fahrzeug herum und wird dabei von dem zurücksetzenden Taxi B erfasst.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG Köln, 266 C 622/85, 07.02.1986 - VRS 72, 161

 

H6261

Pkw A überfährt nachts auf Landstraße den auf der Fahrbahn liegenden, mit 3,47 Promille volltrunkenen Fußgänger B. A fuhr mit mindestens 74 km/h (erlaubt 50 km/h).

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Oldenburg, 15 U 5/04, 19.04.2004

OLGR-CBO 2004, 324, VRS 2004, 438

 

H6262

Kfz A (Geschwindigkeit 65 bis 70 km/h ) überfährt nachts auf unbeleuchteter Landstraße den auf der Fahrbahn liegenden, mit über 3 Promille alkoholisierten Fußgänger B.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

LG Duisburg, 05.09.2005, 2 O 143/03

Schaden-Praxis 2005, 190

 

H6263

Fußgänger A überquert mit einem Blutalkoholgehalt von 1,93 Promille an einer Fußgängerampel die Straße und wird dabei von Pkw B erfasst. A und B behaupten, Grün gehabt zu haben. Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Köln, 23.01.2003, 14 U 32/02 - IVH 2003, Nr. 4, 3

 

H6264

Mit 1,8 Promille alkoholisierter Fußgänger A überquert ca. 20 m vor einem Überweg nachts eine gut beleuchtete, wenig befahrene Innenstadtstraße und  wird von ebenfalls mit  1,8 Promille alkoholisiertem Pkw-Fahrer B erfasst.

Haftungsverteilung: A 30 %, B 70 %

OLG Frankfurt/Main, 16 U 221/76, 28.09.1978

VersR 1979, 920

 

H6265

Betrunkener Fußgänger A geht nachts auf Landstraße auf der linken Fahrbahnhälfte und wird von dem von hinten kommenden Pkw B erfasst, dessen Fahrer ebenfalls erheblich alkoholisiert ist.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Oldenburg, 3 U 249/85, 12.03.1986

VersR 1987, 1150

 

H6266

Betrunkener Fußgänger A läuft aus Gaststätte kommend unvermittelt auf die Fahrbahn und wird von Kfz B erfasst, das die zulässige Höchstgeschwindigkeit eingehalten hat.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

LG Kaiserslautern, 2 S 97/00, 19.10.2001 - NJW-RR 2002, 96

 

H6267

Volltrunkener A steigt nach technischer Panne aus dem B gehörenden alten, auf dem Standstreifen der BAB liegen gebliebenen Pkw aus. Beim Versuch, ein nachfolgendes Fahrzeug anzuhalten, wird A von Pkw C erfasst, dessen Fahrer den Unfall nicht vermeiden konnte. Mithaftung des B aus Betriebsgefahr?

Haftungsverteilung: A 100 %, B 100 % als Gesamtschuldner

OLG Frankfurt, 12 U 18/02, 25.09.2003

IVH 2003, 287, NZV 2004, 262, NJW-RR 2004, 172

 

H6268

Betrunkener Fußgänger A überquert bei roter Ampel die Fahrbahn und wird von Pkw B erfasst, der mit 60 statt erlaubter 50 km/h gefahren ist. Unfall wäre bei Einhaltung der zulässigen Geschwindigkeit vermeidbar gewesen.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Hamm, 32 U 87/93, 31.01.1994

OLGR Hamm 1994, 100

 

H6269

Ein erheblich alkoholisierter Fußgänger A geht nachts auf Landstraße in der Mitte der für ihn rechten Fahrbahnhälfte. Er wird von nachfolgendem Pkw B erfasst, wobei ungeklärt bleibt, wann A die Fahrbahn betreten hat.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Karlsruhe, 10 U 68/88, 14.10.1988

VersR 1989, 302

 

H6270

Stark alkoholisierter Fußgänger A wird nachts auf innerörtlichen Straße von Pkw B angefahren. Unfallhergang insbesondere Geschwindigkeit des B bleiben ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 40 %, B 60 %

OLG Hamm, 9 U 154/99, 03.03.2000

OLGR Hamm 2001, 138

 

H6271

Alkoholisierter Fußgänger A läuft nachts bei Dunkelheit und Regen unmittelbar vor herannahendem Pkw B plötzlich auf die Fahrbahn und wird von diesem erfasst. B fuhr mit der zulässigen (innerörtlichen) Geschwindigkeit und musste wegen fehlender Bebauung nicht mit querenden Fußgängern rechnen.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 6 U 149/00, 22.01.2001

RuS 2001, 412

 

H6272

Autofahrer A überfährt bei Dunkelheit auf einer Landstraße einen Mann B, der volltrunken auf der Fahrbahn liegt. A, dem kein Fahrfehler angelastet werden kann, wurde kurz vor dem Unfall der Führerschein wegen Trunkenheit im Straßenverkehr entzogen. Zum Zeitpunkt des tragischen Unfalls war er jedoch nüchtern.

Haftungsverteilung: B 100 %

BGH, VI ZR 115/05, 21.11.2006

RdW 2007, 176, BGHR 2007, 200

 

H6273

Pkw A überfährt außerorts mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h den betrunken auf der rechten Fahrbahnseite liegenden B. A hat keine Fahrererlaubnis.

A 2/5, B 3/5

BGH, VI ZR 115/05, 21.11.2006

VersR 2007, 263; NJW 2007, 506

 

H6274

Stark alkoholisierter Fußgänger A (2,51 Promille) liegt nachts bäuchlings auf der Fahrbahn und wird von Kfz B erfasst. B trifft möglicherweise geringfügiges Verschulden.

A 100%

OLG Köln, 25.11.2010, 7 U 103/10

VersR 2011, 506

 

H6275

Alkoholisierter Fußgänger A tritt bei Dunkelheit und Regen auf eine breite und unbeleuchtete Straße in ca. 50 m Entfernung von einem Fußgängerüberweg unvermittelt vom Gehweg über einen Parkstreifen zwischen zwei geparkten Fahrzeugen auf die Fahrbahn und wird dort von einem mit der zulässigen Geschwindigkeit herannahenden Kfz B erfasst.

A 100%

LG Bonn, 24.07.2012, 13 O 87/12

Schaden-Praxis 2013, 101

 

 

Autofahrer alkoholisiert

 

H6285

Fußgänger A geht, nachdem er einem Passanten erste Hilfe geleistet hat, auf den linken Fahrbahnrand und wird dort von entgegenkommendem, mit überhöhter Geschwindigkeit (54 statt 30 km/h) fahrendem Pkw B erfasst, dessen Fahrer mit 1,44 Promille alkoholisiert ist. Auf der rechten Seite befindet sich ein Gehweg.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Karlsruhe, 10 U 90/88, 25.11.1988

VRS 76, 248

 

H6286

Pkw A, dessen Fahrer mit 1,3 Promille alkoholisiert ist, fährt an einem entgegengesetzt parkenden Lkw vorbei und erfasst dessen Fahrer B, der nach Ladetätigkeit hinter seinem Wagen zur Fahrertür gehen will. Die für A verbleibende Fahrbahnbreite betrug nur 2,20 m.

Haftungsverteilung: A 0 %, B 100 %

OLG Zweibrücken, 1 U 295/91, 23.04.1993

r+s 1994, 411

 

H6287

Mit 1,8 Promille alkoholisierter Fußgänger A überquert ca. 20 m vor einem Überweg nachts eine gut beleuchtete, wenig befahrene Innenstadtstraße und  wird von ebenfalls mit  1,8 Promille alkoholisiertem Pkw-Fahrer B erfasst.

Haftungsverteilung: A 30 %, B 70 %

OLG Frankfurt/Main, 16 U 221/76, 28.09.1978

VersR 1979, 920

 

 

Unfälle zwischen Motorradfahrern und Fußgängern

 

H6295

Motorradfahrer A fährt innerorts Fußgänger B an, der die Fahrbahn verbotswidrig überquert. Besonderheiten: Sicht des Motorradfahrers war durch Dunkelheit, Regen und ein stark verkratztes Helmvisier beeinträchtigt. Geschwindigkeit: 50 km/h.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Hamm, 6 U 28/01, 31.05.2001

DAR 2001, 456

 

H6296

Motorradfahrer A überholt eine Fahrzeugkolonne und erfasst einen gehbehinderten Fußgänger B der unachtsam einen Überweg mit Zebrastreifen überquert.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 12 U 2544/87, 23.11.1987

VRS 74, 257

 

H6297

Motorradfahrer A kollidiert bei Dunkelheit mit von links die Straße unaufmerksam überquerendem Fußgänger B.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

KG Berlin, 22 U 4797/93, 12.12.1994

KGR Berlin 1995, 50

 

H6298

Motorrad A erfasst außerorts mit 95 km/h (Geschwindigkeitsbeschränkung 70 km/h) einen die 7,5 Meter breite Straße überquerenden 73-jährigen Fußgänger B, der für den A erkennbar in der Fahrbahnmitte zunächst stehen bleibt und dann weitergeht.

Haftungsverteilung: A mind. 60 %, B max. 40 % (Zurückverweisung)

BGH, VI ZR 219/93., 19.04.1994

MDR 1994, 668

 

H6299

Motorrad A will innerorts mit 50 km/h an am Straßenrand wartenden Fußgänger B vorbeifahren. B tritt kurz vor A auf die Straße und wird von diesem erfasst.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Celle, 14 U 146/02, 30.01.2003

JURIS online

 

H6300

Motorradfahrer A fährt auf Bundesstraße bei erlaubten 60 km/h mit einer Geschwindigkeit von 74 - 105 km/h und erfasst dabei die Straße unachtsam von links überquerenden Fußgänger B.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

LG Duisburg, 2 O 232/03, 14.05.2004

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6301

Fußgänger A, der eine der beiden Richtungsfahrbahnen einer großen Straße überquert, die durch einen breiten Mittelstreifen mit parkenden Fahrzeugen getrennt sind, wird von Polizeimotorrad B erfasst, das nur mit Blaulicht - ohne Horn - entgegen der Fahrtrichtung fährt.

Haftungsverteilung: B 100 %

KG Berlin, 25.04.2005, 12 U 123/04

KGR Berlin 2005, 664

 

 

Geschwindigkeitsüberschreitung durch Kfz

 

H63315

Fußgänger A überquert bei Dunkelheit schräg gehend im Kreuzungsbereich eine Straße an der breitesten Stelle und wird von dem mit 57 km/h statt erlaubter 50 km/h fahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Oldenburg, 8 U 160/92, 03.12.1992

r+s 1994,10

 

H6316

Fußgänger A überquert innerörtliche Straße und läuft kurz vor Erreichen der Fahrbahnmitte zurück. Er wird dabei von mit 54-60 km/h herannahendem Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 12 U 5278/85, 29.05.1986

VersR 1988, 90

 

H6317

Fußgänger A läuft aus einem seitlichen Gebüsch kommend auf die Straße, ohne auf den Verkehr zu achten. Er wird dabei von dem mit 64 km/h (statt erlaubter 50km/h) herannahenden Pkw B erfasst

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 6 U 300/87, 19.09.1988

DAR 1989, 465

 

H6318

Fußgänger A überquert bei Rot Fußgängerampel und wird von mit 53 km/h (erlaubt 50) herannahendem Pkw B erfasst. B hätte bei entsprechender Aufmerksamkeit den Unfall vermeiden können.

Haftungsverteilung: A 65 %, B 35 %

OLG Düsseldorf, 1 U 40/90, 28.08.1991

OLGR Düsseldorf 1992, 17

 

H6319

Dunkel gekleideter Fußgänger A überquert innerorts bei Regen und Dämmerung unachtsam die Fahrbahn und wird etwa in der Mitte von Kfz B erfasst, das mit 55 bis 60 km/h fährt. Unfall wäre auch bei Einhaltung einer geringeren Geschwindigkeit (von 30 km/h) für B nicht vermeidbar gewesen.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Hagen, 14.01.2005, 9 O 224/03

ZfS 2005, 181

 

H6320

Fußgänger A überquert bei Dämmerung und Regen dunkel gekleidet die Straße und wird dabei von Pkw B erfasst, der bei erlaubten 50 km/h mit 55-60 km/h gefahren ist. B hätte auch bei 50 km/h nicht mehr rechtzeitig bremsen können.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Hagen, 9 O 224/03, 14.01.2005

ZfS 2005, 181

 

H6321

Pkw A überfährt nachts auf Landstraße den auf der Fahrbahn liegenden, mit 3,47 Promille volltrunkenen Fußgänger B. A fuhr mit mindestens 74 km/h (erlaubt 50 km/h).

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Oldenburg, 15 U 5/04, 19.04.2004

OLGR-CBO 2004, 324, VRS 2004, 438

 

H6322

Betrunkener Fußgänger A überquert bei roter Ampel die Fahrbahn und wird von Pkw B erfasst, der mit 60 statt erlaubter 50 km/h gefahren ist. Unfall wäre bei Einhaltung der zulässigen Geschwindigkeit vermeidbar gewesen.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Hamm, 32 U 87/93, 31.01.1994

OLGR Hamm 1994, 100

 

H6323

Motorrad A erfasst außerorts mit 95 km/h (Geschwindigkeitsbeschränkung 70 km/h) einen die 7,5 Meter breite Straße überquerenden 73-jährigen Fußgänger B, der für den A erkennbar in der Fahrbahnmitte zunächst stehen bleibt und dann weitergeht.

Haftungsverteilung: A mind. 60 %, B max. 40 % (Zurückverweisung)

BGH, VI ZR 219/93, 19.04.1994

MDR 1994, 668

 

H6324

Fußgänger A überquert im Bereich einer Bushaltestelle unvorsichtig die Straße und wird von Lkw B erfasst, dessen Fahrer die Geschwindigkeit der Verkehrslage nicht angepasst hat.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

BGH, 28.03.2006, VI ZR 50/05

BGHR 2006, 965, DAR 2006, 442

 

H6325

Pkw A (Geschwindigkeit 58 statt erlaubter 50 km/h) erfasst den unachtsam die Straße überquerenden Fußgänger B. Unfall wäre auch bei Einhaltung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nicht vermeidbar gewesen. Dies hätte jedoch zu geringeren Verletzungen bei B geführt.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

KG Berlin, 24.11.2005, 12 U 188/04

NJW 2006, 1677

KGR Berlin 2006, 213

 

H6326

Fußgänger A überquert unaufmerksam Straße und wird von Pkw B erfasst, der geringfügig zu schnell fährt.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Hamm, 27 U 147/02, 20.03.2003

ADAJUR Dok.Nr. 55027

 

H6327

87-jährige Fußgängerin A tritt bei regnerischem Wetter in der Dämmerung trotz herannahender Fahrzeuge unvermittelt auf die Fahrbahn und wird von Kfz B erfasst, dessen Fahrer die innerörtliche Geschwindigkeit von 50 km/h um 13% überschreitet und wegen kurzfristiger Blendung durch Gegenverkehr die A zu spät bemerkt und den Unfall nicht mehr vermeiden kann. Geschwindigkeitsüberschreitung hat sich nicht kausal auf den Unfall ausgewirkt.

A 80%, B 20%

OLG Hamm, 22.10.2012, I-6 U 55/12

Schaden-Praxis 2013, 247

 

H6328

Fußgänger A überquert innerorts Fahrbahn einer zweispurigen Straße außerhalb geschützter Stellen und wird auf der zweiten Fahrspur von Motorradfahrer B erfasst, der mit überhöhter Geschwindigkeit fährt. B musste wegen Einbahnstraßenregelung damit rechnen, dass A die Fahrbahn in zügigem Schritttempo überquert und nicht an der Fahrbahnmittellinie anhält.

A 60%, B 40%

LG Mönchengladbach, 29.03.2012, 1 O 1/06

NZV 2012, 280

 

H6329

Fußgänger A überquert bei Dunkelheit und Schneeregen die Straße in schräger Richtung, ohne die Scheinwerfer des sich mit ca. 30 km/h nähernden Kfz B zu bemerken. Kfz-Fahrer B erfasst den A mangels genügender Aufmerksamkeit unter Missachtung des Sichtfahrgebots, ohne diesen vor dem Aufprall überhaupt zu bemerken.

A 50%, B 50%

OLG Koblenz, 12 U 1359/11, 30.09.2013

Schaden-Praxis 2014, 116

 

 

Unfall auf Landstraße

 

H6340

Fußgänger A läuft nachts aus einem Waldstück kommend über eine Landstraße, um seinen Hund einzufangen. Er wird dabei von Pkw B (Geschwindigkeit ungeklärt) erfasst.

Haftungsverteilung: A mind. 67 %, B max. 33 % (nur Betriebsgefahr)

OLG Köln, 19 U 57/94., 11.11.1994

VRS 89/105, OLGR Köln 1995, 21

 

H6341

Fußgänger A läuft unter Drogeneinfluss auf einer Bundesstraße außerhalb einer geschlossenen Ortschaft ohne vorherige Ankündigung vom Fahrbahnrand aus gezielt in die Fahrspur eines sich nähernden Pkw B und wird von diesem erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG München, 5 U 6420/91, 29.09.1992

OLGR München 1993, 93

 

H6342

15-jährige Schülerin A überquert nach Aussteigen aus einem Kleinbus B, der am Rand einer Bundesstraße gehalten hat, die Straße und wird von einem anderen Kfz erfasst. A behauptet, ihr sei durch den Kleinbus, der in die Straße hineinragte, die Sicht versperrt gewesen.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 26 U 50/91, 03.06.1992

OLGR Köln 1992, 351

 

H6343

Fußgänger A überquert bei Dunkelheit unachtsam Bundesstraße und wird von Kfz B erfasst, das gegen Sichtfahrgebot verstoßen hat.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 28.11.2003, 9 U 95/02

NZV 2004, 356

 

H6344

Fußgänger A versucht nachts nach einem Unfall auf einer Landstraße stehend ein nachfolgendes Fahrzeug anzuhalten. Fahrer des nachfolgenden Pkws B erschrickt, gerät ins Schleudern und verunfallt.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Hamm, 6 U 227/98, 16.08.1999

DAR 1999, 546

 

H6345

A schiebt sein soeben defekt gegangenes, unbeleuchtetes Mofa bei Dunkelheit am rechten Rand einer Landstraße. Er wird von einem nachfolgenden Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Hamm, 27 U 68/96, 25.06.1996

OLGR Hamm 1996, 245

 

H6346

Pkw A befährt nachts mit 100 km/h eine Landstraße und erfasst eine Gruppe Soldaten B, die in Tarnanzügen, ohne Beleuchtung ca. 1 m vom linken Fahrbahnrand entfernt gehen.

Haftungsverteilung: A 30 %, B 70 %

OLG Koblenz, 12 U 1726/01, 24.02.2003

DAR 2003, 377

 

H6347

Pkw A fährt nachts mit Abblendlicht auf regennasser Landstraße mit ca. 70 km/h und erfasst Fußgänger B, der ca. 40 cm vom Mittelstreifen entfernt geht.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Köln, 3 U 26/02, 11.10.2002

MDR 2003, 567

 

H6348

Fußgänger A geht nachts auf der aus seiner Sicht linken Seite einer Landstraße und wird dabei von Kfz B erfasst, das mit unangepasster Geschwindigkeit gefahren ist. B behauptet, A hätte auf (unbefestigtem) Randstreifen gehen müssen.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Oldenburg, 2 U 263/97, 28.01.1998

OLGR-CBO 1998, 256

 

H6349

Dunkel gekleideter Fußgänger A, der auf Landstraße auf der falschen Fahrbahnseite geht, wird von einem von hinten vorbeifahrenden Leichtkraftrad B gestreift.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

LG Tübingen, 13.03.1997, 1 S 101/96

NJWE-VHR 1997, 230, VersR 1998, 607, Schaden-Praxis 1998, 314

 

H6350

71-jähriger Fußgänger A überquert Landstraße und wird von dem von rechts kommenden Kfz B erfasst. A blieb mehrmals auf der aus der Sicht des B linken Fahrbahn stehen, obwohl es ihm ohne weiteres möglich gewesen wäre, die Straße vor dem Erreichen des B zu überqueren. B fuhr trotz des Verhaltens des A mit nahezu unverminderter Geschwindigkeit (ca. 80 km/h bei erlaubten 100 km/h).

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Rostock, 23.09.2005, 8 U 88/04

OLGR Rostock 2006, 183

 

H6351

Pkw A fährt nachts mit ca 70 km/h auf Landstraße und erfasst trotz weiträumiger Umfahrung einen mit 1,98 Promille alkoholisierten Fußgänger B, der unvermittelt mehrere Meter in die Fahrbahn hineinläuft.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 27 U 71/98, 16.03.1999

DAR 1999, 363

 

H6352

Pkw A fährt nachts mit ca. 70 km/h auf Landstraße und erfasst trotz weiträumiger Umfahrung einen mit 1,98 Promille alkoholisierten Fußgänger B, der unvermittelt mehrere Meter in die Fahrbahn hineinläuft.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 27 U 71/98, 16.03.1999

DAR 1999, 363

 

H6353

Ein erheblich alkoholisierter Fußgänger A geht nachts auf Landstraße in der Mitte der ür ihn rechten Fahrbahnhälfte. Er wird von nachfolgendem Pkw B erfasst, wobei ungeklärt bleibt, wann A die Fahrbahn betreten hat.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Karlsruhe, 10 U 68/88, 14.10.1988

VersR 1989, 302

 

H6354

Fußgänger A bleibt beim Überqueren einer Bundesstraße auf der Mitte der linken Fahrbahn stehen, obwohl er ausreichend Zeit hatte, vor dem herannahenden Pkw B über die Straße zu gehen. A wird von B erfasst, der unvermindert mit 80km/h an A vorbeifährt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Rostock, 23.09.2005, 8 U 88/04

DAR 2006, 278, OLGR Rostock 2006, 183

 

H6355

Pkw A fährt auf Landstraße mit unverminderter Geschwindigkeit weiter, obwohl auf Gegenfahrbahn Lkw B mit eingeschalteter Warnblinkanlage steht. Als sich A auf gleicher Höhe befindet, springt Lkw-Fahrer nach links aus dem Führerhaus und wird von A erfasst.

Haftungsverteilung: B 100 %

BGH, VI ZR 216/05, 13.03.2007

BGHR 2007, 646, RdW 2007, 383, DAR 2007, 390

 

H6356

Pkw A überfährt außerorts mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h den betrunken auf der rechten Fahrbahnseite liegenden B. A hat keine Fahrererlaubnis.

A 2/5, B 3/5

BGH, VI ZR 115/05, 21.11.2006

VersR 2007, 263; NJW 2007, 506

 

H6357

Lkw-Fahrer A hält auf Landstraße an und steigt bei sehr guten Sichtverhältnissen und ohne auf den rückwärtigen Verkehr zu achten aus Lkw aus und wird dabei von nachfolgendem Kleintransporter B erfasst, der trotz am Lkw eingeschalteter Warnblinkanlage mit 74 bis 78 km/h an diesem vorbeifährt.

A 100%

BGH, VI ZR 216/05, 13.03.2007

DAR 2007, 390; RuS 2007, 258

 

H6358

Auf Bundesstraße versperrt ein offensichtlich im Einsatz befindlicher Hubwagen eine von zwei Fahrspuren. Pkw A fährt mit unangemessener Geschwindigkeit daran vorbei und erfasst Arbeiter B, der vor ihm unachtsam auf die Fahrbahn tritt.

A 1/4, B 3/4

OLG Brandenburg, 05.06.2007, 2 U 42/06

Schaden-Praxis 2008, 211

 

H6359

Fußgänger A geht nachts auf Landstraße auf der rechten Fahrbahnseite und wird von dem von hinten heranfahrenden Pkw B erfasst. B ist nicht zu schnell gefahren.

A 50%, B 50% (Betriebsgefahr)

LG Hof, 30.05.2011, 32 O 237/10

Schaden-Praxis 2011, 393

 

 

Überqueren mehrspuriger/besonders breiter Straße

 

H6360

Fußgänger A überquert innerorts mehrspurige Straße, die durch einen bepflanzten Mittelstreifen und eine Leitplanke unterteilt ist. Er wird von Pkw B erfasst, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit einhielt. Besonderheit: Verhalten des Fußgängers war grob verkehrswidrig.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG München, 10 U 3661/00, 06.04.2001

DAR 2001, 407

 

H6361

Fußgänger A überquert ca. 20 m vor dem mit ca. 47 km/h von links herannahenden Pkw B eine vierspurige Hauptverkehrsstraße und wird von diesem erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 32 U 259/91, 06.07.1992

r+s 1993, 251

 

H6362

Fußgänger A bleibt bei Dunkelheit inmitten einer mehrspurigen Straße stehen und wird von mehreren Fahrzeugen passiert und schließlich von dem nachfolgenden Pkw B, der nur wenige Meter vorher an einer Ampel angefahren ist, erfasst.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamburg, 14 U 147/91, 10.09.1993

VRS 87, 249

 

H6363

Fußgänger A überquert eine mehrspurige Straße, indem er zwischen den stockenden Fahrzeugschlangen hindurch geht. Beim Überqueren des als solchem deutlich erkennbaren Sonderfahrstreifens wird er von verbotswidrig fahrendem Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

KG Berlin, 12 U 8717(97, 25.02.1999

VM 1999, 50

 

H6364

Fußgängerin A überquert (angeblich) auf ein Handzeichen des Pkw-Fahrers B mehrspurige Straße und wird von einem anderen, auf der zweiten Spur fahrenden Kfz C erfasst. Haftung des B?

Haftungsverteilung: B 0 %

OLG München, 10 U 4052/96, 13.12.1996

OLGR München 1997, 161

 

H6365

70-jährige Fußgängerin überquert trotz erheblichen Verkehrs eine mehrspurige Straße und wird auf der dritten Fahrspur von Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

KG Berlin, 22 U 4294/93, 14.07.1994

KGR Berlin 1994, 256

 

H6366

Pkw A fährt auf mehrspuriger innerörtlichen Straße alte, gebrechliche Fußgängerin B an, die versucht, die regennasse Straße zu überqueren. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung kann dem A nicht nach-gewiesen werden.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

OLG Frankfurt, 9 U 13/99, 27.10.1999 - OLGR Frankfurt 2000, 13

 

H6367

Pkw A fährt auf mehrspuriger innerörtlichen Straße alte, gebrechliche Fußgängerin B an, die zusammen mit ihrem an Alzheimer erkrankten Mann versucht, die  Straße zu überqueren. Eine Geschwindigkeitsüberschreitung kann dem A nicht nachgewiesen werden.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Hamm, 9 U 42/99, 10.08.1999 - OLGR Hamm 2000, 131

 

H6368

Lkw A wechselt nachts innerorts von der linken auf die rechte Fahrspur, obwohl sich vom rechten Fahrbahnrand ein erkennbar verkehrsuntüchtiger Fußgänger B zügig auf die Fahrbahn zu bewegt, der sodann von A erfasst wird.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Köln, 2 U 34/00, 22.08.2001

NZV 2002, 131

 

H6369

Fußgänger A überquert unaufmerksam mehrspurige Straße und wird von Pkw B erfasst, dessen Fahrer kein Verschulden nachzuweisen ist. Betriebsgefahr?

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 12 U 315/01, 29.09.2003

DAR 2004, 30, OLGR Berlin 2004, 50

 

H6370

Fußgänger A überquert innerorts vierspurige Straße, wobei der jeweils rechte Fahrstreifen durchgehend beparkt ist und für den fließenden Verkehr nur jeweils ein Fahrstreifen zur Verfügung steht, durch eine Lücke zwischen zwei geparkten Fahrzeugen und wird von dem aus der Sicht von A von links kommenden Pkw B erfasst. Bremsweg zwischen A und B reichte nicht zum Anhalten aus.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Berlin-Mitte, 12.05.2003, 110 C 3461/02

Schaden-Praxis 2004, 7

 

H6371

Fußgänger A überquert, obwohl sich 20 m weiter ein Fußgängerüberweg befindet,  eine stark befahrene, vierspurige Straße und wird nach Überqueren der Mittellinie von dem von rechts kommenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

KG Berlin, 22 U 486/90, 10.01.1991

VM 1992,27

 

H6372

Fußgänger A überquert innerorts bei Dunkelheit hinter einer Linkskurve eine 10 m breite Straße und wird dabei von Pkw B (45 km/h) erfasst.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 % (nur Betriebsgefahr)

OLG Hamm, 6 U 207/91, 16.05.1994

VersR 1995, 1326, OLGR Hamm 1994, 51, OLGR Hamm 1995, 150

 

H6373

Fußgänger A überquert stark befahrene innerörtliche Straße (Breite 7m) und bleibt zunächst in der Mitte stehen. Dort wird er von dem mit nicht den Sichtverhältnissen angepasster Geschwindigkeit oder unaufmerksam fahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Nürnberg, 6 U 3021/00, 22.12.2000

OLGR Nürnberg 2001, 175

 

H6374

Fußgänger A überquert eine 8 bis 10 Meter breite Straße und wird dabei von Pkw B erfasst. Beide Verkehrsteilnehmer waren unaufmerksam.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Görlitz, 14.11.2003, 4 O 22/03

SVR 2004, 231

 

 

Sonstige

 

H6380

Fußgänger A will bei Regen und Dämmerung innerorts 7m breite Fahrbahn überqueren und bleibt dabei zunächst in der Mitte stehen. Pkw B will A mit unverringerter Geschwindigkeit von 50 km/h passieren. A geht in diesem Moment weiter.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Hamm, 13 U 22/99, 02.06.1999

DAR 2001, 459, OLGR Hamm 2000, 300

 

H6381

A schiebt bei Dunkelheit sein Mofa auf der rechten Fahrbahn und wird von dem von hinten herannahenden Pkw B erfasst. A hätte beim Herannahen des B auf den Randstreifen ausweichen können.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Oldenburg, 2 U 9/96, 26.06.1996

ZfS 1997, 131, OLGR Oldenburg 1996, 269

 

H6382

Radfahrer A schiebt trotz vorhandenem Gehweg sein Rad am für ihn rechten Fahrbahnrand und wird von nachfolgendem Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Ravensburg, 2 O 818/77, 13.10.1977

VersR 1978, 1150

 

H6383

Pkw A fährt im Einmündungsbereich einer Kreuzung an, um nach rechts in die Vorfahrtsstraße einzubiegen. Er erfasst dabei den die Nebenstraße überquerenden 85-jährigen Fußgänger B, der bereits losging als A noch stand.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Dresden, 9 U 2258/98, 28.01.1999 - NZV 1999, 293

 

H6384

Fußgänger A benötigt zum Überqueren einer stark befahrenen innerörtlichen Straße ca. 4 Sekunden und wird dabei von herannahendem Pkw B erfasst, der hätte anhalten oder hinter A vorbeifahren können.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG München, 10 U 3061/92, 27.11.1992

r+s 1994, 172

 

H6385

Fußgänger A wird beim Überqueren einer innerörtlichen Straße kurz vor Erreichen des gegenüber-liegenden Gehsteigs von dem von rechts kommenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Düsseldorf, 12 U 13/90, 13.12.1990 - r+s 1992, 195

 

H6386

Fußgänger A bleibt beim Überqueren der Fahrbahn wegen eines von rechts kommenden Kfz stehen und wird dabei von dem rückwärts fahrenden Pkw B erfasst, dessen Fahrer nicht nach hinten geschaut hat.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 6 U 94/97, 12.02.1998

MDR 1998, 902

 

H6387

Fußgänger A überquert eine zweispurige Einbahnstraße, indem er hinter einem links geparkten Kleinlaster zügig auf die Fahrbahn tritt, ohne auf den Verkehr zu achten. Er wird von mit 35 km/h fahrendem Lkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Bamberg, 5 U 40/90, 17.09.1991 - VersR 1992, 1531

 

H6388

Fußgänger A steht auf einer Verkehrsinsel und betritt plötzlich und ohne nach rechts zu schauen die Fahrbahn . Er wird von vorbeifahrendem Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 % (nur Betriebsgefahr)

OLG Hamburg, 14 U 157/88, 14.06.1989

r+s 1989, 252

 

H6389

Fußgänger A will bei Dunkelheit in sein an der Straße geparktes Fahrzeug einsteigen und wird dabei von dem in einem Abstand von 0,5 m vorbeifahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Karlsruhe, 1 U 223/87, 17.02.1988

DAR 1989, 146

 

H6390

Pkw A fährt auf BAB auf ein einige Minuten vorher neben der Mittelleitplanke liegengebliebenes Fahrzeug auf, dessen Insassen B im Wagen sitzen geblieben sind.

Haftungsverteilung: A max. 70 %, B mind. 30 %

AG Wiesbaden, 97 C 2068/93, 29.03.1994

NZV 1995, 492

 

H6391

Pkw A überholt außerorts bei Dunkelheit mit überhöhter Geschwindigkeit ein anderes Fahrzeug und erfasst dabei einen 12-jährigen Schüler B, der auf der linken Fahrbahnhälfte geht. Im Unfallbereich befand sich ein Warnschild "Kinder".

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Oldenburg, 2 U 245/87, 10.02.1988

DAR 1989, 186

 

H6392

Fußgänger A überquert hinter einem Müllauto, hinter dem sich eine Fahrzeugschlange gebildet hat, die Straße und wird dabei von dem auf der Gegenfahrbahn herannahenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 94/01, 14.02.2002

DAR 2002, 309

 

H6393

Fußgänger A, der sich nachts außerorts auf der in Gehrichtung rechten Fahrbahnseite also mit dem Rücken zum gleichgerichteten Fahrzeugverkehr aufhält, wird von einem ihn überholenden Pkw B erfasst. B, der mit  69 km/h fuhr, hätte wegen eines nahe gelegenen Festes mit Fußgängern rechnen müssen.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Hamm, 27 U 83/95, 22.02.1996

OLGR Hamm 1996, 127

 

H6394

Fußgänger A tritt unmittelbar vor einem herannahenden Fahrzeug B innerorts plötzlich vom Gehweg auf die Fahrbahn und wird von B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 11 U 227/95, 14.02.1996

OLGR Köln 1996, 245

 

H6395

Kfz A biegt von Neben- in Seitenstraße ein und erfasst dort einen die Straße außerhalb des Kreu-zungsbereichs überquerenden Fußgänger B.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

OLG Hamm, 6 U 44/94, 25.08.1994

OLGR Hamm 1994, 248

 

H6396

Fußgänger A überquert bei Dunkelheit innerörtliche Straße, obwohl er sich nicht sicher sein konnte, dass er die gegenüberliegende Straßenseite vor dem herannahenden Pkw B erreichen wird. Er wird von Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Köln, 12 U 138/92, 04.03.1993

OLGR Köln 1993, 150  (Ls.)

 

H6397

Fußgänger A überquert verkehrswidrig die Straße und wird von unaufmerksam fahrendem Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3 (50%:50% hinsichtlich Schmerzensgeld)

KG Berlin, 12 U 10631/99, 09.04.2001

KGR Berlin 2002, 84

 

H6398

Pkw A überholt eine vor einer Ampel ins Stocken geratene Autoschlange auf der Gegenfahrbahn. Er erfasst dabei einen Jogger B, der vor den Fahrzeugen von rechts die Straße überquert. A hat vor dem Überholvorgang den Jogger am rechten Straßenrand gesehen, als dieser auf der Stelle trat und auf die Möglichkeit zum Überqueren wartete.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Köln, 15 U 91/00, 21.11.2000

OLGR Köln 2002, 191

 

H6399

Pkw A fährt außerorts bei Dunkelheit mit 80-90 km/h, obwohl er wegen Gegenverkehrs abblenden muss. Er bemerkt daher einen auf der Fahrbahn stehenden Fußgänger nicht rechtzeitig und kommt deshalb infolge einer heftigen Ausweichlenkung von der Fahrbahn ab und verunfallt.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Hamm, 6 U 94/99, 09.03.2000

OLGR Hamm 2000, 227

 

H6400

Kfz A fährt bei schlechten Sichtverhältnissen mit 40 km/h durch geschlossene Ortschaft, wo stets damit gerechnet werden muss, dass Fußgänger die Straße überqueren. Er erfasst Fußgänger A, der die Straße unachtsam überquert.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Celle, 20 U 1/98, 18.03.1998

OLGR Celle 1998, 219

 

H6401

Fußgänger A tritt verdeckt durch einen Ampelmast, ein Verkehrsschild, einen Baum und ein an einer Einmündung stehendes Fahrzeug bei Regen unvermittelt aus einem Blumenbeet auf die Fahrbahn und wird von herannahendem Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 19 U 235/01, 28.06.2002

Schaden-Praxis 2002, 376

 

H6402

Fußgänger A, der aus einer Einfahrt zur Tiefgarage eines Einkaufszentrums über den Fußweg kommend unvermittelt die Straße überquert, wird von Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamburg, 14 U 46/01, 10.08.2001

Schaden-Praxis 2002, 9

 

H6403

Fußgänger A überquert unachtsam Straße und wird von herannahendem Pkw B erfasst, dessen Fahrer freie Sicht auf A gehabt hat.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

KG Berlin, 12 U 7999/97, 13.04.2000

ZfS 2001, 203, VRS 100, 269

 

H6404

Fußgänger A überquert innerorts mit von ihm geführtem Pferd unachtsam die Straße und wird von Kfz B erfasst, das trotz schlechter Sichtverhältnisse (Dunkelheit, Regen, Blendung) erlaubte 50 km/h fährt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Celle, 20 U 42/01, 23.01.2002

JURIS online

 

H6405

Fußgänger A überquert, ohne auf den Verkehr zu achten, die Straße und wird dabei von dem von rechts kommenden Pkw B erfasst und getötet. B ist eine Geschwindigkeitsüberschreitung (50 km/h) nicht nachzuweisen. Laut Gutachten wäre Unfall nur bei Einhaltung einer Geschwindigkeit von ca. 30 km/h zu vermeiden gewesen.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 W 65/03, 03.03.2004

MDR 2004, 994, OLGR-CBO 2004, 269, ZGS 2004, 238

 

H6406

Fußgänger A überquert hinter parkendem Pkw die Fahrbahn, ohne auf den von rechts kommenden Pkw B zu achten. B, dem die Sicht verdeckt war, fuhr unvermindert mit zulässiger Geschwindigkeit.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Düsseldorf, 14 U 76/91, 08.11.1991

OLGR Düsseldorf 1992, 132

 

H6407

Fußgänger A tritt unerwartet vor Pkw B, der mit ca. 20 km/h an Straßenbahnhalteinsel vorbeifährt, auf die Fahrbahn und wird von B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 12.05.2005, 14 U 232/04

OLGR Celle 2005, 392

 

H6408

Pkw A fährt trotz gelben Blinklichts vor einer damit gekoppelten in 150 m Entfernung folgenden Ampel mit leicht überhöhter Geschwindigkeit in Kreuzung ein und erfasst dort den bei Rot über die Straße gehenden Fußgänger B. Für A zeigte Ampel noch Grün an.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

BGH, 26.04.2005, VI ZR 228/03

BGHR 2005, 1037

 

H6409

Fußgänger A geht unachtsam über stark befahrene Straße und wird von Pkw B erfasst. B musste in der konkreten Verkehrssituation nicht mit einem plötzlichen und unachtsamen Betreten der Fahrbahn durch A rechnen.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Berlin-Mitte, 03.12.2004, 109 C 3418/03

Schaden-Praxis 2005, 120

 

H6410

Fußgänger A tritt ohne auf den Verkehr zu achten etwa einen Meter vor einem mit maximal 20 km/h herannahenden Lkw B auf die Straße und wird von diesem mit Vorder- und Hinterrad überrollt.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Freiburg, 09.02.2004, 5 O 101/03

SVR 2004, 346

 

H6411

79-jähriger Fußgänger A überquert innerorts in ca. 80 m Entfernung von Pkw B Straße von rechts nach links und wird von diesem erfasst. B ist mit ca. 40 km/h gefahren.

Haftungsverteilung: B 100 %

LG Berlin, 05.02.2004, 17 O 282/02

JURIS online

 

H6412

Fußgänger A überquert grob fahrlässig die Straße und wird von Pkw B erfasst. Betriebsgefahr des B?

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Marburg, 02.12.1998, 2 O 218/98 - Schaden-Praxis 1999, 120

 

H6413

Dunkel gekleideter Fußgänger A, der zudem noch einen schwarzen Regenschirm trägt, überquert bei Dunkelheit und Regen unachtsam eine Straße und wird dabei von Kfz B erfasst. B ist nur die Nichtbeachtung des Sichtfahrgebotes anzulasten.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

LG Aachen, 28.09.1998, 6 S 178/98

Schaden-Praxis 1999, 80

 

H6414

Kfz A fährt mit überhöhter Geschwindigkeit an einem an einer Bushaltestelle haltenden Bus vorbei und erfasst dabei Fußgänger B, der unachtsam zwischen parkenden Fahrzeugen von der gegen-überliegenden Straßenseite auf die Fahrbahn läuft, um den dort wartenden Bus noch zu erreichen.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

LG München I, 10.07.1990, 19 O 13499/88

JURIS online

 

H6415

81-jähriger Fußgänger A überquert unachtsam eine Straße bei winterlichen Verhältnissen und wird von herannahendem Kfz B erfasst, der ohne Verschulden nicht mehr rechtzeitig anhalten kann.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG München I, 14.12.1989, 19 O 22089/87

JURIS online

 

H6416

Fußgänger A überquert die Straße in zügigem Laufschritt und wird auf der zuletzt überquerten Fahrbahn von einem von rechts herankommenden Lkw B erfasst, der zwar die zulässige Geschwindigkeit einhält, dessen Fahrer jedoch zu spät bremst. Der Unfall ereignete sich in der Nähe einer aus Sicht des Lkws rechts gelegenen Bushaltestelle, in deren Bucht ein Linienomnibus hielt, während Fahrgäste ein- und ausstiegen.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamburg, 11.02.2005, 14 U 195/03

OLGR Hamburg 2005, 304

 

H6417

Fußgänger A tritt plötzlich vor einem herannahenden Kfz B auf die Straße und bleibt unvermittelt in der Fahrbahnmitte stehen. A wird von Kfz B erfasst. Unfall hätte bei Weitergehen des A vermieden werden können.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 29.03.2004, 12 U 281/02

VRS 2004, 23, VersR 2005, 91

 

H6418

Linienbus A erfasst in einem Randgebiet einer Großstadt auf einer nicht ausgeleuchteten Straße einen Fußgänger B, der unachtsam die Straße überquert.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

KG Berlin, 12 U 1541/94, 16.10.1995

KGR Berlin 1996, 4

 

H6419

Pkw A erfasst Fußgänger B, der aus der Sicht des A von rechts die Hauptstraße in einem ländlichen Wohngebiet zu überqueren versucht und nicht auf den fließenden Verkehr achtet. A ist mit zulässigen 40 km/h gefahren.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Bamberg, 17.02.2004, 5 U 244/03

JWO-VerkehrsR 2004, 195

 

H6420

Hundehalter A geht bei schlechten Lichtverhältnissen mit Hund auf rechter Fahrbahnseite spazieren und bemerkt nicht, dass der Hund an der sich abrollenden Leine auf die linke Seite wechselt. Nachfolgender Pkw B, dessen Fahrer die Situation hätte erkennen können, fährt in die Hundeleine und reißt A zu Boden.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

AG München, 345 C 24576/06, 26.01.2007

Justiz Bayern online

 

H6421

Mutter A läuft ihrem Kleinkind, das sie nicht an der Hand geführt hat und das unvermittelt auf die Fahrbahn läuft, ohne auf den Verkehr zu achten hinterher und wird dabei von Kfz B erfasst, dessen Fahrer nicht bremsbereit war.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Saarbrücken, 4 U 239/05, 18.07.2006

ZAP EN-Nr. 36/2007

 

H6422

71-jährige dunkel gekleidete Fußgängerin A überquert innerorts bei Dunkelheit die Fahrbahn und wird von einem aus ihrer Sicht von rechts herannahenden Pkw B erfasst, dessen Fahrer sofort ein Brems- und Ausweichmanöver eingeleitet hat und die A aufgrund Sichtbehinderung durch ein Fahrzeug des Gegenverkehrs nicht rechtzeitig erkennen konnte.

A 70%, B 30%

LG Trier, 11 O 348/05, 05.09.2006

Schaden-Praxis 2007, 207

 

H6423

Kfz A erfasst bei niedriger Geschwindigkeit unvorsichtig die Fahrbahn überquerenden Fußgänger B, den A bereits aus einer gut einsehbaren Entfernung von 40 m hätte wahrnehmen können und der sich zum Zeitpunkt des Unfalls kurz vor dem Erreichen der anderen Straßenseite befand, sodass bereits ein geringfügiges Abbremsen oder Ausweichen genügt hätte, um eine Kollision zu vermeiden.

A 80%, B 20%

OLG Koblenz, 12.12.2011, 12 U 1110/10

NJW-RR 2012, 228; NZV 2012, 177

 

H6424

Fußgänger A überquert bei Dunkelheit und starkem Regen unachtsam Fahrbahn in schräger Richtung und wird von Kfz B erfasst, das für A aufgrund des eingeschalteten Abblendlichtes schon von weitem gut sichtbar gewesen ist.

A 2/3, B 1/3

OLG Frankfurt, 4 U 246/134, 04.03.2014

Schaden-Praxis 2014, 228

 

H6425

14-jähriges Kind A, das nach dem Aussteigen aus einem Linienbus an einer Haltestelle die Fahrbahn hinter dem Bus überqueren will, wird von einem auf der Gegenfahrbahn fahrenden Kfz B erfasst.

A 50%, B 50%

OLG München, 10 U 4757/13, 11.04.2014

VRR 2014, 467

 

H6426

Fußgänger A, der durch einen Hund erschreckt wurde, macht auf schmaler Einbahnstraße ohne Gehsteig in einem "Reflex" einen Schritt zur Seite und tritt dabei in die Fahrbahn eines herannahenden Pkw B, der den A erfasst. Unfall war für B nicht unvermeidbar.

Haftungsverteilung: B 100%

OLG Karlsruhe, 9 U 9/14, 07.01.2015

MDR 2015, 585

 

H6427

Fußgänger A überquert unachtsam Straße und wird auf Linksabbiegerstreifen von Pkw B erfasst, der trotz hinreichender Aufmerksamkeit nicht rechtzeigt abbremsen konnte. Betriebsgefahr des B?

A 100%

LG Köln, 32  O 28/14, 03.03.2015

Schaden-Praxis 2016, 6

 

H6428

Vierzehnjähriges Kind A, das nach dem Aussteigen aus einem Linienbus an einer Haltestelle die Fahrbahn hinter dem Bus überquert, wird auf Gegenfahrbahn zwischen 15 km/h und 20 km/h schnell fahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

AG Backnang, 5 C 799/14, 19.05.2015

Schaden-Praxis 2016, 47

 

 

 

 

 

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V. Unfälle zwischen Kfz und Kindern

 

Wichtiger Hinweis zu Unfällen mit Kindern:

Seit der Änderung des Schadensersatzrechts zum 1.8.2002 haften Kinder unter 10 Jahren (bis zum 31.07.2002 unter 7 Jahren) nach dem Gesetz überhaupt nicht für von ihnen verursachte Schäden. Gegenüber Kraftfahrern kann ihnen daher keinerlei Mithaftung angelastet werden. In der Entscheidungssammlung finden Sie noch zahlreiche Urteile zur früheren Rechtslage. Diese Urteile wurden trotz der Gesetzesänderung noch in der Datenbank belassen, da sie weiterhin für die Beurteilung von Unfällen mit Kindern ab einem Alter von 10 Jahren herangezogen werden können.

 

 

Kind jünger als 10 Jahre

 

H6430

Kind A stößt mit einem Fahrrad aus einem landwirtschaftlichen Weg kommend mit dem vorfahrts-berechtigten Pkw B zusammen. B trifft zwar kein Verschulden. Er kann aber auch nicht beweisen, dass der Unfall für ihn unabwendbar war.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Nürnberg, 6 U 1860/98, 02.10.1998

DAR 1999, 25

 

H6431

7-jähriges Kind A läuft hinter einem anderen Kind über die Straße, um zu dort spielenden Kindern zu gelangen, und wird dabei von Pkw B erfasst, der sich mit 40-50 km/h nähert und dessen Fahrer die Situation erkannt hat und gleichwohl mit unverminderter Geschwindigkeit und ohne zu hupen weiter-gefahren ist.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Oldenburg, 13 U 82/92, 07.12.1992

r+s 1994, 253

 

H6432

Pkw A fährt mit 45 km/h durch ein Wohngebiet und erfasst ein plötzlich hinter einem parkenden Wagen auf die Fahrbahn laufendes Kind B.

Haftungsverteilung: A keine Haftung

OLG Hamm, 27 U 12/92, 17.03.1992 - VersR 1993, 711

 

H6433

6-jähriges Kind A steht zwischen zwei Erwachsenen an der rechten Seite eines geparkten Fahrzeuges und läuft hinter dem Wagen plötzlich auf die Straße. A wird von Pkw B (Geschwindigkeit weniger als 20 km/h) erfasst, für dessen Fahrer das Kind vorher nicht zu sehen war.

Haftungsverteilung: B keine Haftung

OLG Schleswig, 9 U 112/96, 07.05.1997

MDR 1997, 1122

 

H6434

4-jähriges Kind A wird von seiner Mutter über die Straße gebracht und läuft dann von der Mutter, die nochmals zurück zu ihrem auf der anderen Straßenseite geparkten Wagen gegangen ist, unbemerkt wieder zurück. A wird von dem mit 50 km/h herannahenden Pkw B erfasst, für dessen Fahrer die Situation nicht erkennbar war.

Haftungsverteilung: B 100 % (nur Betriebsgefahr)

OLG München, 10 U 3833/94, 02.02.1996

VRS 93, 256

 

H6435

7-jähriges Kind A läuft  ohne erkennbare Anzeichen in 30km/h-Zone auf die Fahrbahn und wird von Kleinbus B erfasst. Die genauen Unfallumstände bleiben ungeklärt.

Haftungsverteilung: B 100 % (nur Betriebsgefahr)

OLG Schleswig, 9 U 89/96, 22.07.1998 - r+s 1999, 454

 

H6436

8-jähriges Kind A läuft bei Dunkelheit wenige Meter von einem beampelten (Rot anzeigenden) Überweg entfernt  unaufmerksam zwischen parkenden Fahrzeugen auf eine vielbefahrene Großstadtstraße und wird von dem bei Grün fahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: B 0 %

KG Berlin, 12 U 5392/87, 03.03.1988

DAR 1988, 349

 

H6437

7-jähriges Kind A geht in 100 m Entfernung von einem Fußgängerüberweg entfernt an der Hand seiner Mutter über eine mehrspurige Straße, reißt sich los und wird von dem mit weniger als 50 km/h herannahenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 1/3, 2/3 (nur Betriebsgefahr)

OLG Stuttgart, 2 U 190/90, 12.07.1991

NZV 1992, 185

 

H6438

6-jähriges Kind A läuft auf die Fahrbahn und wird von Pkw B erfasst, der mit mindestens 40 km/h gefahren ist. Der genaue Unfallhergang bleibt ungeklärt; ein Verschulden des B ist nicht feststellbar.

Haftungsverteilung: B 100 % (keine Verschuldenshaftung)

OLG Koblenz, 12 U 331/90, 24.06.1991

DAR 1992, 383

 

H6439

Pkw A fährt mit 48 km/h durch Ortschaft und erfasst dabei 5-jähriges Kind B, das aus einer Gruppe von Kindern heraus zwischen parkenden Autos auf die Fahrbahn läuft.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 6 U 198/86, 08.10.1987

DAR 1989, 148

 

H6440

Pkw A fährt in Wohngebiet für ihn nicht rechtzeitig wahrnehmbares Kind B an, das unvermittelt auf die Fahrbahn läuft. Geschwindigkeitsüberschreitung des A ist nicht nachweisbar. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 100 % (keine Verschuldenshaftung)

OLG Köln, 11 U 75/00, 22.11.2000

OLGR Köln 2001, 149

 

H6441

Pkw A überfährt beim Anfahren aus einem Parkplatz Kind B. A macht geltend, dass sich das Kind in dem durch die A-Säule des Wagens verdeckten Bereich aufhielt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 27 U 33/00, 31.08.2000

OLGR Hamm 2001, 57

 

H6442

Pkw A muss wegen enger Fahrbahn mit weniger als 2 m Abstand an haltendem Linienbus vorbeifahren. 8-jähriges Kind B läuft hinter dem Bus auf die Fahrbahn und wird von A erfasst.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG Köln, 3 U 166/01, 09.04.2002

DAR 2002, 356

 

H6443

Pkw A erfasst beim Rückwärtsfahren ein Kind auf einem Kettcar und schleift es einige Meter mit. Anwohner B, der den Vorgang beobachtet und dem Kind zu Hilfe eilen will, springt aus dem Fenster des Hochparterres und verletzt sich hierbei.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG München, 5 U 5549/92, 09.02.1993

OLGR München 1993, 243

 

H6444

Pkw A fährt mit 45 km/h an auf dem Gehweg stehender Gruppe ca. 8-jähriger Kinder vorbei. Kind B läuft auf die Fahrbahn und wird von A erfasst.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Hamm, 26 U 28/99, 19.11.1999

NZV 2000, 259, RuS 2001, 60

 

H6445

7-jähriges Kind A läuft gebückt beim Spielen auf Kreisstraße, wo es von herannahendem Pkw B erfasst wird. Verschulden des B ist nicht feststellbar. Hinweis Unfall ereignete sich 1999, also vor Gesetzesänderung zum Haftungsrecht.

Haftungsverteilung: A 75%, B 25%

OLG Celle, 14 U 190/02, 17.07.2003

DAR 2004, 390

 

H6446

Pkw A fährt mit ca. 30 km/h an auf dem Gehsteig stehenden Kindern vorbei. 8-jähriger Junge B läuft unvermittelt vor A auf die Fahrbahn und wird von diesem erfasst.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Hamm, 32 U 164/91, 08.04.1992

OLGR Hamm 1992, 234

 

H6447

7-jähriges Kind A überquert schmale Straße, an deren Straßenrand Fahrzeuge in der zweiten Reihe verbotswidrig parken (unübersichtliche und gefährliche Verkehrssituation), und wird von Kfz B erfasst.

Haftungsverteilung: B 100%

AG Dortmund, 16.04.1996, 125 C 1870/96

JURIS online

 

H6448

Kfz A erfasst beim Abbiegen in Seitenstraße ein die Straße am Fußgängerüberweg überquerendes 2-jähriges Kind B. B war für A nicht erkennbar, er konnte jedoch die Mutter des B (mit Kleinkind auf dem Arm) erkennen. Verletzung der Aufsichtspflicht durch Mutter war nicht feststellbar. Unfall ereignete sich 1999.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG München, 17.03.2006, 10 U 3782/02

DAR 2006, 394

 

H6449

9-jähriges Kind A stößt mit seinem Fahrrad gegen einen ordnungsgemäß abgestellten Pkw B. Hinweis: Unfall ereignete sich nach der Reform des Schadensrechts am 1.8.2002.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Heilbronn, 1 S 9/04 ST, 12.05.2004

ADAJUR-CDROM, DokNr: 61199

 

H6450

Pkw A muss beim Einbiegen in eine Hauptstraße anhalten und wird in diesem Moment von einem seitlich herannahenden 8-jährigen Radfahrer B angefahren. A konnte B wegen der Sichtbehinderung durch eine Hecke nicht herankommen sehen. Hinweis: Unfall ereignete sich nach Neuregelung des Haftungsrechts zum 1.7.2002

Haftungsverteilung: A 100 %

BGH, VI ZR 109/06, 17.04.2007

BGHR 2007, 748, NJW 2007, 2113, DAR 2007, 454

 

H6451

4-jähriges Kind fährt mit Kinderfahrrad mit Stützrädern auf Gehweg und beschädigt das ordnungsgemäß abgestellte Kfz A. Mutter B fuhr in einer Entfernung von ca. 4 m von dem Kind auf dem Fahrrad.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG München, 332 C 27974/05, 25.09.2006

DAR 2007, 471

 

 

Kind/Jugendlicher 10 Jahre und älter

 

H6460

Pkw A weicht im Großstadtverkehr einem 10-jährigen Kind aus und beschädigt dabei seinen Wagen. Mithaftung der Eltern B?

Haftungsverteilung: B 0 %

LG Berlin, 58 S 445/97, 29.10.1998

DAR 1999, 74

 

H6461

Ein 10-jähriges Kind  A überquert von einem Radweg kommend eine Landstraße und wird von Lkw B erfasst. Für B war von weitem erkennbar, dass A möglicherweise nicht anhält.

Haftungsverteilung: Das Urteil enthält keine Haftungsquote (Zurückverweisung an Vorinstanz), jedoch grundlegende Ausführungen zur (Mit-)Haftung des B.

BGH, VI ZR 205/96, 01.07.1997

DAR 1997, 399

 

H6462

10-jähriges Kind A tritt zwischen zwei parkenden Kfz auf eine vielbefahrene innerörtliche Straße und wird dabei von dem vor einer Ampel im Stop-and-go-Verkehr fahrenden Pkw B erfasst, dessen Fahrer unaufmerksam war.

Haftungsverteilung: A mind. 50 %, B max. 50 %

KG Berlin, 12 U 5774/96, 10.11.1997

DAR 1999, 115

 

H6463

16-jähriger geistig behinderter Junge A läuft über die Straße, um zu seiner Gruppe zu gelangen. Er wird dabei von dem mit mindestens 30 km/h fahrenden Pkw B erfasst, dessen Fahrer kein Hupzeichen gegeben hat.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Celle, 5 U 135/89, 11.10.1990

NZV 1991, 228

 

H6464

11-jähriges Kind A überquert auf Rollschuhen hinter einem anderen Kind eine Dorfstraße und wird von dem mit 70km/h fahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Frankfurt/Main, 22 U 225/83, 26.06.1984

DAR 1985, 79

 

H6465

Unfall zwischen einem 13-jährigen Mädchen A, das die Fahrbahn innerorts unvorsichtig vor einem herannahenden Pkw von rechts nach links überquert, und einem Pkw-Führer B, der mit 70 km/h statt erlaubter 50 km/h fährt und der den Unfall bei Einhaltung der erlaubten Geschwindigkeit hätte vermeiden können.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

OLG Hamm, 6 U 31/97, 18.05.1998 - OLGR Hamm 1999, 256

 

H6466

Pkw A fährt mit unverminderter Geschwindigkeit von 71-76 km/h, obwohl er auf einem nahe gelegenen Wall spielende Kinder erkennt. Er erfasst ein ohne auf den A achtendes auf die Straße laufendes 10 Jahre und 4 Monate altes Kind B.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Celle, 14 U 320/01, 14.11.2002 - OLGR Celle 2003, 81

 

H6467

11-jähriger A zieht beim "Pferdchen-Spielen" ein gleichaltriges Kind B mit einem Seil auf die Straße, wo dieses von Pkw C angefahren wird. Mitverschulden des A an den Verletzungen des B?

Haftungsverteilung: A 20 %, C 80 %

BGH, VI ZR 72/80, 05.10.1982 - MDR 1983, 297

 

H6468

Motorrad A fährt bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 70 km/h an einem rechts an einer Haltestelle haltenden Linienbus mit einer Geschwindigkeit von 53 km/h und einem Sicherheitsabstand von mehr als 2 m vorbei und erfasst ausgestiegenen 10-jähriger Schüler B, der versucht, die Fahrbahn vor dem Bus laufend zu überqueren und dabei in das Motorrad hineinläuft.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Hamm, 6 U 79/00, 19.03.2001

RuS 2001, 456

 

H6469

Am Straßenrand zunächst wartendes 10-jähriges Kind A läuft unvermittelt vor herannahendem Pkw B auf die Straße, dessen Fahrer trotz rechtzeitigen Bremsens die Kollision nicht verhindern kann.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 125/03, 08.07.2004

NJW-RR 2004, 1611, OLGR-CBO 2004, 608

 

H6470

11-jähriges Kind A überquert innerorts unachtsam die Fahrbahn und wird von Pkw B, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h beachtete (Aufprallgeschwindigkeit 35 km/h), erfasst.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Hamm, 11.04.2005, 13 U 133/04

ZfS 2006, 17, NZV 2006, 151

 

H6471

Pkw A fährt an einem auf einer Landstraße außerhalb einer Haltestelle anhaltenden gekennzeichneten Schulbus vorbei und erfasst 10-jähriges Kind B, das ohne auf den Verkehr zu achten über die Straße läuft.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Oldenburg, 12 U 15/91, 14.05.1991

NJW 1992, 581

 

H6472

Zunächst am Straßenrand wartendes 10-jähriges Kind A läuft unvermittelt vor Pkw B auf die Fahrbahn und wird von diesem erfasst. B hat nach Wahrnehmung des A die Geschwindigkeit nicht verringert, war aber bremsbereit.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 08.07.2004, 14 U 125/03

Schaden-Praxis 2004, 291, NJW-RR 2004, 1611, OLGR Celle 2004, 608, NZV 2005, 261

 

H6473

12-jähriger Junge A, der wegen seiner Größe auch ein Erwachsener sein kann, überquert unachtsam von links in ca. 40 m Entfernung vor einem herannahenden Kfz B die Fahrbahn und wird von diesem erfasst. B, der den Jungen bereits beim Überqueren der Gegenfahrbahn bemerkt hatte, hat seine Geschwindigkeit nicht herabgesetzt und war nicht bremsbereit.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

AG Eschweiler, 26.07.1995, 6 C 578/94

Schaden-Praxis 1996, 6

 

H6474

Kfz A kollidiert mit 13-jährigem Kind B, das unachtsam die Fahrbahn überquerte. Ob die erhöhte Geschwindigkeit des A nachweisbar ursächlich für den Zusammenstoß war, kann nicht bewiesen werden.

Haftungsverteilung: A 40%, B 60%

LG Lüneburg, 19.03.1993, 8 O 338/92

Schaden-Praxis 1993, 338

 

H6475

Psychisch kranke, schuldunfähige erwachsene Person A läuft bei Dunkelheit auf Landstraße unmittelbar vor herannahendes Kfz B und wird von diesem erfasst.

Haftungsverteilung: B 100%

OLG Stuttgart, 08.12.2003, 5 U 76/03 - OLGR Stuttgart 2004, 521

 

H6476

11-jähriger Junge A läuft vom Gehsteig unachtsam auf Fahrbahn und wird von einem, die zulässige Höchstgeschwindigkeit einhaltenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Hamm, 11.04.2005, 13 U 144/04

DAR 2006, 272

 

H6477

10-jähriger Junge A fällt nach Schubserei mit anderen Schülern aus einem Schulbus B, bei dem sich durch den Druck der Kinder die hintere Tür geöffnet hatte. Situation war für Busfahrer erkennbar, der aber nicht eingriff.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Koblenz, 12 U 1459/04, 29.05.2006

OLGR Koblenz 2006, 870; NZV 2006, 578

 

H6478

11 Jahre altes Kind A hat bereits 2 der 3 Fahrspuren von rechts nach links auf dem Weg zu einer Haltestelle überquert und wird von einem auf der linken Fahrspur fahrenden Kfz B erfasst. Dem B war nicht nachzuweisen, dass er den A vor dem Unfall wahrgenommen und als schutzbedürftige Person erkannt bzw. hätte erkennen müssen oder aufgrund der örtlichen Verkehrslage mit der Anwesenheit von Kindern und deren Gefährdung hätte rechnen müssen. B hat auch nicht gegen Sichtfahrgebot verstoßen.

A 100%

LG Köln, 26.02.2010, 2 O 576/09

Schaden-Praxis 2010, 353

 

H6479

10-jähriges Kind A fährt mit seinem Fahrrad vom Gehweg auf die Fahrbahn einer sehr übersichtlichen Bundesstraße und kollidiert dort mit einem heranfahrenden Kfz B.

A 2/3, B 1/3

LG Aachen, 11.08.2011, 2 S 198/11

Schaden-Praxis 2012, 146

 

H6480

12-jähriges Kind A rennt verdeckt durch einen auf der Straße haltenden Kleintransporter über die Straße, ohne auf den Verkehr aus der entgegengesetzten Fahrtrichtung zu achten, und wird dabei von Kfz B erfasst. A war vorher aus dem haltenden Kleinbus ausgestiegen, wo kein befestigter Gehweg vorhanden war, sondern lediglich ein Grünstreifen und steil aufsteigendes Gelände mit Büschen und Bäumen, sodass für B der Schluss nahelag, dass ein möglicherweise aus dem Kleinbus ausgestiegener Fahrgast die Straße überqueren werde.

A 70%, B 30%

LG Erfurt, 25.05.2012, 2 S 262/11

Schaden-Praxis 2013, 332; NZV 2013, 606

 

H6481

14-jähriges Kind A, das nach dem Aussteigen aus einem Linienbus an einer Haltestelle die Fahrbahn hinter dem Bus überqueren will, wird von einem auf der Gegenfahrbahn fahrenden Kfz B erfasst.

A 50%, B 50%

OLG München, 10 U 4757/13, 11.04.2014

VRR 2014, 467

 

H6482

Vierzehnjähriges Kind A, das nach dem Aussteigen aus einem Linienbus an einer Haltestelle die Fahrbahn hinter dem Bus überquert, wird auf Gegenfahrbahn zwischen 15 km/h und 20 km/h schnell fahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

AG Backnang, 5 C 799/14, 19.05.2015

Schaden-Praxis 2016, 47

 

 

Aufsichtspflichtverletzung der Eltern

 

H6490

Kfz A weicht einem 3-jährigen Kind B aus, das plötzlich hinter einem geparkten Fahrzeug hervorkommt und über die Straße läuft, und fährt dadurch gegen einen Baum. Ansprüche gegen Eltern des B?

Haftungsverteilung: A 50 %, Eltern des B 50 %

OLG Hamm, 13 U 45/00, 25.09.2000

Schaden-Praxis 2001, 9, DAR 2001, 127, VersR 2002, 1254

 

H6491

Pkw A erfasst Kleinkind, das aus einem Kindergarten heraus auf die Straße läuft. A kannte den Kindergartenschluss. Eltern B ließen das Kind den 150 m weiten Weg nach Hause alleine gehen, obwohl es eine belebte Straße überqueren musste.

Haftungsverteilung: A 90 %, B 10 %

OLG Kralsruhe, 14 U 229/85, 09.10.1987

DAR 1989, 25

 

H6492

Mutter A läuft mit ihrem 5-jährigen Kind außerorts auf der rechten Fahrbahnseite. Das links gehende Kind, das nicht an der Hand geführt wurde, läuft plötzlich in die Straße und wird von dem mit 50 km/h nachfolgenden Pkw B erfasst, der die Fußgänger aus einer Entfernung von 50 m sehen konnte.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Münster, 1 S 119/91, 19.06.1991

NZV 1991, 396

 

H6493

Sechsjähriges Kind fährt mit Kinderfahrrad auf Radweg und fährt unvermittelt auf Fahrbahn, wo es von Kfz A erfasst wird. Mutter B des Kindes fährt auf der anderen Straßenseite mit Rad und kann das Kind nur beobachten und Anweisungen zurufen.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG Traustein, 27.10.2004,  311 734/04

NJW 2004, 3786

 

H6494

Pkw A erfasst Kleinkind, das aus einem Kindergarten heraus auf die Straße läuft. A kannte den Kindergartenschluss. Eltern B ließen das Kind den 150 m weiten Weg nach Hause alleine gehen, obwohl es eine belebte Straße überqueren musste.

Haftungsverteilung: A 90 %, B 10 %

OLG Kralsruhe, 14 U 229/85, 09.10.1987

DAR 1989, 25

 

H6495

Eltern A lassen ihr fünfeinhalb Jahre altes Kind im dörflichen Bereich ohne starken Fahrzeugverkehr unbeaufsichtigt spielen. Das Kind läuft auf die Fahrbahn und wird von Kfz B erfasst, das mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG Prüm, 6 C 146/06, 13.09.2006

NJW 2007, 524, NJW-RR 2007, 91

 

H6496

5-jähriges Kind läuft bei Aussteigen aus Auto des Großvaters A, der das Kind nicht an der Hand nimmt, auf Fahrbahn und wird von Radfahrer B erfasst. Eltern und Großeltern hatten mit dem Kind das angemessene Verhalten im Straßenverkehr als Fußgänger eingehend geübt. Aufsichtspflichtverletzung des A?

Haftungsverteilung: A 0 %

OLG Bamberg, 5 U 227/06, 07.12.2006 und 23.01.2007

Justiz Bayern online

 

H6497

Eltern A lassen fünfeinhalb Jahre altes Kind im dörflichen Bereich, wo kein starker Fahrzeugverkehr herrscht, unbeaufsichtigt spielen. Kind läuft auf Fahrbahn, wo es von Pkw B erfasst wird, dessen Fahrer mit überhöhter Geschwindigkeit fährt.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG Prüm, 6 C 146/06, 13.09.2006

NJW 2007, 524; NJW-RR 2007, 91

 

H6498

Knapp 8-jähriger Junge fährt mit Fahrrad von einer Fußgängerbrücke herunter auf die Fahrstraße und prallte ungebremst vorbeifahrenden Pkw B. Anwesenheit des Kindes vor Wohnung wurde in regelmäßigen Zeitabständen von Mutter B kontrolliert. Kind konnte schon sicher Rad fahren. Hinweis: Unfall ereignete sich nach dem 1.7.2002, daher keine Eigenhaftung des Kindes. Haftung der B wegen Aufsichtspflichtverletzung?

Haftungsverteilung: B 0%

AG München, 27.06.2007, 322 C 3629/07

Justiz Bayern online

 

H6499

5 1/2-jähriges Kind wird beim unbegleiteten Überqueren der Dorfstraße mit wenig Durchgangsverkehr von mit überhöhter Geschwindigkeit fahrendem Kleinbus A erfasst. Mithaftung der Eltern B des Kindes wegen Aufsichtspflichtverletzung?

A 100%

AG Prüm, 6 C 146/06, 13.09.2006

NJW-RR 2007, 91; NZV 2007, 209

 

 

 

 

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VI. Bus, Straßenbahn, Zug

 

Unfälle mit Bussen

 

H6501

Linienbus A fährt innerorts aus Haltebucht an und kollidiert seitlich mit von hinten herannahendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

LG Osnabrück, 9 O 437/92, 01.03.1993

DAR 1993, 301

 

H6502

Linienbus  A fährt mit eingeschaltetem linken Blinker von Haltestelle an und kollidiert mit von hinten kommendem Pkw B, der beim Anfahren des Busses noch mind. 90 m entfernt war und rechtzeitig hätte bremsen können.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 13 U 132/90, 05.11.1990

VersR 1992, 1016

 

H6503

Bus A hält an Ampel in leichter Schrägstellung mit eingeschaltetem rechten Blinker an, um nach rechts abzubiegen. Pkw B hält mit einem Abstand von nur 60 cm links neben Heck des Busses an. B wird beim Wiederanfahren des Busses von dessen ausscherendem Heck berührt.

Haftungsverteilung: B 100 %

LG München, 17 O 17497/96, 10.01.1997

NZV 1998, 74

 

H6504

Linienbus A fährt an Haltestelle an und kollidiert mit von hinten mit 100 km/h herannahendem Pkw B, der bei angepasster Geschwindigkeit (regennasse Fahrbahn) hätte anhalten können.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Düsseldorf, 1 U 65/88, 23.01.1989

MDR 1990, 929

 

H6505

Omnibus A fährt vom Fahrbahnrand an. Pkw B, der die zulässige Höchstgeschwindigkeit eingehalten hat, fährt auf A auf.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 9 U 135/95, 16.01.1996

OLGR Hamm 1996, 63

 

H6506

Linienbus A erfasst in einem Randgebiet einer Großstadt auf einer nicht ausgeleuchteten Straße einen Fußgänger B, der unachtsam die Straße überquert.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

KG Berlin, 12 U 1541/94, 16.10.1995 - KGR Berlin 1996, 4

 

H6507

Linienbus A will aus einer Haltestelle heraus nach links abbiegen. Durch ein verbotswidrig parkendes Kfz B kommt es zu einem Unfall zwischen A und einem anderen Fahrzeug.

Haftungsverteilung: B 100 %

LG Karlsruhe, 1 S 140/01, 20.02.2002 - DAR 2003, 321

 

H6508

Linienbus A fährt aus Wendeschleife in Vorfahrtsstraße ein. Ein mit 65 km/h (erlaubt 50 km/h) herannahender Pkw B versucht, ohne Geschwindigkeitsreduzierung auszuweichen und verunfallt.

Haftungsverteilung: A 60%, B 40%

OLG Düsseldorf, 1 U 100/81, 08.02.1982 - VersR 1983, 542

 

H6509

Pkw A fährt an einem auf einer Landstraße außerhalb einer Haltestelle anhaltenden gekennzeichneten Schulbus vorbei und erfasst 10-jähriges Kind B, das ohne auf den Verkehr zu achten über die Straße läuft.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Oldenburg, 12 U 15/91, 14.05.1991

NJW 1992, 581

 

H6510

Pkw A fährt an Bushaltestelle an Linienbus B, der die Warnblinkanlage eingeschaltet hat, vorbei und kollidiert mit diesem, nachdem Busfahrer angefahren ist, ohne hinreichend auf den rückwärtigen Verkehr zu achten.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

AG Bad Hersfeld, 25.11.2002, 10 C 850/02

Schaden-Praxis 2003, 192

 

H6511

Wartepflichtiger Linienbus A kollidiert mit bevorrechtigtem Motorrad B, das die zulässige Höchstgeschwindigkeit um ca. 100 Prozent überschritten hat.

Haftungsverteilung: B 100%

LG Berlin, 17.10.2003, 24 O 291/03

VRS 107, 13-18

 

H6512

Kfz A fährt rechts an dem an Kreuzung stehenden Bus B vorbei, obwohl unklar ist, in welche Richtung B seine Fahrt fortsetzen wird. A und B kollidieren durch Verschulden des Busfahrers.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

LG Göttingen, 19.02.2003, 9 S 46/02

VRS 105, 12-14

 

H6513

Taxi A parkte so, dass es 1,28 Meter in absolutes Halteverbot hineinragte. Bus B blieb beim Umfahren der Kurve an dem ins Halteverbot hineinragenden Heck des Taxis hängen, obwohl die Straße an sich breit genug war.

A 1/3, B 2/3

AG München, 341 C 15805/09, 23.09.2009

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6514

In der ersten Reihe eines an Bushaltestelle durch ebenfalls wartende Schüler entstandenen erheblichen Gedränges stehender Schüler A gerät beim Einfahren des Linienbusses B mit dem linken Fuß unter das rechte Vorderrad des Busses und wird verletzt. Busfahrer ist wegen des sichtbaren Gedränges äußerst langsam und vorsichtig in den Bereich der Haltestelle eingefahren.

A 50%, B 50%

OLG Koblenz, 03.12.2012, 12 U 1472/11

NZV 2013, 246, NJW-RR 2013, 599

 

H6515

Linienbus A kollidiert beim Abfahren von der Haltestelle mit vorbeifahrendem Kfz B. Es lässt sich nicht klären, ob A beim Anfahren den Fahrtrichtungsanzeiger gesetzt hat.

A 50%, B 50%

LG Saarbrücken, 05.04.2012, 13 S 209/11

NJW-RR 2012, 992; NZV 2013, 35

 

H6516

Linienbus A fährt auf bevorrechtigter Straße eine Haltestelle unmittelbar hinter einer von rechts einmündenden, untergeordneten Nebenstraße an und muss dabei die bereits auf der Höhe der Einmündung rechtsseitig befindliche gestrichelte Linie überfahren. Ein von rechts kommender wartepflichtiger Pkw B stößt beim Heranfahren an die Kreuzung rechts gegen das Heck des Busses.

B 100%

BGH, VI ZR 279/13, 27.05.2014

VersR 2014, 894; RuS 2014, 364

 

H6517

Linienbus A fährt auf einen in eine Grundstückseinfahrt einbiegenden Pkw auf. Dabei wird ein Fahrgast B verletzt, der sich zwischen zwei Haltestellen erhoben hatte, weil er an der nächsten Haltestelle aussteigen wollte.

A 100%

LG Freiburg (Breisgau), 6 O 217/136, 28.4.2014

Schaden-Praxis 2014, 269

 

 

Unfälle mit Straßenbahn

 

H6520

Straßenbahn A und Pkw B kollidieren auf Kreuzung. Es kann nicht geklärt werden, wer freie Fahrt hatte.

Haftungsverteilung: A 60%, B 40%

OLG Celle, 21.02.2006, 14 U 121/05

OLG Celle 2006, 274

 

H6521

Straßenbahn A und Pkw B kollidieren. Es bleibt ungeklärt, ob die Straßenbahn beim Zurückrollen gegen den verkehrsbedingt haltenden Pkw stieß oder der Pkw auf die stehende Straßenbahn auffuhr.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 13 U 216/00, 21.03.2001

DAR 2001, 402; MDR 2001, 866

 

H6522

Die Gleisführung einer Straßenbahn schwenkt nach einer Haltestelle nach rechts zum rechten Fahrbahnrand. Dort stößt die an der Haltestelle durchfahrende Straßenbahn A mit dem rechtsseitig auf gleicher Höhe fahrenden Pkw B zusammen, der mit einem Anhalten der Straßenbahn gerechnet hat.

Haftungsverteilung: A 1/3 (Betriebsgefahr), B 2/3

OLG Hamm, 6 U 56/99, 12.08.1999

DAR 2000, 34; OLGR Hamm 2000, 286

 

H6523

Wartepflichtiger Pkw A fährt in mehrspurige Vorfahrtsstraße ein und kollidiert dort mit Straßenbahn, die mit überhöhter Geschwindigkeit (63 km/h) fährt.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33%

OLG Hamm, 13 U 55/96, 30.10.1996

NJW 1997, 85

 

H6524

Motorroller A kollidiert nachts bei Regenwetter mit einer mit 15 km/h von rechts kommenden (also vorfahrtsberechtigten) Straßenbahn B, deren Fahrer lediglich auf den von sich aus rechten Verkehr achtet.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25%

BGH, VI ZR 234/56, 08.10.1957

VersR 1957, 779

 

H6525

Pkw A muss wegen Gegenverkehrs beim Linksabbiegen im Schienenbereich anhalten. Von hinten kommende Straßenbahn, deren Geschwindigkeit ungeklärt bleibt, fährt auf A auf.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25%

OLG Dresden, 2 U 268/95, 16.10.1995

VersR 1997, 332

 

H6526

Pkw A muss wegen Gegenverkehr beim Linksabbiegen im Schienenbereich anhalten. Von hinten kommende Straßenbahn (Geschwindigkeit 48 km/h) fährt auf A auf.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Koblenz, 12 U 1584/91, 14.12.1992

NZV 1993, 476

 

H6527

Pkw A hält an, um Beifahrer aussteigen zu lassen, und ragt dabei 130 cm in Schienenbereich hinein. Straßenbahn B fährt von hinten auf.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Hamm, 32  U 42/90, 19.11.1990

VRS 80, 285

 

H6528

Pkw A und Straßenbahn B fahren gleichauf auf eine Fahrbahnverengung zu und kollidieren dort.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Karlsruhe, 1 U 119/95, 20.12.1995

VersR 1997, 333

 

H6529

Pkw A bleibt trotz möglicher Weiterfahrt auf Straßenbahnschienen stehen. Straßenbahn B fährt auf A auf. Fahrer von B hätte noch rechtzeitig bremsen können, rechnete jedoch mit Weiterfahrt des A.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Hamm, 13 U 55/96, 30.10.1996

OLGR Hamm 1997, 28

 

H6530

Lkw A fährt unter Verstoß gegen das Rotlicht einer Lichtzeichenanlage, das er wegen tiefstehender Sonne nicht erkennt, auf einen Bahnübergang und kollidiert dort mit Straßenbahnzug B.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 7 U 10/96, 09.05.1996

OLGR Köln 1997, 188 (Ls.)

 

H6531

Kfz A wartet an einer auf die Farbfolge gelb/rot beschränkten Rechtsabbieger-Lichtzeichenanlage, die über eine Koppelspule mit einer nur für den Schienenverkehr (Straßenbahn) bestimmten Balken-Signalanlage verbunden ist. Als die Ampel nichts mehr anzeigt, biegt A nach rechts über die Gleise ab und kollidiert mit geradeaus fahrender Straßenbahn. Haftung des Straßenbahnunternehmens B für unklare Ampelschaltung?

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Celle, 14 U 41/99, 16.12.1999

OLGR Celle 2000, 239

 

H6532

Fußgänger A tritt von einer mittig zwischen zwei Gleisspuren befindlichen Straßenbahnhalteinsel plötzlich auf den Gleiskörper, um die Gleise zu überqueren, und wird von herannahender Straßenbahn B erfasst.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG Hamm, 13 U 30/02, 02.10.2002

OLGR Hamm 2003, 63, MDR 2003, 627

 

H6533

Fußgänger A tritt kurz vor herannahender Straßenbahn B auf den Gleiskörper. Straßenbahnführer kann nicht rechtzeitig anhalten (Betriebsgefahr?).

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Köln, 121 C 483/01, 18.03.2002

NJW-RR 2003, 882

 

H6534

Fußgänger A überquert unachtsam Straßenbahngleise und wird von Straßenbahn B erfasst. Fußgängerüberweg war durch Blinklicht, das unabhängig vom Herannahen einer Bahn ständig aufleuchtet, nur unzureichend gesichert.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Köln, 7 U 103/00, 11.01.2001

OLGR Köln 2001, 189, NJW-RR 2002, 1182, VersR 2002, 1424

 

H6535

Pkw A muss wegen unfallbedingter Straßensperrung nach links über Straßenbahngleise abbiegen und kollidiert dabei mit von hinten heranfahrender, bevorrechtigter Straßenbahn B. Straßenbahnführer kann Nachweis, dass er den Unfall nicht hätte vermeiden können, nicht führen.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

KG Berlin, 12 U 8410/99, 09.04.2001

KGR Berlin 2001, 314

 

H6536

Pkw A ordnet sich beim Linksabbiegen verbotswidrig auf den Schienen ein und kollidiert mit entgegen-kommender Straßenbahn B.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 % (Betriebsgefahr)

KG Berlin, 12 U 182/02, 26.01.2004

DAR 2004, 388

 

H6537

Pkw A hält beim Linksabbiegen vorschriftswidrig auf Straßenbahnschienen an. Von hinten herannahende Straßenbahn B fährt auf A auf. B hat zu spät gebremst.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Frankfurt, 1 U 285/94, 09.05.1996

OLGR Frankfurt 1996, 233

 

H6538

Kfz A hält beim Linksabbiegen auf Schienenbereich an. Nachfolgende Straßenbahn B fährt auf A auf. Bremsweg von B war wegen vereister Schienen besonders lang.

Haftungsverteilung: A mind. 1/3, B max. 2/3

OLG Hamm, 6 U 243/93, 18.04.1994

OLGR Hamm 1994, 183

 

H6539

Pkw A wechselt von rechter Fahrspur wegen eines parkenden Kfz auf linke Spur (zugleich Schienenbereich der Straßenbahn), um unmittelbar dahinter nach rechts in ein Grundstück einzufahren. A muss hierbei wegen eines entgegenkommenden Kfz anhalten und ragt noch mit Heck in den Gleisbereich hinein. Straßenbahn B fährt auf A auf.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Düsseldorf, 1 U 280/90, 14.10.1991

OLGR Düsseldorf 1992, 36

 

H6540

Pkw A fährt links an den vor roter Ampel stehenden Fahrzeugen auf dem für Kfz gesperrten Gleiskörper der Straßenbahn vorbei. Noch bevor sich A wieder nach rechts eingeordnet hat, fährt Straßenbahn B auf A auf.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 22.11.2004, 13 U 131/04

NJW-RR 2005, 817, NZV 2005, 414

 

H6541

Straßenbahn A streift einen zu nah am Gleiskörper abgestellten Pkw B und reißt dessen Außenspiegel ab.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG München, 14.05.2004, 343 C 39848/03

Schaden-Praxis 2005, 8

 

H6542

Pkw A kommt beim Linksabbiegen auf Straßenbahngleisen zum Stehen. Straßenbahn B fährt auf A auf. A kann nicht beweisen, dass B noch hätte abbremsen können.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG München I, 23.03.2004, 19 O 17389/03

VRS 107, 93

 

H6543

Pkw A kollidiert, beim Versuch einen beschilderten vorfahrtsberechtigten Gleiskörper zu überqueren, mit Straßenbahn B. Betriebsgefahr von B?

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Kassel, 06.10.2003, 1 S 137/03

VRS 106, 445

 

H6544

Straßenbahn A fährt auf Pkw B auf, der sich zum Linksabbiegen auf den Straßenbahnschienen ein-geordnet hat. B hat vor Einleitung des Abbiegevorgangs gesehen, wie die zuvor von ihm überholte Straßenbahn an der etwa 100 m entfernten Haltestelle abfuhr.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Rostock, 26.04.1995, 1 S 181/94

JURIS online

 

H6545

Kfz A hält beim Linksabbiegen auf den Gleisen vor Straßenbahn B an, so dass diese nicht mehr rechtzeitig anhalten kann. Betriebsgefahr von B?

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Leipzig, 13.05.1993, 2 S 2563/93

NZV 1994, 35, VersR 1994, 1002

 

H6546

Bei ungeklärtem Unfallhergang einer Kollision zwischen Straßenbahn A und Pkw B ist von hälftigem Verschulden auszugehen. Zusätzlich höhere Betriebsgefahr von A?

A 70%, B 30%

LG Köln, 20.01.2010, 20 O 455/07

Schaden-Praxis 2010, 210

 

H6547

Pkw A ragt im Zeitpunkt der Kollision mit Straßenbahn B so weit in die Fahrspur der Straßenbahn hinein, dass diese nicht ungehindert passieren kann. Verschulden des Straßenbahnführers ist nicht erwiesen. Erhöhte Betriebsgefahr der Straßenbahn?

A 50%, B 50%

LG Düsseldorf, 22.10.2009, 19 S 38/09

Schaden-Praxis 2010, 210

 

H6548

Kfz A ragt so weit in die Fahrspur der Straßenbahn B hinein, dass diese nicht ungehindert passieren kann, obwohl der Fahrstreifen des Kraftfahrzeugs nicht so schmal ist, dass es den Gleiskörper mitbenutzen müsste. Straßenbahn B fährt auf Kfz A auf. Unfallgeschehen ist im Übrigen nicht aufklärbar.

A 50%, B 50%

AG Düsseldorf, 12.05.2009, 34 C 15581/08

Schaden-Praxis 2010, 142

 

H6549

Pkw A wendet nach vorherigem Blinken quer über die Straßenbahnschienen. Straßenbahn B fährt in Pkw B, der auf den Schienen anhalten muss, hinein. Betriebsgefahr von B?

A 70%, B 30%

OLG Brandenburg, 26.02.2009, 12 U 145/08

OLGR Brandenburg 2009, 528; MDR 2009, 1038

 

H6550

Auflieger eines vor einer Ampel haltenden Lkw  A, der nicht vollständig an einem Hindernis vorbeifahren konnte, ragt in Schienenbereich von Straßenbahn B hinein, die auf A auffährt.

A 50%, B 50%

OLG Köln, 11.01.2013, I-19 U 113/12

Schaden-Praxis 2013, 424

 

 

Unfälle mit Zügen und Bahnschranken

 

H6560

Kfz A verletzt beim Überqueren eines nur mit Andreaskreuz gesicherten, unübersichtlichen Bahnübergangs seine Pflicht, sich darüber zu vergewissern, ob er den Übergang gefahrlos überqueren kann, und kollidiert mit Zug B.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Coburg, 23.07.1998, 15 C 574/98

NZV 2002, 188

 

H6561

Pkw A wird an Bahnübergang durch sich senkende Halbschranken beschädigt. Fahrer hat durch einen Schneesturm zugedeckte Ampel, das Andreaskreuz und die Schranken nicht rechtzeitig erkannt. Unfall wäre vermeidbar gewesen, wenn Bahn B eine beheizte Ampel eingebaut hätte.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG München, 10 U 1721/98, 17.11.2000

OLGR München 2001, 342

 

H6562

Pkw A missachtet an unbeschranktem Bahnübergang das Warnlicht und kollidiert mit Zug B. Besonderheit: Bahnübergang ist wegen rechtwinkliger Kurve und hohen Büschen schwer einsehbar.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Hamm, 6 U 151/93, 20.12.1993

NZV 1994, 437

 

H6563

Bagger A bleibt im Gleisbereich eines Bahnübergangs wegen einer Panne manövrierunfähig liegen. Die Baggerschaufeln ragen in den Gleisbereich hinein. Kollision mit herannahendem Eilzug B.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Hamm, 32 U 209/94, 19.06.1995

MDR 1995, 1012

 

H6564

Pkw A missachtet Lichtzeichenanlage an Bahnübergang und kollidiert mit Zug B. Die Sicherungsmaßnahmen an dem Bahnübergang sind angesichts der unübersichtlichen Verkehrsführung nicht optimal.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Celle, 14 U 318/01, 24.10.2002

OLGR Celle 2003, 21

 

H6565

Erwachsener Fußgänger A betritt verbotswidrig Bahngleise und wird von Zug (Betreiber B) erfasst, dessen Lokführer nicht sofort ein Warnsignal abgab.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Nürnberg, 4 U 2450/01, 14.11.2001

MDR 2002, 275

 

H6566

Pkw A kollidiert an beampeltem Bahnübergang mit Zug (Betreiber B). A hat wegen Sichtbehinderung durch starken Pflanzenbewuchs die Warnanlage erst 10 m vor dem Übergang erkannt. A wird tödlich verletzt.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

BGH, III ZR 178/92, 18.11.1993 - MDR 1994, 992

 

H6567

Lkw A überfährt einen unbeschrankten, mit Ampel versehenen Bahnübergang und kollidiert mit Zug B. Es ist davon auszugehen, dass A die rote Ampel übersehen hat. Der genaue Unfallhergang bleibt ungeklärt. An dem Bahnübergang ereigneten sich bereits mehrere Unfälle.

Haftungsverteilung: B 1/3, A 2/3 (Zurückverweisung)

OLG Oldenburg, 13 U 1/99, 23.04.1999

NZV 1999, 419

 

H6568

Jugendlicher Fußgänger A überquert trotz Rotlichts im Laufschritt Bahngleise und wird von Zug B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 7 U 151/00, 26.07.2001

NZV 2002, 369, VRS 102, 452, RuS 2002, 413

 

H6569

Landwirtschaftliches Fahrzeug A fährt an ampelgeregeltem Bahnübergang trotz blinkenden Rotlichts auf Gleise und wird von Zug B erfasst. Betriebsgefahr des Zugs?

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Koblenz, 12 U 815/97, 31.01.2000

NZV 2002, 184

 

H6570

11,5 Jahre alter Schüler A drängelt beim Einfahren eines Zuges B neben dem in Gehtempo ausrollenden Zug zu einer bestimmten Tür hin, um möglichst schnell einen der begehrten Sitzplätze „ergattern“ zu können. Er stürzt und wird vom Zug überrollt. Betriebsgefahr von B?

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Rottweil, 06.08.1998, 2 O 448/98

NZV 2002, 185

 

H6571

Lastzug A (Länge fast 22 m) kollidiert auf unbeschranktem Bahnübergang (nur Andreaskreuz) mit 75 km/h fahrendem Zug B.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

OLG Frankfurt/Main, 25 U 64/84, 07.02.1986

VersR 1988, 295

 

H6572

Kfz A bleibt beim Überqueren eines beschrankten Bahnübergangs wegen eines technischen Defekts liegen. Nachfolgendes Kfz B, das nicht ausweichen kann, muss hinter A auf den Gleisen stehen bleiben und wird durch die schließenden Bahnschranken beschädigt.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Limburg, 14.10.2005, 3 S 2/05

DAR 2006, 330

 

H6573

Lkw A muss zwischen den Halbschranken eines Bahnübergangs stehen bleiben, weil ein Minibagger auf der anderen Seite des Bahnübergangs arbeitet und ihm die Weiterfahrt versperrt. A wird von herannahendem Zug B erfasst, dessen Führer trotz sofort eingeleiteter Notbremsung nicht mehr anhalten konnte. A hätte Behinderung durch Bagger vor Auffahren auf die Gleise erkennen und davor anhalten können.

A 100%

OLG Koblenz, 12 U 1556/05, 26.03.2007

OLGR Koblenz 2008, 302

 

 

Unfälle beim Ein- und Aussteigen

 

H6590

Linienbus A fährt an Haltestelle 10-20 cm an die Bordsteinkante heran und erfasst dabei Fußgänger B, der gerade an die Bordsteinkante herantritt. Der genaue Unfallhergang bleibt auch nach Beweisaufnahme durch das Gericht ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 0 %

OLG Saarbrücken, 3 U 131/78, 25.04.1980

VersR 1981, 342

 

H6591

Linienbus A fährt auf Sonderfahrstreifen in 2 m Entfernung an einer Haltestelle vorbei, wo 10-jähriges Kind B aus einer Gruppe Personen heraustritt und vor den Bus läuft.

Haftungsverteilung: A 33 % (nur Betriebsgefahr), B 67 %

OLG Bamberg, 5 U 48/91, 31.03.1992

VersR 1993, 898

 

H6592

Jugendlicher A läuft bei winterlichen Straßenverhältnissen auf einen Linienbus B zu, der gerade mit  12-15 km/h in einen Busbahnhof einfährt. A stürzt und wird vom Hinterrad des Busses überrollt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Schleswig, 9 U 56/89, 17.04.1991

VRS 82, 278

 

H6593

Gelenkbus A fährt von einer Haltestelle an, ohne dass Fahrer auf einen langsam aussteigenden Fahrgast B achtet, der daraufhin stürzt und von den Hinterrädern des Busses überrollt wird.

Haftungsverteilung: A 100 %

Saarländisches OLG, 4 U 192/99-139, 14.03.2000

OLGR Saarbrücken 2000, 452

 

H6594

Ein den an einer Bushaltestelle vorbeiführenden Radweg benutzender Radfahrer A wird von einem dort wartenden Schüler infolge Unachtsamkeit so angestoßen, so dass er zu Fall kommt und von einem gerade wieder anfahrenden Bus B überfahren wird.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Celle, 12.05.2005, 14 U 231/04

OLGR Celle 2005, 390, ZGS 2005, 278, Schaden-Praxis 2005, 265, DAR 2005, 677

 

H6595

Gelenkbus A fährt von Haltestelle an und verletzt dabei Fußgänger B, der dem Bus hinterherläuft, um noch einzusteigen. Busfahrer war bereits auf das Einfädeln in den fließenden Verkehr konzentriert.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Celle, 14.10.2004, 14 U 35/04

OLGR Celle 2005, 5, NdsRpfl 2005, 35

 

H6596

18-jähriger Fußgänger A benutzt im Bereich eines Bahnhofs zur Abkürzung einen über eine längere Zeit entstandenen Trampelpfad über die Gleisanlagen und wird von Zug der Bundesbahn B erfasst. B hat Benutzung des Trampelpfads nicht unterbunden.

Haftungsverteilung: A 85 %, B 15%

OLG Koblenz, 12 U 461/02, 13.01.2003

OLGR-KSZ 2003, 285, VersR 2003, 1449

 

H6597

Fußgänger A überquert nach Aussteigen aus Straßenbahn B den vor der Haltestelle gelegenen Fußgängerüberweg bei Grün. Er wird von anfahrender Straßenbahn erfasst, die infolge einer Fehlschaltung der Ampel losgefahren ist. A hat nicht auf herannahende Bahn geachtet.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Frankfurt, 05.10.2004, 3 U 249/03 - OLGR Frankfurt 2005, 82

 

H6598

Reisender A wird beim Besteigen eines Zuges B durch eine den gesetzlichen Vorschriften entsprechende automatische Tür verletzt. Tür schließt sich 3 Sekunden, nachdem ein Fahrgast die Lichtschranke passiert hat. A ist nicht zügig genug eingestiegen.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Düsseldorf, I-19 U 10/06, 06.09.2006

OLGR Düsseldorf 2007, 339

 

H6599

Radfahrer A fährt auf gekennzeichneten Radweg, der rechts an Haltestelle des Linienverkehrs vorbeiführt und für die Fahrgäste einen für sie reservierten Bereich von bis zu 3 m vorsieht, und kollidiert mit Fahrgast B, der gerade einen haltenden Bus verlassen hat. A ist nicht mit der notwendigen Vorsicht vorbeigefahren.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

KG Berlin, 29 U 18/14, 15.01.2015

RuS 2015, 153; MDR 2015, 331

 

 

 

Unfälle bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel

 

H6610

Älterer Fahrgast A stürzt aus Zug (Betreiber B), als er die Tür des bereits fahrenden Zuges öffnet, um noch auszusteigen. Türsicherungssystem des Zuges funktionierte nicht lückenlos.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 9 U 111/92, 29.01.1993

OLGR Hamm 1993, 199

 

H6611

11-jähriges Kind A wird bei Zugfahrt nach Betätigung des Türgriffs durch den Sog bei einer Tunneldurchfahrt aus dem Zug (Betreiber B) gezogen.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50%

BGH, VI ZR 75/92, 12.01.1993

MDR 1993, 319

 

H6612

Fahrgast A stürzt beim Aussteigen aus einem Bus B, der nach dem Öffnen der Türen mit einem automatischen Bremssystem versehen ist, durch ein angebliches Rucken des Busses. Technischer Defekt scheidet aus. Sturzursache bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: B 0 %

OLG Köln, 19 U 181/00, 06.04.2001

OLGR Köln 2001, 416

 

H6613

In Bus A zusteigender Fahrgast B hat vor Anfahren des Busses noch keinen richtigen Halt gefunden und stürzt.

Haftungsverteilung: B 100 %

AG Remscheid, 28 C 373/00, 15.05.2001

NZV 2002, 185

 

H6614

Fahrgast A stürzt in Linienbus B durch (angeblich) zu abruptes Abbremsen vor Kreuzung.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 13 U 29/98, 27.05.1998

OLGR Hamm 1998, 222

 

H6615

80-jähriger Fahrgast A eines Linienbusses B stürzt beim Anfahren des Busses, weil er sich nach dem Einsteigen nicht sofort einen Sitzplatz gesucht oder sich ausreichend festgehalten hat.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Kassel, 22.11.1993, 3 O 1667/93

RS 87, 171-172, VersR 1995, 111

 

H6616

Busfahrer A bremst beim Anfahren einer Haltestelle (angeblich) abrupt ab, wodurch Fahrgast B stürzt.

Haftungsverteilung: A 0 %

OLG Köln, 19 U 156/98, 19.03.1999

OLGR Köln 1999, 275

 

H6617

Fahrer des Linienbusses A fährt an Haltestelle an, ohne auf die zugestiegene 71-jährige B zu achten, die noch einen Sitzplatz sucht und dabei stürzt. Eine Gehbehinderung der B war für Busfahrer nicht erkennbar.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Oldenburg, 5 U 62/99, 06.07.1999

MDR 1999, 1321, rsR 2001, 118

 

H6618

Fahrgast A stürzt nach Zusteigen in Linienbus B, da dieser (normal) anfährt noch bevor A Halt gefunden hat.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Koblenz, 12 U 895/99, 14.08.2000

VRS 99, 247

 

H6619

Fahrgast A wird beim Einsteigen in Linienbus B durch automatisch schließende Tür verletzt. Der verwendete Sicherungs- und Schließmechanismus an der automatischen Tür entsprach den technischen Vorschriften.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG München, 10 U 4990/99, 07. April 2000

VersR 2002, 332

 

H6620

Fahrgast A stürzt in Linienbus B, dessen Fahrer vor Haltestelle abbremst.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Nürnberg, 4 U 3319/99, 29.03.2000

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6621

Fahrgast A stürzt durch einen Ruck, nachdem Linienbus B an Haltestelle angehalten hat.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Frankfurt, 1 U 75/01, 15.04.2002

OLGR Frankfurt 2002, 315

 

H6622

Fahrgast A stürzt bei automatischem Schließen der Türen des Linienbusses B. Unfallhergang ist ungeklärt. Schließsystem entsprach den gesetzlichen Vorschriften.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 15.01.2004, 22 U 66/03

MDR 2004, 937

 

H6623

Gehbehinderter Fahrgast A, der sich nach dem Einsteigen nicht sogleich auf den nächst erreichbaren Sitzplatz setzt oder sich nicht solange festhält bis ein gefahrloses Platznehmen möglich ist, kommt beim Anfahren des Busses B zu Fall.

Haftungsverteilung: A 100%

LG Düsseldorf, 19.03.1991, 13 O 584/90

NZV 1991, 475, VRS 81, 429, VersR 1992, 844

 

H6624

10-jähriger Junge A fällt nach Schubserei mit anderen Schülern aus einem Schulbus B, bei dem sich durch den Druck der Kinder die hintere Tür geöffnet hatte. Busfahrer war trotz Erkennbarkeit der gefährlichen Situation nicht eingeschritten.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Koblenz, 12 U 1459/04, 29.05.2006

OLGR Koblenz 2006, 870, NZV 2006, 578

 

H6625

In Linienbus A sitzender Fahrgast B fällt infolge einer verkehrsbedingten Vollbremsung des Busfahrers von seinem Sitz und wird verletzt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG München, 24 U 617/05, 02.03.2006

NJW-RR 2006, 97, NJW-Spezial 2006, 450

 

H6626

10-jähriger Junge A fällt nach Schubserei mit anderen Schülern aus einem Schulbus B, bei dem sich durch den Druck der Kinder die hintere Tür geöffnet hatte. Situation war für Busfahrer erkennbar, der aber nicht eingriff.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Koblenz, 12 U 1459/04, 29.05.2006

OLGR Koblenz 2006, 870; NZV 2006, 578

 

H6627

Schüler A muss wegen Überfüllung des Schulbusses B im Gang stehen, weil es keinen freien Sitzplatz gab. A stürzt nach unvermeidbarer Vollbremsung.

Haftungsverteilung: B 0 %

LG Verden, 7 O 167/05, 07.09.2005

IR 2005, 256

 

H6628

87-Jähriger A steigt in Bus B zu und zeigt dem Fahrer beim Zusteigen seinen Schwerbehindertenausweis vor. Eine Gehbehinderung ist jedoch nicht ersichtlich. A stürzt beim Anfahren des Busses, weil er sich nicht gleich hingesetzt oder Halt gesucht hat.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Lübeck, 12.02.2007, 4 O 157/06

NZV 2007, 523

 

H6629

Linienbus A fährt auf vorausfahrenden, seine Geschwindigkeit reduzierenden Pkw B auf, wodurch Businsasse C verletzt wird. Haftung von A und B gegenüber C?

A 100%, B 100% als Gesamtschuldner

OLG Nürnberg, 26.01.2012, 4 U 2222/11

MDR 2012; DAR 2012, 462

 

H6630

Fahrgast A eines Linienbusses B, der es versäumt, den an seinem Sitzplatz auf der hintersten Sitzbank vorhandenen gut sichtbaren Sicherheitsgurt anzulegen wird bei Überfahren eines Bahnübergangs hochgeworfen und erleidet beim Zurückfallen auf den Sitz eine Fraktur eines Lendenwirbelkörpers. Busfahrer ist bei Überqueren des Bahnübergangs zu schnell gefahren.

A 30%, B 70%

OLG Hamm, 14.05.2012, I-6 U 187/11

NJW-Spezial 2012, 425; MDR 2012, 1029

 

H6631

Linienbus A fährt auf einen in eine Grundstückseinfahrt einbiegenden Pkw auf. Dabei wird ein Fahrgast B verletzt, der sich zwischen zwei Haltestellen erhoben hatte, weil er an der nächsten Haltestelle aussteigen wollte.

A 100%

LG Freiburg (Breisgau), 6 O 217/136, 28.04.2014

Schaden-Praxis 2014, 269

 

H6632

Fahrgast A eines Linienbusses B stürzt beim Anfahren des Fahrzeugs aufgrund eines Fahrfehlers. A hat nicht sofort sicheren Halt gesucht.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Frankfurt, 22 U 113/13, 19.02.2015

NJW 2015, 2195

 

H6633

Straßenbahn A muss wegen vor ihm die Schienen kreuzender Fahrzeuge abrupt abbremsen. Älterer Fahrgast B, der sich vor einer Haltestelle bereits in die Nähe des Ausstiegs begeben hat, stürzt und verletzt sich dabei. Es waren ausreichend Haltemöglichkeiten für Fahrgäste vorhanden. Ob B sich angehalten hat, kann nicht geklärt werden.

Haftungsverteilung: B 100%

LG Magdeburg, 11 O 1912/15, 03.05.2016

Schaden-Praxis 2016, 263

 

 

 

 

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VII. Landwirtschafts-, Baustellen-, Müll-, Räum- und Militärfahrzeuge

 

Räum-, Kehr- und Müllfahrzeuge

 

H6640

Eine langsam fahrende Kehrmaschine A (städtisches Sonderfahrzeug) fährt bei Grün an. Noch bevor sie die Vorfahrtsstraße erreicht, wechselt die Ampel auf Rot. A kollidiert dort mit Straßenbahn B.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 % (Hinweis: Das Gericht hat die Betriebsgefahr der Straßenbahn besonders hoch angesetzt. Auch wenn A ein anderes Kraftfahrzeug gewesen wäre, wäre das Gericht wohl zu einer überwiegenden Haftung des A gekommen.)

A 25%, B 75%

OLG Jena, 3 U 1357/97, 10.08.1999

DAR 2000, 65

 

H6641

Kfz A fährt von Fahrbahnrand an und kollidiert mit Müllfahrzeug B, das links hinter ihm gestanden und im selben Moment in gleiche Richtung angefahren ist.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 12 U 149/82, 05.07.1982

VM 1983, 54

 

H6642

Städtische Kehrmaschine A fährt zur Reinigung des Fahrbahnrandes an einer Verkehrsinsel entgegen der Fahrtrichtung, da sich vordere Bürste rechts befindet. Entgegenkommender Pkw B fährt infolge Unachtsamkeit auf A auf.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 13 U 69/95, 19.06.1995

OLGR Hamm 1995, 219

 

H6643

Lkw A fährt mit einem vorgebauten 4,5 m breiten Schneepflug in einen mind. 25 m breiten Trichter ein und rammt dort einen 80 cm vom rechten Fahrbahnrand befindlichen Pkw.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 09.09.2004, 14 U 32/04

OLGR Celle 2004, 523

Schaden-Praxis 2004, 371, NJW-RR 2004, 1673

 

H6644

Aus untergeordneter Straße einbiegender Pkw A kollidiert mit einem schon von weitem gut erkennbar sich nähernden vorfahrtsberechtigten Müllfahrzeug B, das (möglicherweise) die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten hat.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Oranienburg, 09.10.2003, 23 C 240/03

Schaden-Praxis 2004, 41

 

H6645

Kehrmaschine A biegt unter Betätigung des Blinkers, aber unter Verstoß gegen die doppelte Rückschaupflicht nach links in eine Grundstückseinfahrt ein und kollidiert dabei mit Pkw B, der trotz unklarer Verkehrslage überholt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Schleswig, 07.07.2005, 7 U 3/03

OLGR Schleswig 2005, 601

 

H6646

Pkw A und Streufahrzeug B kollidieren, wobei Unfallhergang unklar bleibt.

Haftungsverteilung: A max. 50%, B mind. 50%

OLG Celle, 14.11.2007, 14 U 60/07

OLGR Celle 2008, 8

 

 

Landwirtschaftliche Fahrzeuge

 

H6660

Mähdrescher A biegt in Landstraße ein und kollidiert dort mit einem von hinten herannahenden Motorrad B. Zum Zeitpunkt des Einbiegevorgangs befand sich B in ca. 6 bis 26 Meter Entfernung.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG München, 9 U 9/62, 29.07.1998

NJW-RR 1999, 909

 

H6661

Traktor A biegt mit vollbeladenem Anhänger von einem Feldweg nach links in Landstraße ein und kollidiert mit einem von links kommenden Motorrad B, dessen Fahrer zu spät bremst.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

BGH, VI ZR 285/92, 25.01.1994

DAR 1994, 195

 

H6662

Mähdrescher A fährt bei Dunkelheit ohne ausreichende Beleuchtung nach rechts auf Vorfahrtsstraße ein und kollidiert dort mit zu schnell fahrendem Motorrad B.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 25 %

OLG Düsseldorf, 15 U 83/93, 11.01.1995

NZV 1996, 491

 

H6663

Mähdrescher A fährt mit 2 Anhängern bei Dunkelheit nach links verbotswidrig unter Überqueren der durchgezogenen Mittellinie auf Vorfahrtstraße ein und kollidiert dort mit dem mit 100 km/h herannahenden Pkw B.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Düsseldorf, 14 U 301/92, 10.06.1994

VRS 89, 244

 

H6664

Treckergespann A biegt auf Bundesstraße unter Verletzung der zweiten Rückschaupflicht in einen Feldweg links ab und kollidiert mit gleichzeitig überholendem Pkw B.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Hamm, 9 U 14/92, 09.10.1992

NZV 1993, 396

 

H6665

Ein mit Strohballen schwer beladenes und 17,5 m langes Treckergespann A mit zwei Anhängern, das seitlich aktiv und passiv unbeleuchtet ist, fährt bei Dunkelheit mit Abblendlicht von einem Feldweg auf eine Landstraße ein, obwohl sich in höchstens 270 m Entfernung ein Pkw B nähert, der sodann auf A auffährt.

Haftungsverteilung: A 100 %, B 0 %

OLG Hamm, 27 U 66/96, 11.07.1996

OLGR Hamm 1996, 257

 

H6666

Motorrad A kollidiert auf Landstraße mit entgegenkommendem Traktor mit Heuwender B, der (möglicherweise) nicht ganz rechts gefahren ist. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 40 %, B 60 %

OLG Düsseldorf, 1 U 121/91, 11.05.1992

OLGR Düsseldorf 1993, 165  (Ls.)

 

H6667

Trecker A biegt, ohne auf den rückwärtigen Verkehr zu achten, nach links ab und kollidiert mit links überholendem Motorrad B.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Hamm, 6 U 111/91, 16.01.1992

OLGR Hamm 1992, 234

 

H6668

Auf fahrendem Traktorgespann A geraten Strohballen in Brand. Hierdurch wird Unfall mit Kfz B verursacht. Genauer Unfallhergang bleibt jedoch ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 27 U 44/91, 06.06.1991

OLGR Hamm 1991, 14 (Ls.)

 

H6669

Traktor A will auf Landstraße nach links abbiegen und setzt  linken Blinker. Statt sich in der Straßenmitte einzuordnen, fährt er jedoch vor dem Abbiegen an die rechte Straßenseite und kollidiert sodann mit überholendem Pkw A, der den Blinker übersehen hatte.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

KG Berlin, 12 U 26/01, 09.09.2002

KGR Berlin 2002, 332

 

H6670

Traktor A fährt nach rechts an Fahrbahnrand heran, um sodann in weitem Bogen nach links abzubiegen. Hierbei wird er von Kfz B auf dem durch das Ausscheren nach rechts freigewordenen Fahrbahnteil überholt. A hat links geblinkt aber nicht auf den nachfolgenden B geachtet. A und B kollidieren.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

KG Berlin, 12 U 26/01, 09.09.2002

DAR 2002, 558

 

H6671

Traktor hält an Kreuzung an, wobei die frontseitige Ladegabel ca. 1 Meter in Vorfahrtsstraße hineinragt. Von links kommender Lkw B bleibt daran hängen.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 5 U 149/86, 28.04.1988

VRS 76, 241

 

H6672

Landwirtschaftliche Zugmaschine A überquert eine Landstraße und kollidiert mit bevorrechtigtem Pkw B, der trotz dichten Nebels mit Sichtweite von lediglich 30 m mit 64 km/h fährt.

Haftungsverteilung: A 30 %, B 70 %

OLG Schleswig, 9 U 55/93, 22.06.1994

NZV 1994, 439

 

H6673

Lkw A, dessen Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit um 10 km/h überschreitet und möglicherweise unaufmerksam ist, fährt nachts auf BAB auf ein mit maximal 55 km/h fahrendes landwirtschaftliches Gespann (zulässige Höchstgeschwindigkeit 60 km/h) auf, dessen Fahrer die Gefährlichkeit des vielbefahrenen BAB-Abschnitts kennt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Stuttgart, 11 U 9/01, 02.08.2001

VRS 103, 329

 

H6674

Kfz A fährt bei Dunkelheit auf einen vorausfahrenden Traktor B mit einem unbeleuchteten bzw. nicht mit Rücklichtern versehenen Anhänger auf. A hätte zumindest das beleuchtete Zugfahrzeug erkennen können.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

LG Koblenz, 14 S 152/00, 04.01.2001

Schaden-Praxis 2001, 155

 

H6675

Traktor A mit anmontiertem überbreitem Spritzgerät kollidiert in einer S-Kurve mit entgegenkommendem Pkw B. Der genaue Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Paderborn, 1 S 17/99, 08.04.1999

AgrarR 2000, 170

 

H6676

Wartepflichtiges landwirtschaftliches Gespann A fährt auf Landstraße ein und kollidiert mit bevorrechtigtem Pkw B, der 97 km/h statt erlaubter 70 km/h fährt und dessen Fahrer zudem noch verspätet reagiert hat.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Düsseldorf, 1 U 132/98, 01.03.1999

Schaden-Praxis 1999, 259

 

H6677

Landwirt A lässt Traktoranhänger kurze Zeit unbeaufsichtigt auf öffentlicher Straße stehen. In dieser Zeit wird von einem auf der Straße spielenden, 10-jährigen Kind die Handbremse des Anhängers gelöst, der sich daraufhin in Bewegung setzt und einen nahe gelegenen Zaun beschädigt.

Haftungsverteilung: A 0 % (Kind war nicht mitverklagt)

LG Nürnberg–Fürth, 2 S 4718/94, 13.10.1994

NZV 1995, 284

 

H6678

Traktor A mit angehängter Egge, die beim Abbiegen nach rechts in die Gegenfahrspur ausschwenkt, biegt von Landstraße in Feldweg ab. Gleichzeitig überholender Pkw B kollidiert mit der ausschwenkenden Egge.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Koblenz, 01.09.2003, 12 U 790/02

VRS 105, 418-420

 

H6679

Wartepflichtiger Traktor A fährt auf Landstraße in Kreuzung ein und kollidiert dort mit vorfahrtsberechtigtem Pkw B, den er wegen Nebelschwaden nicht sehen konnte. B ist trotz äußerst geringer Sicht-weite mit 70 km/h in Kreuzung eingefahren.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

OLG Schleswig, 12.08.2004, 7 U 153/03

IVH 2004, 280, OLGR-BHS 2004, 464

 

H6680

Pkw A überholt auf Landstraße trotz starken Regens und Überholverbots ein nach links abbiegendes landwirtschaftliches Gespann. B hat vor Abbiegen angehalten und sich nach hinten umgeblickt. A und B kollidieren im Einmündungsbereich.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Verden, 21.09.2006, 2 C 180/05

NZV 2006, 312

 

H6681

Viehanhängergespann A biegt auf Landstraße nach links in Abzweigung ab und kollidiert mit überholendem Kfz B. A hätte mindestens 3,5 Sekunden bis 4 Sekunden vor der Kollision blinken müssen, damit B  noch rechtzeitig hätte reagieren können. Dies kann A nicht beweisen.

A 100%

OLG München, 10 U 3878/13, 28.02.2014

RuS 2014, 471; Schaden-Praxis 2015, 48

 

 

Baustellenfahrzeuge

 

H6700

Baufirma A stellt eine Planierraupe so ab, dass deren Schild in die Fahrbahn der Straßenbahn hineinragt. Fahrer der Straßenbahngesellschaft B, hat sich nicht vergewissert, ob er das neben den Schienen stehende Baufahrzeug gefahrlos passieren kann.

Haftungsverteilung: A 40 %, B 60 %

OLG Celle, 14 U 111/00, 05.04.2001

OLGR Celle 2001, 249

 

H6701

Bagger A fährt aus einer Einmündung in eine Vorfahrtsstraße ein und kollidiert dort mit Pkw B, dessen Fahrer den drohenden Vorfahrtsverstoß hätte erkennen und anhalten bzw. ausweichen können.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG Köln, 11 U 67/96, 13.11.1996

OLGR Köln 1997, 109

 

H6702

Pkw A fährt auf Landstraße hinter einer Linkskurve auf einen in die gleiche Richtung langsam fahrenden Bagger B auf. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Hamm, 6 U 214/00, 01.03.2001

RuS 2002, 11

 

 

Militärfahrzeuge

 

H6710

Lkw A muss in einer unübersichtlichen, 5,60 m breiten Kurve einem nur durch ein gelbes Blinklicht gesicherten Panzer B ausweichen und wird dadurch beschädigt.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Schleswig, 9 U 176/90, 15.04.1992

NZV 1993, 113

 

H6711

Pkw A kollidiert auf bevorrechtigter Landstraße mit Lkw B, der als letztes Fahrzeug einer deutlich gekennzeichneten Militärkolonne aus einer Seitenstraße kommt und dabei einen Abstand von unter 100 m zum vorausfahrenden Kolonnenfahrzeug hält.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Karlsruhe, 1 U 185/90, 08.11.1990

VersR 1992, 108

 

H6712

Lkw A, der auf der BAB mit 120 statt zulässiger 80 km/h fährt und um 4% überladen ist, fährt nachts auf einen quer zur Fahrbahn liegen gebliebenen Panzer B auf.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Nürnberg, 4 U 1329/92, 26.05.1993

VersR  1994, 1084

 

H6713

Geradeaus fahrender Pkw A kollidiert mit links abbiegendem Bundeswehr-Jeep, der erkennbar innerhalb einer geschlossenen Militärkolonne fährt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Rottweil, 2 O 256/86, 23.04.1986

VersR 1986, 1246

 

H6714

Der Fahrer eines Pkw A fühlt sich durch den in Gegenrichtung auf dem Mittelstreifen einer Autobahn mit eingeschaltetem Blaulicht abgestellten Militär-Jeep irritiert und erleidet einen Unfall.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 12 U 8659/95, 24.04.1997

VersR 1998, 778

 

H6715

Bundeswehrfahrzeug A fährt in ein nicht einsehbares Grundstücksgelände ein und muss wegen eines nicht bemerkten Hindernisses in der Einfahrt so anhalten, dass ein Teil des Fahrzeuges quer zur Fahrbahn steht und diese teilweise versperrt. Entgegenkommender Pkw B kann bei regennasser Fahrbahn nicht mehr bremsen und fährt auf A auf.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Brandenburg, 2 U 175/95, 11.03.1997

OLGR Brandenburg 1997, 385

 

H6716

Pkw A befährt Bundesstraße mit ca. 85 km/h und kollidiert mit einem Militär-Lkw A, der als letztes Fahrzeug einer deutlich gekennzeichneten Militärkolonne aus untergeordneter Nebenstraße von rechts nach links in die Vorfahrtsstraße einbiegt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Karlsruhe, 1 U 185/90, 08.11.1990

NZV 1991, 154

 

H6717

Panzer A bleibt quer zur BAB liegen. Lkw B, der mit 120 statt erlaubter 80 km/h fährt und leicht überladen ist, fährt auf A auf.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

OLG Nürnberg, 4 U 1329/92, 16.05.1993 - VRS 87, 87

 

 

 

 

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VIII. Tierunfälle

 

Pferde

 

H6740

Pkw A fährt auf Landstraße mit 80 km/h mit zu geringem Abstand an einem auf der rechten Fahrbahnseite von dem 15-jährigen B gerittenen Pferd vorbei, das daraufhin scheut und von A angefahren wird. A hätte genügend Platz zum Umfahren des Tiers gehabt.

Haftungsverteilung: A 67 %, B 33 %

OLG Hamm, 27 U 156/93, 16.12.1993

NZV 1994, 190

 

H6741

Pkw A befährt nachts eine Landstraße mit ca. 108 km/h und kollidiert mit einem aus einer nicht ordnungsgemäß gesicherten Weide entlaufenen Pony (Halter B).

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Oldenburg, 12 U 24/90, 05.06.1990

NZV 1990,473

 

H6742

Reiter A benutzt einen Radweg, auf dem sich Radfahrer B nähert. Als sich das Pferd querstellt, stürzt B, wobei unklar ist, ob es tatsächlich zu einer Berührung zwischen B und dem Pferd gekommen ist. Für den herannahenden B war die Unruhe des Pferdes erkennbar.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

OLG Düsseldorf, 22 U 22/91, 22.11.1991

NJW-RR 1992, 475, OLGR Düsseldorf 1992, 122

 

H6743

Pferd des Tierhalters A bricht aus einer nicht durch ein Schloss gesicherten Koppel aus und läuft auf BAB, wo es von Kfz B erfasst wird.

Haftungsverteilung: A 100 %

BGH, VI 246/89, 06.03.1990

MDR 1990, 1099

 

H6744

Pferd des Tierhalters A läuft bei Dunkelheit auf Landstraße, wo es von Kfz B erfasst wird.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 3 U 127/99, 28.03.2000

OLGR Köln 2000, 365

 

H6745

Kleinkraftrad A, das mit überhöhter Geschwindigkeit (46 statt 30 km/h)fährt, kollidiert mit Pferd von einer nicht hinreichend gesicherten Koppel eines nahe gelegenen Bauernhofs des Pferdehalters B.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Köln, 7 U 64/00, 16.11.2000

OLGR Köln 2001, 376

 

H6746

Lkw A fährt auf Bundesstraße ein berittenes Pferd an. Weder A noch Reiter B trifft ein Verschulden.

Haftungsverteilung: A 30 %, B 70 %

OLG Celle, 14 U 94/02, 19.12.2002

OLGR Celle 2003, 103, MDR 2003, 685

 

H6747

Halter A führt Pferd an Halfter entlang eines Bahngleises. Das Pferd reißt sich wegen der Zuggeräusche los und wird von Zug B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Darmstadt, 21 S 248/00, 25.04.2001 - NZV 2002, 316

 

H6748

Radfahrer A fährt auf für öffentlichen Verkehr gesperrtem Waldweg. Entgegenkommendes Pferd scheut und wirft Reiter B ab, der sich dabei verletzt.

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG Nürnberg, 3 U 2431/98, 01.12.1998

ZAP 1999, 390

 

H6749

Aus Bauernhof A entweichen unter ungeklärten Umständen zwei Ponys und laufen auf nahe gelegene Straße. Herannahender Pkw muss deshalb Vollbremsung einleiten. Dahinter fahrender Pkw B fährt auf vorausfahrenden auf (Haftungsverteilung zwischen A und B).

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Hamm, 6 U 139/01, 25.02.2002

NJW-RR 2003, 524, OLGR Hamm 2003, 131

 

H6750

Kfz A kollidiert mit aus einem nahe gelegenen Gehöft B ausgebrochenen Pferd, das von einem unbefugten Dritten aus dem Stall gelassen wurde.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Nürnberg, 9 U 3987/03, 06.04.2004

OLGR Nürnberg 2004, 226, MDR 2004, 996

 

H6751

Pferd läuft von nicht ausreichend gesichertem Hof des A innerorts auf Straße und wird von Pkw B erfasst, dessen alkoholisierter Fahrer trotz Warnschilder unaufmerksam und mit 70 km/h fährt.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

OLG Celle, 14 U 259/03, 13.05.2004

DAR 2004, 7011256

 

H6752

Pony bricht aus unzureichend gesicherter Weide des A aus und wird auf nahe gelegener Straße von Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Schleswig, 17.02.2005, 7 U 168/03

OLGR Schleswig 2005, 717

 

H6753

Vier Pferde entweichen nachts von einer Koppel des A und laufen auf eine nahe liegende Landstraße, wo sie von einem Pkw B erfasst und getötet werden. Der Halter verlangte von dem Autofahrer Ersatz eines Teils des durch die Tötung der Tiere entstandenen Schadens. B fuhr mit 70 bis 90 km/h.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 13.01.2005, 14 U 64/03

OLGR Celle 2005, 88, DAR 2005, 623

 

H6754

Pferde des Hofbetreibers A brechen nachts trotz eines funktionierenden Elektrozauns aus gesicherter Koppel aus und werden auf der nahe gelegenen Landstraße von Kfz B erfasst. Alkoholisierungsgrad des B war wegen dessen Unfallflucht nicht feststellbar.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

AG Cham, 17.11.1992, C 200/91

Schaden-Praxis 1993, 307

 

H6755

Traktor A fährt mit zu geringem Seitenabstand von 0,50 Metern an einem Reiter B vorbei. Das unruhig werdende Pferd kollidiert mit A.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

AG Oldenburg, 07.03.1991, 9 C 17/89

Schaden-Praxis 1992, 234

 

H6756

Pkw A, der mit 80 km/h eine Landstraße befährt, kollidiert mit Pony, das von Koppel des Viehhändlers B ausgebrochen und auf Straße gelaufen ist. Die Stacheldrahteinzäunung der Koppel war zu niedrig und unzureichend.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Schleswig, 17.02.2005, 7 U 168/03

OLGR Schleswig 2005, 717

 

H6757

Motorradfahrer A kollidiert mit mindestens zwei von drei aus einer Pferdekoppel einer Pferdepension ausgebrochenen und auf eine Landstraße gelaufenen Pferde. Welches der Pferde der Halter B, C und D den Sturz des A verursacht hat, bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: B, C und D 100 % als Gesamtschuldner

OLG Saarbrücken, 17.01.2006, 4 U 615/04-55/05

OLGR Saarbrücken 2006, 288

 

H6758

Motorradfahrer A verunfallt wegen aus Koppel ausgebrochener und auf Landstraße laufender Pferde der Halter B und C. Es bleibt unklar, mit welchem der Tiere A kollidiert ist. Urteil befasst sich mit gesamtschuldnerischer Haftung von B und C.

Haftungsverteilung: A 0 %, B 100 %, C 100 % als Gesamtschuldner

OLG Saarbrücken, 17.01.2006, 4 U 615/04-55/05

OLGR Saarbrücken 2006, 288

 

H6759

A führt auf Landstraße mit Halfter und Führkette links und rechts jeweils ein Pferd. Der in Gegenrichtung in einer unübersichtlichen Linkskurve mit überhöhter Geschwindigkeit heranfahrende Bus A berührt mit linker Fahrzeugseite das links geführte Pferd.

A 30%, B 70%

LG Koblenz, 5 O 419/11, 03.02.2014

Schaden-Praxis 2014, 225

 

 

H6760

Pferd scheut aufgrund eines in 10 bis 15 m Entfernung fahrenden Pkws A und verletzt dabei die neben dem Pferd stehende Reiterin B durch einen Huftritt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50%

OLG Celle, 14 U 128/13, 20.01.2016

Schaden-Praxis 2016, 292

 

 

Großvieh

 

H6770

Bauer A treibt sein Vieh bei Dunkelheit quer über eine Landstraße. Zur Absicherung stellt er sein Kfz mit eingeschaltetem Licht und Warnblinkanlage ab. Ein in entgegengesetzter Richtung herannahender Pkw erfasst eine auf der Fahrbahn befindliche Kuh.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

OLG Koblenz, 12 U 908/87, 01.02.1988

zfs 1988, 200

 

H6771

Pkw A befährt unter Überschreitung der Sichtgeschwindigkeit nachts eine Landstraße und kollidiert mit einer aus einer nicht täglich kontrollierten Weide entlaufenen Kuh (Halter B).

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG Köln, 12 U 187/90, 10.06.1991

NZV 1991, 471

 

H6772

Schäfer A lässt bei Dämmerung seine Herde eine Straße überqueren. Der zu diesem Zeitpunkt noch 120 m entfernte Pkw B fährt in die Herde.

Haftungsverteilung: B 100 %

LG Nürnberg-Fürth, 2 S 10225/93, 16.03.1994

NZV 1994, 282

 

H6773

Pkw A, dessen Fahrer nicht auf Sicht gefahren ist, kollidiert mit auf der Landstraße laufenden Kühen, die aus ungeklärten Gründen aus der Weide des Bauern B ausgebrochen sind.

Haftungsverteilung: A 33 %, B 67 %

OLG München, 10 U 4135/98, 23.04.1999

OLGR München 1999, 217

 

H6774

Durch den Lärm eines von Kfz A verschuldeten Verkehrsunfalls erschrecken sich mehrere Tiere einer nahe gelegenen Schweinezucht B derart, dass sie in Panik geraten und verenden. Die Überreaktion ist (auch) auf nicht artgerechte Haltung der Schweine zurückzuführen.

Haftungsverteilung: B 100 %

BGH, VI ZR 6/91, 02.07.1991

MDR 1991, 1040

 

H6775

Rind bricht von einer durch einen Elektrozaun des Bauern A gesicherten Weide aus und wird nachts auf BAB von Kfz B erfasst. Funktionsfähigkeit des Elektrozauns wurde von A nicht täglich kontrolliert.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

OLG Hamm, 9 U 24/88, 16.12.1988

MDR 1989, 639

 

H6776

Kfz A kollidiert bei Dunkelheit mit Rind, das von Koppel des nahegelegenen Bauernhofs B ausgebrochen ist. A hat gegen Sichtfahrgebot verstoßen.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3

AG Coesfeld, 4 C 222/02, 16.07.2002

NZV 2002, 465

 

H6777

Pkw A prallt auf Landstraße gegen auf der Fahrbahn laufende Rinder, die aus nahe gelegenem Bauernhof des B ausgebrochen sind. A hätte bei Beachtung eines in 100 m Entfernung in entgegen-gesetzter Richtung stehenden und Lichtzeichen gebenden Lkws den Aufprall möglicherweise verhindern können.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

LG Neuruppin, 3 O 151/98, 08.07.1999 - Schaden-Praxis 1999, 335

 

H6778

Bauer A führt Rind bei schneeglattem Boden über den Hof, wobei das Tier mehrfach stürzt, daraufhin ausbricht und auf nahe gelegene Autobahn läuft. Dort wird es von Pkw B erfasst, der max. 130 km/h gefahren ist.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Oldenburg, 5 U 71/89, 09.01.1990

NZV 1991, 115

 

H6779

Pkw A beschleunigt nachts mit eingeschaltetem Abblendlicht auf Landstraße unmittelbar nach 70km/h Beschränkung auf ca. 80 km/h und erfasst drei wechselnde Wildschweine. Er kommt hierdurch auf Gegenfahrbahn und kollidiert mit entgegenkommendem Kfz B.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 14 U 214/03, 29.04.2004

DAR 2004, 525

 

H6780

Kfz kollidiert mit Rindern, die aus nahe gelegener Weide des Bauern A, deren Zaun an der Ausbruchstelle weniger als 1 m hoch gewesen ist, ausgebrochen sind. Beifahrer B wird tödlich verletzt.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Hamm, 27 U 83/96, 12.11.1996 - OLGR Hamm 1997, 108

 

H6781

Aus von nahe gelegener Weide des A ausgebrochene Rinder werden von Polizisten auf Nebenstraße getrieben, wo Pkw B in die Tiere hineinfährt.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Düsseldorf, 22 U 170/93, 18.02.1994

OLGR Düsseldorf 1994, 302

 

H6782

Pkw A kollidiert nachts mit Kuh, die aus unzureichend eingezäunter Weide des Bauern B ausgebrochen ist.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75 %

OLG Köln, 13 U 114/92, 02.12.1992

OLGR Köln 1993, 100

 

H6783

Kuh des von A betriebenen Bauernhofs bricht aus umzäunter Weide aus und kollidiert auf nahe gelegener Straße mit Kfz B. Wie das Tier ausbrechen konnte, bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 27.09.2005, 9 W 45/05

NJW-RR 2006, 36, NZV 2006, 155

 

H6784

Pkw A kollidiert nachts mit 80 km/h auf durch Wald führender Landstraße (Warnschild Wildwechsel, Geschwindigkeitsbeschränkung 70 km/h) mit Gruppe von Wildschweinen (Waldeigentümer B).

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Celle, 29.04.2004, 14 U 214/03 - MDR 2004, 1352

 

H6785

Rinder brechen aus nicht geklärten Umständen aus Stall des Bauern A aus und laufen auf nahe gelegene Autobahn, wo sie von Kfz B, das trotz schlechter Sicht mit 80 km/h fährt, erfasst werden. B konnte wegen eines auf gleicher Höhe fahrenden Busses nicht ausweichen.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

OLG Brandenburg, 25.03.1997, 2 U 66/96;

OLGR Brandenburg 1998, 3

 

H6786

Kuh des Bauern A läuft auf nahe gelegene Landstraße und kollidiert mit Kfz B. Es bleibt ungeklärt, wie das Tier aus dem mindestens 130 cm hohen, vierfachen Stacheldraht ausbrechen konnte.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 27.09.2005, 9 W 45/05 - NZV 2006, 155

 

H6787

Pkw A kollidiert auf BAB mit aus Gehege ausgebrochenen Wildschweinen des Jagdpächters B. A hätte Gefahrensituation wegen der am Seitenstreifen von den Jagdhelfern mit Warnblinkanlage abgestellten Fahrzeuge erkennen und den Unfall durch Geschwindigkeitsreduzierung vermeiden können.

Haftungsverteilung: A 65 %, B 35 %

OLG Stuttgart, 3 U 16/06, 29.11.2006

ZR online

 

H6788

Pkw A, dessen Fahrer nachts bei dichtem Nebel (Sichtweite 50 bis 100 m) mit angepasster Geschwindigkeit fährt, kollidiert auf Landstraße mit Rind, das aus nahegelegenem Bauernhof des B ausgebrochen ist.

B 100%

LG Lüneburg, 14.02.2008, 5 O 74/07

Schaden-Praxis 2008, 285

 

H6789

Kfz A kollidiert nachts auf unbeleuchteter Landstraße mit mehreren Kühen, die aus einer umzäunten Weide des Bauern B ausgebrochen sind.

A 25%, B 75%

OLG Karlsruhe, 19.03.2009, 4 U 166/07

MDR 2009, 1162-1163; NJW-RR 2009, 1681

 

H6790

Kfz A kollidiert nachts auf BAB mit Wildtier, das auf Fahrbahn liegen bleibt und von A nicht beseitigt wird. Nachfolgendes Kfz B, dessen Fahrer gegen das Sichtfahrgebot verstoßen hat, fährt auf das Tier auf.

A 30%, B 70%

LG Lübeck, 6 O 22/13, 22.11.2013

Schaden-Praxis 2014, 188

 

 

Kleintiere

 

H6800

Pkw A fährt innerorts mit 100 km/h (erlaubt 50 km/h). Er weicht wegen eines die Fahrbahn überquerenden Hundes aus und prallt gegen die Leitplanke. Hundehalter B hätte verhindern können, dass der Hund über die Straße läuft.

Haftungsverteilung: A 80 %, B 20 %

OLG Hamm, 6 U202/99, 10.01.2000

DAR 2000, 406

 

H6801

Hund (Halter A) läuft plötzlich auf die Fahrbahn. Motorradfahrer B, der sich auf regennassem Kopfsteinpflaster mit 25-30 km/h (statt erlaubter 10km/h) nähert, kommt beim Abbremsen zu Sturz.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

KG Berlin, 22 U 1045/92, 11.03.1993

VM 1993, 94

 

H6802

Hund (Halter A) läuft auf Hotelparkplatz frei herum und überquert eine nahe gelegene Straße. Er wird dabei von einem mit 50 km/h fahrenden Pkw B erfasst.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

LG Aurich, 1 S 476/92, 12.03.1993

VersR 1994, 871

 

H6803

Radfahrer A stürzt, als sein am Lenker festgebundener Hund auf einen anderen, ihm sich seitlich nähernden unangeleinten Hund des Halters B zulaufen will.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 9 U 185/00, 13.08.2002

DAR 2003, 523

 

H6804

Pkw A gerät auf Autobahnzubringer ins Schleudern und verunfallt. Er behauptet, ihm sei der Hund des B in den Wagen gelaufen, worauf er die Lenkung verrissen habe. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt. An der Front des Pkws finden sich Haare des Hundes.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 6 U 42/94, 08.12.1994

OLGR Hamm 1995, 54

 

H6805

Etwa 40 kg schwerer Hund läuft unbeaufsichtigt durch seinen Halter A plötzlich und unvermittelt auf die Straße und stößt dort mit Pkw B zusammen.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

AG Gütersloh, 10.06.1998, 4 C 108/97

ZfS 1998, 411

 

H6806

Katze, die dem A zugelaufen ist, läuft auf die Straße und wird von Kfz B erfasst, das dabei beschädigt wird.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

LG Paderborn, 27.04.1995, 5 S 35/95

NJW-RR 1996, 154, SchAZtg 1998, 40

 

H6807

11,5-jähriges Kind A lässt großen Hund auf freiem Gelände in der Nähe einer bekannt stark befahrenen Straße frei laufen. Hund läuft auf Straße und verursacht Unfall mit Kfz B.

Haftungsverteilung: A 100%

LG Köln, 25.06.1992, 34 S 256/91

Schaden-Praxis 1993, 38

 

H6808

Perserkatze (Hauskatze) entwischt infolge Unaufmerksamkeit des Halters A und läuft auf Straße, wodurch Kfz B nach Brems- und Ausweichmanöver verunfallt.

Haftungsverteilung: A 100 %

AG Castrop-Rauxel, 06.12.1990, 4 C 274/90

ZfS 1991, 186

 

H6809

A geht an Durchgangsstraße mit unangeleintem Hund spazieren, der unvermittelt auf Fahrbahn läuft und mit Pkw B kollidiert. B kann nicht beweisen, dass Zusammenstoß für ihn auch bei äußerst vorsichtiger Fahrweise unausweichlich gewesen wäre.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25 %

LG Nürnberg-Fürth, 13.07.1995, 2 S 2256/95

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6810

Pkw A überfährt in Tempo-30-Zone eines Wohngebietes Katze des B. Dieser verlangt von A Ersatz der Tierarztkosten.

Haftungsverteilung: A 0 %

AG München, 331 C 7937/05, 06.06.2005

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

 

H6811

13-Jährige führte Hund eines Bekannten A auf einem Radweg entlang der Bundesstraße aus. Der Hund reißt sich los und läuft auf die Fahrbahn. Um dem Hund und dem nachlaufenden Mädchen auszuweichen, kollidierte Pkw B, dem keine Fehlreaktion anzulasten ist, mit anderem Kfz.

Haftungsverteilung:  A 100%

LG Coburg, 28.09.2007, 22 O 283/07

(Keine Urteilsgründe)

(Keine Fundstelle)

 

H6812

Freilaufender großer Hund des A läuft vor dem Grundstück bellend auf einen Radfahrer zu. Obwohl Hund wenige Meter vor Radler B zwar abstoppt, stürzt dieser gleichwohl vor Schreck und verletzt sich.

Haftungsverteilung:  A 100%

OLG Brandenburg, 17.01.2008, 12 U 94/07

VRR 2008, 82

 

H6813

Einhändig fahrender Fahrradfahrer A, der 2 Hunde an Leinen mit sich führt, muss wegen eines vor ihm freilaufenden Hundes des B bremsen und stürzt dabei.

Haftungsverteilung: A 75 %, B 25%

LG Münster, 1 S 56/15, 01 S 56/15, 16.12.2015

Schaden-Praxis 2016, 370

 

H6814

Radfahrer A passiert auf für Radfahrer freigegebenem Weg langsam einen trotz behördlichen Leinenzwangs freilaufenden Hund des B. A stürzt unmittelbar nach Begegnung mit dem Hund und verletzt sich. Genauer Unfallhergang bleibt ungeklärt.

Haftungsverteilung: B 100%

LG Tübingen, 5 O 218/14, 12.05.2015

NZV 2015, 599

 

 

Tierunfälle außerhalb Verkehrsbetrieb

 

H6820

Ein Brautauto A mit angehängten Blechbüchsen fährt zusammen mit anderen Pkws hupend über eine Landstraße. Wegen des Lärms gerät ein Pferd (Halter B) in einer nahe gelegenen Koppel in Panik und erleidet tödliche Verletzungen.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Köln, 21 O 267/95, 18.07.1997

MDR 1997, 935

 

H6821

Pkw A fährt an Stallungen eines Hühnerzuchtbetriebes B heran. Durch das Motorengeräusch und das Öffnen bzw. Schließen der Fahrzeugtür geraten zahlreiche Hennen im Inneren des Stalls in Panik und verenden.

Haftungsverteilung: A 0 %

OLG Hamm, 13 U 121/96, 11.12.1996

OLGR Hamm 1997, 74

 

H6822

Ein auf der Trabrennbahn in Panik geratenes Rennpferd des Halters A verletzt sich an einem an der Rennbahn verkehrswidrig abgestellten Kfz B.

Haftungsverteilung: B 100 %

BGH, VI ZR 107/94, 25.10.1994

MDR 1995, 42

 

H6823

Ein Trabrennpferd wird von einem in der Nähe einer Trabrennbahn auf einem Wiesenweg außerhalb des öffentlichen Verkehrs abgestellten Kfz A durch einen Lichtreflex so geblendet, dass es scheut und der Fahrer vom Sulky fällt und sich schwer verletzt.

Haftungsverteilung: A 0 %

LG Oldenburg, 14.1.1991, 7 O 3153/90

ZfS 1991, 367

 

 

 

 

 

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IX. Skater, Rollstuhlfahrer

 

Inline-Skater

 

H6830

Pkw A biegt nach links in eine Nebenstraße ab und erfasst dabei den Inline-Skater B, der auf dem Gehweg entgegenkommend gerade die Seitenstraße überquert.

Haftungsverteilung: A 85 %, B 15 %

OLG Karlsruhe, 10 U 60/98, 24.07.1998

MDR 1999, 94

 

H6831

Inline-Skater A fährt auf 5 m breiten Straße ohne Geh- und Radweg auf der aus seiner Sicht linken Fahrbahnseite eine langgezogene Linkskurve und kollidiert dabei mit entgegenkommendem Kradfahrer B, der mit ca. 37 km/h gefahren ist. A fuhr wegen Fahrbahnschäden nicht am äußersten Fahrbahnrand.

Haftungsverteilung: A 60 %, B 40 %

OLG Oldenburg, 9 U 71/99, 15.08.2000

DAR 2000, 528, IPuR 2001, 43

 

H6832

16-jähriger Inlineskater A fährt achtlos hinter Lieferwagen auf Straße und wird dort von herannahendem Pkw B erfasst, dessen Fahrer nicht mehr rechtzeitig abbremsen kann (Betriebsgefahr des B?).

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Bielefeld, 20 S 7/04, 27.04.2004

NJW 2004, 2245

 

H6833

16-jähriger Inlineskater A fährt verdeckt durch einen Kastenwagen mit erheblicher Geschwindigkeit auf Gegenfahrbahn und wird dort von Pkw B erfasst, dessen Fahrer sich verkehrsgerecht verhalten hat und nicht mehr rechtzeitig abbremsen konnte.

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Bielefeld, 20 S 7/04, 27.04.2004

NJW 2004, 2245

 

H6834

16-jähriger Inline-Skater A fährt unachtsam auf die Fahrbahn und wird von Pkw B erfasst. B trifft kein Verschulden. Betriebsgefahr des B?

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Bielefeld, 27.04.2004, 20 S 7/04

NJW 2004, 2245, NZV 2004, 465

 

H6835

Inline-Skater A stürzt über einen von Anlieger B über die Straße verlegten farbigen Gartenschlauch von wenigen Zentimetern Durchmesser.

Haftungsverteilung: A 100%

OLG Koblenz, 15.01.2008, 5 W 15/08

ADAJUR Dok.Nr. 78412

 

H6836

Inlineskater A befährt eine circa 4 Meter breite Landstraße in einer schlecht einsehbaren, lang gezogenen Linkskurve inmitten der Gegenfahrbahn und wird von entgegenkommendem Pkw B erfasst, dessen Fahrer zwar noch nach rechts ausweichen, aber einen Zusammenstoß nicht mehr verhindern kann.

A 75%, B 25% (Betriebsgefahr)

OLG Hamm, I-9 U 1/13, 18.06.2013

RuS 2014, 44

 

 

 

Sonstige

 

H6840

Pkw A fährt auf Kleinstauto B (bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h, sog. „Krankenfahrstuhl“) auf. Betriebsgefahr des B?

Haftungsverteilung: A 100 %

LG Koblenz, 19.07.2004, 5 O 646/03

SVR 2004, 392

 

H6841

Wartepflichtiger Fahrer eines motorisierten Rollstuhls A fährt auf Vorfahrtsstraße ein und kollidiert mit Pkw B, der trotz Sonnenblendung „auf gut Glück“ weiterfährt und seine besonderen Sorgfaltspflichten gegenüber einer erkennbar hilfsbedürftigen (und zudem hochbetagten) Person verletzt.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

LG Gera, 12.02.2003, 4 O 1342/01

Schaden-Praxis 2003, 160

 

H6841

Skiroller-Fahrer A stürzt auf kombiniertem Geh- und Fahrradweg der Gemeinde B wegen eines dort liegenden Steins, der trotz kurz vorher erfolgter Reinigung mit einer Kehrmaschine auf dem Weg lag.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Braunschweig, 19.05.2005, 3 U 192/04

NZV 2005, 581

 

 

 

 

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X. Beifahrer, Sicherheitsgurt

 

Fahren mit ersichtlich alkoholisiertem Fahrer

 

H6850

A fährt mit 1,14 Promille mit dem Auto. Beifahrer B weiß, dass A angetrunken ist. B wird bei einem von A verschuldeten Unfall verletzt.

Haftungsverteilung hinsichtlich des Schadens von B: A 2/3, B 1/3

OLG Oldenburg, 8 U 210/96, 26.06.1997

DAR 1998, 277

 

H6851

Der erkennbar alkoholisierte A nimmt den B in seinem Pkw mit und verursacht schuldhaft einen Unfall, bei dem der nicht angeschnallte B verletzt wird. Mitverschulden des B an den eigenen Verletzungen?

Haftungsverteilung: A 70 %, B 30 %

OLG Hamm, U 60/95, 21.06.1995

DAR 1996, 24

 

H6852

Pkw-Fahrer A verursacht schuldhaft einen Unfall, bei dem Beifahrer B verletzt wird. B will nicht erkannt haben, dass A mit 1,43 Promille alkoholisiert und übermüdet war.

Haftungsverteilung: A 100 %

KG Berlin, 12 U 291/88, 03.10.1988

DAR 1989, 305

 

 

H6853

Pkw-Fahrer A kommt wegen alkoholbedingtem (1,49 Promille) Fahrfehler von Fahrbahn ab. Beifahrer B, dem die Alkoholisierung des A bekannt war oder bekannt gewesen sein müsste, wird bei Unfall verletzt.

Haftungsverteilung: A 2/3, B 1/3

OLG Koblenz, 09.01.2006, 12 U 958/04

OLGR Koblenz 2006, 530

 

H6854

H6854

A setzt sich zu dem nach erheblichem gemeinsamen Bierkonsum mit 1,54 Promille ersichtlich angetrunkenen Fahrer B ins Auto und wird durch alkoholbedingten Unfall verletzt.

 

Haftungsverteilung: A 25%, B 75%

KG Berlin, 12 U 261/04, 12.01.2006

DAR 2006, 506

 

H6855

Beifahrer A fährt bei Fahrer B mit, obwohl dieser erkennbar alkoholisiert (mindestens 1,79 Promille) ist. A wird bei von B verursachtem Unfall schwer verletzt.

A 25%, B 75% (hinsichtlich Schadensersatzansprüchen des A)

OLG Frankfurt, 19 U 242/05, 18.08.2006

NZV 2007, 525

 

H6856

Beifahrer A steigt bei B ins Auto, obwohl dieser ersichtlich angetrunken ist. A, der selbst angetrunken ist, wird bei von B verschuldetem Unfall verletzt.

Haftungsverteilung: A 25 %, B 75%

AG Langen (Hessen), 55 C 166/13 (11), 28.09.2015

Schaden-Praxis 2017, 482

 

 

Fahrer/Beifahrer nicht angeschnallt

 

H6860

Beifahrer A fährt unangeschnallt  in einem nur mit zwei Sitzen ausgestatteten Sportwagen des B. B verschuldet einen Unfall. Der nicht angeschnallte A wird aus dem Fahrzeug geschleudert und verletzt.

Haftungsverteilung: A 20 %, B 80 %

OLG Karlsruhe, 10 U 55/99, 09.07.1999

DAR 1999, 455

 

H6861

Pkw A und Pkw B kollidieren, wobei A das alleinige Verschulden an dem Unfall trifft. Der nicht angeschnallte B erleidet schwere Verletzungen. A kann nicht beweisen, dass B bei Anlegen des Sicherheitsgurtes minderschwere Verletzungen erlitten hätte.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Karlsruhe, 1 U 347/88, 23.08.1989

DAR 1990, 342

 

H6862

Pkw A verunfallt auf BAB wegen eines geplatzten Reifens. Unangeschnallter Beifahrer B wird schwer verletzt. A hat den Reifendruck vor Antritt der 30 km langen Fahrt, aber nicht noch einmal bei einer Fahrtunterbrechung überprüft.

Haftungsverteilung: A 0 %

OLG Stuttgart, 7 U 128/00, 12.10.2000

OLGR Stuttgart 2001, 5

 

H6863

Pkw-Fahrer A verursacht schuldhaft einen Unfall, bei dem Beifahrer B verletzt wird. Ob B erkannt hat, dass A erheblich alkoholisiert war, ist nicht zu beweisen.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Hamm, 6 U 294/91, 19.03.1992

OLGR Hamm 1992, 378

 

H6864

Beifahrer A fährt nach Feier mit Kraftfahrer B, obwohl er weiß, dass B mit 1,87 Promille alkoholisiert ist. B verursacht schuldhaft einen Unfall, bei dem A verletzt wird.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Celle, 10.02.2005, 14 U 132/04

OLGR Celle 2005, 157

 

H6865

Pkw A, dessen Fahrer nicht angeschnallt ist, kollidiert frontal mit entgegenkommendem überholendem Pkw B. Alleinschuldiger B kann nicht bewiesen, dass bei Fahrer A dieselben Verletzungen bei Anlegen des Sicherheitsgurts nicht eingetreten wären.

B 100%

OLG Naumburg, 27.02.2008, 6 U 71/07

OLGR Naumburg 2008, 537; MDR 2008, 1031

 

H6866

Pkw-Fahrer A beugt sich bei einer Geschwindigkeit von etwa 60-70 km/h zu seiner Beifahrerin B hinüber, um diese zu küssen, und gerät dabei auf die Gegenfahrbahn, wo er frontal mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammenstößt. B war nicht angeschnallt und erlitt Verletzungen, die mit Gurt nicht (in dieser Schwere) eingetreten wären.

A 100 %

LG Saarbrücken, 15.02.2012, 5 O 17/11

NJW 2012, 1456; NZV 2012, 543

 

H6867

Nicht angeschnallter Pkw-Insasse A erleidet bei von B alleine verschuldetem Unfall eine starke Knieverletzung und eine Oberschenkelfraktur. Beide Verletzungen wären bei Anlegen des Sicherheitsgurtes vermeidbar gewesen.

Haftungsverteilung: A 1/3, B 2/3 (Schmerzensgeld)

OLG München, 07.06.2013, 10 U 1931/12

Schaden-Praxis 2013, 399; RuS 2014, 100

 

 

Radfahrer ohne Schutzhelm

 

H6880

Hobby-Rennradfahrer A, der mit unangepasster Geschwindigkeit ohne Schutzhelm eine öffentliche Straße befährt und angesichts eines nach einer unübersichtlichen Kurve entgegenkommenden Traktors B eine Vollbremsung einleitet, stürzt und zieht sich dabei schwere Kopfverletzungen zu.

A 100%

OLG Düsseldorf, I-1 U 182/06, 12.02.2007

DAR 2007, 458; NJW 2007, 3075

 

H6881

Radfahrer A (kein sportlicher Rennradfahrer) erleidet bei einem von Kfz B verursachten Verkehrsunfall Kopfverletzungen, die durch das Tragen eines Schutzhelms zwar nicht verhindert, wohl aber hätten gemildert werden können. Unfall ereignete sich vor 2011. Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelms?

B 100%

BGH, VI ZR 281/13, 17.06.2014

VersR 2014, 974; NJW 2014, 2493

 

H6882

Radfahrer A erleidet bei unverschuldetem Unfall mit Kfz B unfallbedingte Kopfverletzungen, die ein Fahrradhelm verhindert oder gemindert hätte. A war mit normaler Geschwindigkeit (kein sportlicher Rennradfahrer) unterwegs. Mitverschulden wegen Nichttragens eines Fahrradhelms?

B 100%

OLG Celle, 14 U 113/13, 12.02.2014

DAR 2014, 199

 

 

Sonstige

 

H6890

Pkw A fährt mit 200 km/h auf der Autobahn. Er prallt auf einen, in vorwerfbarer Weise plötzlich die Spur wechselnden Lkw B. Dabei wird die Beifahrerin und Ehefrau des A erheblich verletzt. Hinweis: Bei dem Urteil geht es um die Frage, ob die Haftung des B gegenüber der Beifahrerin wegen der erheblichen Überschreitung der Richtgeschwindigkeit durch A beschränkt ist.

Haftungsverteilung: B 100 %

OLG Hamm, 6 U 24/99, 20.05.1999

DAR 1999, 545

 

H6891

Pkw-Fahrer A verursacht infolge erhöhter Geschwindigkeit einen Unfall, bei dem sein Beifahrer schwer verletzt wird. A behauptet, B sei nicht angeschnallt gewesen und habe seine Verletzungen so teilweise selbst verschuldet.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 19 U 158/00, 01.06.2001

OLGR Köln 2002, 169

 

H6892

A verursacht mit seinem Pkw fahrlässig einen Unfall, bei dem Beifahrer B schwerverletzt wird. Dem B war bekannt, dass die Fahrerlaubnis des A wenige Wochen zuvor wegen einer Trunkenheitsfahrt vorläufig sichergestellt worden war.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Köln, 16 U 14/98, 07.12.1998

OLGR Köln 1999, 104

 

H6893

Pkw kommt bei ca. 100 km/h auf BAB wegen eines Reifendefekts ins Schleudern und verunfallt. Fahrer A hat Geschwindigkeit nicht sofort reduziert, nachdem er deutlich „ungewöhnliche“ Reifengeräusche vernommen hat. Beifahrer B wird durch Unfall verletzt.

Haftungsverteilung: A mind. 75 %, B max. 25 %

OLG Celle, 02.12.2004, 14 U 54/04

OLGR Celle 2005, 344

 

H6894

Jugendlicher A steigt zu 14-jährigem B in den Pkw, den B von seinen Eltern entwendet hat. B flieht während der Fahrt vor Polizeistreife und verursacht schuldhaft einen Frontalzusammenstoß, bei dem A schwer verletzt wird. B verlangt von A Schmerzensgeld.

Haftungsverteilung: A 3/5, B 2/5

LG Duisburg, 22.03.2005, 8 O 406/02

JURIS online

 

H6895

10-jähriger Junge A wird mit seinem BMX-Rad auf einem privaten Garagenhof von einem Pkw B erfasst. A trug keinen Schutzhelm, mit dem er geringere Verletzungen erlitten hätte.

Haftungsverteilung: B: 100 %

OLG Düsseldorf, 1 U 9/06,14.08.2006

NJW-Spezial 2006, 500

 

H6896

Pkw A erfasst Radfahrer B, der die Vorfahrt missachtet. Unfall war für A nicht unabwendbar. B, der tödliche Verletzungen erlitt, trug keinen Schutzhelm.

Haftungsverteilung: A 50 %, B 50 %

OLG Stuttgart, 10 U 260/93, 29.04.1997

OLGR Stuttgart 1998, 345

 

H6897

Zu schnell fahrender Rennradfahrer A stößt auf Landstraße mit einem die Vorfahrt missachtenden Traktorgespann B zusammen und zieht sich dabei schwere Kopfverletzungen zuzieht, die bei Tragen eines Schutzhelms vermeidbar gewesen wären.

Haftungsverteilung: A 100 %

OLG Düsseldorf, I-1 U 182/06, 12.02.2007

DAR 2007, 458

 

H6898

Mutter A lässt fünfjähriges Kind ohne Schutzhelm in einem Kindersitz mit dem Fahrrad eines Bekannten transportieren. A wird durch einen von Kfz B verschuldeten Unfall am Kopf verletzt. Aufsichtspflichtverletzung der A?

Haftungsverteilung: A 0%

OLG Celle, 11.06.2008, 14 U 179/07

BeckRS 2008 12826

 

H6899

Angegurteter Beifahrer A, beugt sich mit Kopf und Oberkörper bei nicht gestrafftem Sicherheitsgurt zum Handschuhfach in die Nähe des Armaturenbretts und der Frontscheibe vor und zieht sich bei zeitgleichem, von vorfahrtsverletzendem Kfz B allein verursachtem Unfall u.a. schwere Kopf- und HWS-Verletzungen zu.

A 10%, B 90%

LG München II, 26.06.2008, 12 O 140/07

Schaden-Praxis 2009, 10

 

 

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